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Frauen

Marie Curie & Co

„Madame Curie und ihre Schwestern“ ist die Fortsetzung der Anthologie „Nicht nur Madame Curie...“. Die 28 Nobelpreisträgerinnen (je 14) werden hierin vorgestellt. Ihre Biographien sind keine Aneinanderreihung von Daten, sondern geben Einblick in ihr Leben und die Entwicklung ihrer Arbeit. Die Frauen werden dabei als Menschen wahr- und ernstgenommen – erst beim Lesen wird einem klar, wie selten dies in diesem und anderen Zusammenhängen der Fall ist, zum Beispiel das nebensächliche Zitieren von Schimpfwörtern ist bei Frauen, obwohl selbstverständlich, normalerweise unüblich. Trotz ihres weiten geistigen Horizonts versuchten viele der Frauen den moralischen Anforderungen nachzukommen, die die Gesellschaft an sie stellte. Dieses Streben trat jedoch in den Schatten ihrer geistigen Arbeit -Gott sei Dank- zugunsten der Emanzipation, zu deren Vorbildern sie zwangsläufig wurden. Dies ist keine bloße „Quoten-Anthologie“, sondern eine Sammlung unheimlich spannender und fesselnd erzählter Biographien interessanter Menschen.

Charlotte Kerner (Hrsg.), Madame Curie und ihre Schwestern, Beltz 1997, 464 S., 38,00 DM

Massentierhaltung

Hähnchen mit Pommes

Massentierhaltung kann mensch boykottieren, indem er Vegetarier wird oder sich nur von Fleisch aus ökologischer Tierhaltung ernährt. Doch Boykottieren allein bringt nicht viel, wissen Micha, Florian und Ines. Sie erleben die tierquälerische Massentierhaltung aus nächster Nähe; denn Ines’ Vater ist Besitzer einer Hühnerfabrik. Die Hühner vegetieren dort in Gestank und Dunkelheit, in nicht artgerechter Haltung schmerzlich dem Tod entgegen. Die Auseinandersetzung mit den lebensverachtenden Methoden und Folgen der Massentierhaltung, der Ines’ Familie ihr luxuriöses Leben verdankt, stürzt Ines in eine schwere seelische Krise. Die Autorin beschreibt ihren Konflikt mit dem Elternhaus und die Beziehung zu ihren Freunden sehr sensibel. Durch die knallharte Gegenüberstellung des Wohlstands der Eltern mit den brutalen Fakten der Massentierhaltung einerseits, die Gegenüberstellung von Leben und Tod innerhalb der Massentierhaltung andererseits, hat dieses Buch aber auch einen brutalen Zug. Es ist ein Jugendbuch darüber, was auf vielen Mittagstischen zu finden ist: ein Buch über Hähnchen mit Pommes. Würden sich mehr Menschen damit auseinandersetzen, unter welch grausamen Bedingungen ihr Tiefkühlhähnchen vor sich hinvegetieren mußte, würden die Tiere sicher nicht so leiden, wie in diesem Buch aufgezeigt.

Christa Ludwig, Die Federtoten, anrich 1997, DM 29,80

Science fiction

Künstliche Befruchtung

Der siebzehnjährige Karl, der als Baby adoptiert wurde, ist auf der Suche nach seinen leiblichen Eltern. In einer Welt, in der 50 % aller Menschen mit Fortpflanzungshilfen geboren werden, ist dies jedoch nicht allzu leicht. Die Geschichte spielt 2016. Bis 1989 basieren die von der Autorin geschickt in die Handlung eingewobenen Ereignisse auf der Realität. Bedenklich -und nicht unbedingt nötig- ist, daß sie acht Jahre hinzudichtet, die bereits nicht mehr „Zukunft“ sind. Es ist Tatsache, daß immer mehr Frauen durch Umweltgifte zu Fehlgeburten neigen oder nicht schwanger werden. Warum aber sollen anstelle des Umweltschutzes Gen-Schutz-Verbände treten? Das eine hängt doch mit dem anderen zusammen. Der makabere Zynismus, mit dem die Autorin den Zerfall der Ethik und das Zurücktreten des einzelnen hinter den Fortschritt beschreibt, jagt einem kalte Schauer über den Rücken. Ein spannender Roman über den Fortschritt der Gentechnik.

Charlotte Kerner, Geboren 1999, Beltz 1997, 19,90 DM

Zum Angucken

Wunderbarer Planet

Viele Geheimnisse unseres Sonnensystems werden uns noch für lange Zeit verborgen bleiben. Dieses Buch zeigt die Geschichte unserer Erde. Mit Hilfe von phantastischen Photos dokumentiert das Buch in verschiedenen Kapiteln 4,6 Milliarden Jahre der Entstehung unseres Planeten.

Das Buch behandelt die verschiedenen Erdzeitalter und beantwortet zum Beispiel die Frage, warum man im Himalaja marine Fossilien finden kann. Für alle Geo-Interessierten ist das Buch auf jeden Fall zu empfehlen.

Wunderbarer Planet, vgs verlagsgesellschaft mbH & Co KG , Köln, 258 Seiten, 29,80 DM

Sketchbook

Manche Bücher werden gleich zu Lieblingsbüchern, mit manchen muß mensch sich ersteinmal anfreunden. Dann aber werden sie Freunde fürs Leben. Ein solches Buch ist die neue Ausgabe des Sketchbooks (Skizzenbuch) von Robert Crumb. Selbiger produziert „Comics“ und Sinnsprüche der besonderen Art. Allerdings auf Englisch. Der Ausgabe liegt glücklicherweise eine klasse Übersetzung vom befreundeten Harry Rowohlt bei. Die Sketchbook wurden nur bei Zweitausendeins verlegt, sind auf dem Buchmarkt zu echten Sammlerstücken geworden. Jetzt besteht also die einmalige Chance, eines der begehrten Bücher zu erlangen und gleichzeitig noch Einblicke in die Höhen und Tiefen des Menschen zu bekommen. Finstere Einblicke mit bissigem Humor. Sehr beeindruckend.

Sketchbook April 1991 – September 1996, Robert Crumb, Zweitausendeins, DM 50,00

Indigene Völker

Lappland

Hoch im europäischen Norden liegt Lappland. Kälte, dunkle Winter, Sümpfe und Rentiere bestimmen die Lebensgewohnheit des Volkes der Samen (häufig als Lappen bezeichnet, was auf die Art des Nähens von Kleidung hinweist). Ein Schweizer verbringt dort die Hälfte seines Jahres und hat nun die Lebensgewohnheiten, Feste, Riten der finnischen Samen in einer Art Reisebeschreibung zusammengefaßt. Die Schilderung von Konflikten dieses Nomadenvolkes mit den jeweiligen Regierungen und die Bestrebungen nach einem eigenen Staat und Erhalt des Kulturgutes finden leider keinen Raum in diesem Buch.

Am Rande der Arktis, H.U. Schwaar, Verlag Im Waldgut, DM 32,00

Nachhaltigkeit

Begriffsstreitereien

„Nachhaltige Entwicklung“ ist in aller Munde, ihre kommunale Umsetzung im Rahmen der „Agenda 21“ derzeit eines der wichtigsten Arbeitsfelder der Umweltbewegung. Doch habt Ihr Euch nicht auch schon manchesmal gewundert, daß die Forderung nach Nachhaltigkeit bzw. Zukunftsfähigkeit bislang scheinbar unversöhnliche Kontrahenten (von der BUNDjugend bis zur Hoechst AG) unter einem Dach vereint? Die AutorInnen dieses Buches arbeiten diese Widersprüche heraus. Fundiert zeichnen sie die nun schon ein Jahrzehnt andauernde Diskussion nach, versuchen sich an exakten Begriffsbestimmungen von „Nachhaltigkeit“ einerseits und „Entwicklung“ andererseits, arbeiten die zentralen Elemente der bedeutendsten Studien zur Verknüpfung von Umwelt und Entwicklung heraus, zu denen (überraschenderweise) auch die Forderung nach einem dauerhaften Wirtschaftswachstum zählt.

Eblighaus/Stickler zeigen deutlich, daß soziale und entwicklungspolitische Komponenten im Nachhaltigkeitsdiskurs real nur eine kleine Rolle spielen, die vorherrschenden politischen und wirtschaftlichen werden nur oberflächlich kritisiert. Damit setzen die AutorInnen einen wichtigen Kontrapunkt in einer bislang einseitigen Debatte.

Helga Eblinghaus/Armin Stickler: Nachhaltigkeit und Macht. Zur Kritik von Sustainable Developement. Iko-Verlag Frankfurt/M., 238 S., DM 29,80


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