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Schulmedizin arbeitet mit chinesischer Heilkunst zusammen

Die wiederentdeckte Medizin

(dr) Man kann in Unterhaltungen über das Lieblingsthema Gesundheit neue Begriffe und mit ihnen einen neuen Trend erkennen, der sich auf die älteste überlieferte Medizin, die chinesische Heilkunst, beruft. Sie war eine Zeitlang sehr in Vergessenheit geraten. Jetzt ist sie wieder da und fasziniert immer mehr Fachleute und Laien. Das Resultat zeigt sich in der steigenden Zahl von Ärzten, die eine Zusatzausbildung etwa in Akupunktur haben und in der wachsenden Zahl der entsprechenden medizinischen Fachgesellschaften.

Mitten im bayerischen Raum gibt es ein Beispiel für gute Zusammenarbeit von westlicher und fernöstlicher Medizin. Hier befindet sich eine Privatklinik, in der sowohl chinesische, als auch deutsche Spezialisten einen gemeinsamen Weg der Heilung für die Patienten beschreiten, und das mit Erfolg. Es ist vor allem ein Beispiel dafür, daß sich beide Medizinen nicht feindlich gegenüberstehen müssen, sondern sich bestens ergänzen.

Von Seiten der chinesischen Ärzte gibt es eine völlig andere Herangehensweise an eine Krankheit. Sie haben nicht den begrenzten Blick auf nur ein unmittelbar betroffenes Organ, weil sie die Ärzte nicht auf verschiedene Fachrichtungen, wie Kardiologie, Hals-Nasen-Ohren, spezialisieren. Auch benötigen sie nicht ausschließlich Röntgenbilder, EKGs, Laborwerte und irgendwelche meßbaren Größen, um eine Diagnose aufstellen zu können.

Ihre Fragen, die sie den Patienten bei der Visite stellen, klingen in unseren Ohren eher profan. Der Arzt fragt nach Durstempfinden und Schlafstörungen. Er mißt den Puls, untersucht die Zunge, die Bewegung und Haut. Das handhaben deutsche gewissenhafte Ärzte genauso. Nur sind die chinesischen Kriterien viel differenzierter. Die Zusammenarbeit findet insofern statt, daß die Ärzte gemeinsam einen Weg suchen. Bei neuen Patienten wird erst einmal generell ein „normaler“ Gesundheitscheck gemacht, wie in allen Krankenhäusern. Anschließend versucht man miteinander die passende Therapie für die Patienten zusammenzustellen, ob diese nun eine Akupunktur enthält, bei der „geheimnisvolle“ Energiebahnen im Körper gereizt werden, um damit Schmerzzustände zu lindern, oder eine bestimmte Kräuterteemischung oder auch Massagen.

Es existieren 28 Arten, den Puls zu deuten. Hinzu kommt, daß die chinesische Medizin die verschiedensten Kopfschmerz- und Migränearten kennt und dementsprechend unterschiedliche Behandlungsmethoden. Es gibt einfache, gut wirksame Rezepturen. Auf dem Tagesplan des Patienten stehen eine nachmittägliche Teestunde, wie auch regelmäßige Atem- und Bewegungsübungen per Video. Auch eine spezielle Art der Wärmebehandlung und Massage gehören dazu.

Außerdem bietet die Klinik mit bayerischem Standort eine Sportart an, Qigong, die den Fluß der Lebensenergie stärken soll. So gibt es die verschiedensten Behandlungsmethoden, und viele davon sind sehr von Erfolg gekrönt. Man muß aber noch hinzufügen, daß ein großer Teil der Patienten, die dort hingelangen, von der Schulmedizin bereits aufgegeben wurden. Ziel ist es also, eine andere Methode auszuprobieren.

Kleiner Ausflug in die Geschichte

Seit dreitausend Jahren gibt es die Erkenntnisse der chinesischen Heilkunst. Es existierte dabei ein ganz besonderer Ansporn: Er bestand darin, daß die chinesischen „Heilkünstler“ erst dann ihren Lohn erhielten, wenn sie den Patienten nicht nur geheilt hatten, sondern er auch gesund blieb. Die Blütezeit dieser Medizin war im achten Jahrhundert, danach erfuhr sie einen langsamen Untergang. Doch in all diesen Jahrhunderten hat sich die chinesische Heilkunst entwickelt. Sie beruht auf speziellen Denkweisen, bei denen der Ausgleich gegenpoliger Kräfte eine große Rolle spielt. Mit Yin-Yang ist inzwischen schon jeder in Berührung gekommen. Diese Lehre finden wir hier als Grundlage der Heilung. Es geht dabei um den Zusammenhang von Gegensatzpaaren, wie hell und dunkel, kalt und heiß und so weiter. Nicht das einzelne Organ allein wird betrachtet. Vielmehr gibt es verschiedene Funktionskreise, denen bestimmte Elemente zugeordnet werden, Nahrungsmittel, Geschmacks- und Temperaturempfinden. Zu jedem Organ gibt es ein zugehöriges Gegenorgan, und dieses wird dann auch mitbehandelt, um das gesamte Gleichgewicht der Energien wieder in Einklang zu bringen. Dies gilt es zu beobachten und in Verbindung zu dem Leiden zu bringen. Sehr wichtig, sozusagen das Herz der chinesischen Heilkunst, ist die Zubereitung der Rezepturen. Diese werden immer wieder der Gegebenheit neu angepaßt. Für die Rezepturen werden die ungewöhnlichsten Sachen aufgefahren. Da gibt es alles von Kräutern, Hölzern über Mineralien und Früchte bis hin zu Chitinhüllen und Skorpionpanzern – leider auch Zutaten von geschützten Pflanzen und Tieren.

Ein kleiner Wegweiser

Der Temperaturzustand der Füße, ob man oft Süßes ißt und so weiter, helfen bei der Klärung, was dem Betroffenen fehlt. Ebenso ist das, was Patienten selbst über sich sagen, von Bedeutung. Nach dem Gespräch folgt die Feststellung von Krankheitssymptomen. Aber auch für westliche Verhältnisse eher „unwichtige“ Hinweise beachten die Ärzte: So bemerken sie, ob der Mensch aufrecht oder gebückt geht, ob er schlank, muskulös oder aufgeschwemmt ist. Außerdem werden Merkmale wie die Lautstärke der Stimme registriert.

Zusammengenommen ermöglichen alle diese Faktoren einen Blick auf den Zustand der Organe. Das ist schon bewundernswert. Ebenso zur Untersuchung gehören eine ausführliche Puls- und Zungendiagnose. So wird der Puls zum Beispiel an beiden Handgelenken gemessen. Auch hierfür ist der Grund, eine Aussage über den Zustand der Organsysteme liefern zu können.

Trotzdem auch die Medikamente dieser Medizin Nebenwirkungen haben, sind sie meist schwächer als bei unserer Schulmedizin. So gehört zu einer vernünftigen Therapie auch eine ständige Beobachtung des Patienten, um einerseits den Erfolg zu prüfen und andererseits eine Änderung der Behandlung, falls nötig, vorzunehmen. Bleibt zu hoffen, daß die Zusammenarbeit zwischen der chinesischen und der Schulmedizin noch ausgedehnt wird. Vielleicht erkennen sie dann auch mehr Menschen an, als es bis jetzt noch der Fall ist. Denn warum sollten geschichtliche Überlieferungen und uralte Erfahrungen im Kampf um das Überleben vergessen werden?


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