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Teufelsbergbebauung

Wald oder Schutt – das ist hier die Frage

(sh) Waldgebiet oder „nur“ Trümmerberg? Dies ist die zentrale Frage, die beantwortet werden muß, bevor über die Zukunft des Teufelsberges entschieden werden kann. Geplant ist die Bebauung mit einer Gaststätte sowie einem Hotel und Nobelwohnungen, erstrangig für „Berlin-Besucher“, die, so der Investor, „genug von Hotels haben, sich längere Zeit in Berlin aufhalten, in einer eigenen Wohnung wohnen und dennoch den Hotelservice nicht missen wollen“. Das hört sich für die einen traumhaft an, für die anderen ist die Teufelsbergbebauung jedoch schon zum quälenden Alptraum geworden. So fürchten nicht nur die Anwohner um Natur und Ruhe. Wieviel Natur ist der Teufelsberg aber wirklich? Handelt es sich um „ein bißchen bewachsenen Schutt“ oder Wald, den es zu schützen gilt?

Der Kaufvertrag, nach dem die Investorengruppe das 35.000 Quadratmeter große Gelände erworben hat, besagt, bei dem Objekt Teufelsberg handle es sich um Waldgebiet, was die von Umweltverbänden vertretene Ansicht stützt. Der Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz jedoch ist anderer Ansicht. Beim Teufelberg handle es sich „weder materiell noch rechtlich um Wald“. Insofern, als daß auf dem umstrittenen Berg keine Bäume stehen oder gestanden haben, ist dem Staatssekretär in der „materiellen Frage“ zuzustimmen. Beim Rechtlichen scheint er sich aber im Paragraphenwald verlaufen zu haben. Denkt man daran, den roten Faden an Schreibtischkante und Handgelenk festzubinden, um später aus Gesetzestexten wieder zurück auf den Boden der „Berliner Schnauze“ zu gelangen, kann man sich getrost den Paragraphen hingeben und so recht schnell im Landes-Waldgesetz § 2 unter „Waldbegriff“ Folgendes lesen:

„Als Wald gelten auch kahlgeschlagene oder verlichtete Grundflächen, Waldwege, Waldeinteilungs- und Sicherungsstreifen, Waldblößen und Lichtungen, Waldwiesen, Wildäsungsplätze, Holzlagerplätze sowie weitere mit dem Wald verbundene und ihm dienende Flächen mit Erholungseinrichtungen, Gaststätten, Parkplätze und Moore“. Mindestens rechtlich handelt es sich anscheinend bei dem im Berliner Grunewald gelegen Teufelsberg um Wald.

Auch Naturschutzverbände stützen sich auf die rechtlich verankerte Walddefinition. Sie kritisieren die geplante Bebauung stark: Nicht nur dem Teufelsberg als solchem werde geschadet, sondern auch die Naturschutzgebiete Postfenn und Teufelsfenn seien in Gefahr. Nicht unproblematisch sei auch die Unerschlossenheit für den Autoverkehr. Natürlich sollen die Hotelgäste, geplant sind 120 Betten, mit dem Auto vorfahren können. Das wird lange Straßen nach sich ziehen...

Ebenso wie die Naturschutzverbände sprachen sich auch Bündnis 90/Die Grünen gegen das Bebauungsvorhaben aus. „Dreifache Rechtsbeugung zugunsten des Investors“ warfen sie dem Land Berlin vor. Erstens sei die „strittige Fläche“ „ohne Beteiligung des Abgeordnetenhauses an den Investor zu einem Spottpreis veräußert“ worden.

Zweitens sei laut Bündnis 90/Die Grünen die Berichtigung des Flächennutzungsplans eine Rechtsbeugung gewesen. Der Flächennutzungsplan sei von der Zweckbestimmung „Sonderbaufläche mit hohem Grünanteil Kultur/Erholung“ zur Zweckbestimmung „Zentrum“ geändert, das Abgeordnetenhaus aber nicht beteiligt worden. Drittens handle es sich um Waldgebiet, und auf solchem sei „allenfalls die Einrichtung einer Ausflugsgaststätte erlaubt“.

Doch selbst gegen die Bebauung mit einer Gaststätte sprachen sich laut einer Umfrage der Bürgerinitative Teufelsberg 90% der direkt auf dem Berg Befragten aus.

Auch gesetzt den Fall, der Teufelsberg sei kein Waldgebiet, müßte ernsthaft darüber nachgedacht werden, ob nicht ein Denkmal für die Trümmerfrauen auf dem Teufelsberg angebrachter wäre als Bebauung mit Nobelhotel und Gaststätte. Schließlich liegen unter Erde und Gras nicht nur ein Viertel des Trümmerschutts aus dem 2. Weltkrieg, sondern auch viele mühsame Arbeitsstunden.

Seit 1936 standen hier, der Berg als solcher existierte noch nicht, die Bauten der Wehrtechnischen Fakultät, deren vollständiger Ausbau jedoch niemals abgeschlossen wurde. Im „Kalten Krieg“ bauten die Amerikaner auf der Kuppel ihre Sendeanlagen und richteten sie nach Osten, um den „feindlichen Sektor“ abzuhören.

Der Investor gibt vor, das Gelände für die „breite Masse erholungssuchender Berliner“ durch seine Bauten zugänglicher zu machen. Es ist aber schon jetzt klar, daß der Zutritt auf der Kuppel nur Hotel- und Gaststättenbesuchern vorbehalten sein wird. So ist die Bebauung für den Investor selbst, das Land Berlin, das sich über die „Sanierung“ durch den Investor freut, und einige ausgesuchte Berlinbesucher durchaus wünschenswert, für die breite Masse der Berliner aber mehr als ärgerlich.

Wir werden uns noch etwas gedulden müssen, bis die endgültige Entscheidung gefallen ist, ob Wald: ja oder nein, Bebauung: ja, aber wie.

Da hilft einmal mehr nichts als warten.


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