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Gutes Ende für Shells bekannteste Ölplattform

Brent Spar wird in Scheibchen geschnitten

(es) Ende Januar gab Shell die Neuigkeit bekannt: Die Ölplattform Brent Spar soll nun in Scheiben zerlegt und im norwegischen Stavanger als Küstenbefestigung genutzt werden. Damit scheint bei der Geschichte, die vor eineinhalb Jahren mit dem Kampf zwischen David und Goliath alias Greenpeace und Shell begann und seitdem im norwegischen Erfjord vor sich hinrostet, nun ein Ende in Sicht zu sein. Die geplante Entsorgung an Land könnte auch als attraktive Alternative zur Versenkung in der Tiefsee Schule machen. In den nächsten Jahren müssen über 300 Plattformen versenkt werden.

Eineinhalb Jahre haben sich Scharen von Ingenieuren den Kopf zerbrochen, wie man den 14.500 Tonnen schweren Koloß umweltfreundlich und sicher aus der Welt schaffen könnte. Shell hatte dafür extra einen internationalen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, bei dem es 450 Entsorgungsideen gab. Diese sehen nicht ausnahmslos die Verschrottung vor. So reichen die Vorschläge von einem mit Windrädern bestückten Vergnügungspark über eine Meerwasserentsalzungsanlage bis hin zu der Idee, ein riesiges Grab auf dem Meeresboden für die Plattform auszuheben.

Die Einsendungen wurden auf ihre finanzielle und technische Machbarkeit sowie auf ihre ökologische Auswirkungen untersucht. Als technisch schwierig erwies sich hierbei vor allem ein Transport zum Land, da die 137 Meter hohe Brent Spar dafür zuerst leicht gekippt und angehoben werden muß. Das ist angesichts der Konstruktion der Tankwände ein heikles Unterfangen, da diese so dünn sind, daß sie unter anderen Druckverhältnissen leicht bersten könnten.

Der nun von dem britisch-norwegischen Konsortium WOOD-GMC vorgeschlagene und ausgewählte Vorschlag sieht vor, die Brent Spar Stück für Stück aus dem Meer zu heben. Dafür wird eine riesige Hebebühne unter dem Koloß montiert und über Stahlseile mit zwei neben der Plattform schwimmenden Tragschiffen verbunden. So kann die ehemalige Bohrinsel langsam hochgehoben und in Scheiben zerstückelt werden. Gleichzeitig wird das ölverschmutzte Wasser aus dem Stahlrumpf abgepumpt. Die 1.000 Tonnen schweren Scheiben werden mit Lastkähnen an Land geschleppt, von Schmutz und Schadstoffen befreit und zuletzt als Stahlfundamente für einen neuen Fähranleger benutzt. Auf diese Weise werden Geld, Energie und Material für ein extra hergestelltes Fundament gespart.

Im Vergleich mit der Tiefsee-Entsorgung und anderen Alternativen der Landentsorgung hatte das Konzept von WOOD-GMC durchweg gute Noten erhalten. Die Schadstoffemissionen sind gering, und immerhin 85 Prozent des Materials werden wiederverwendet. Lediglich die Deckaufbauten müssen verschrottet werden. Für dieses auch unter ökologischen Gesichtspunkten beste Entsorgungskonzept greift Shell auch tief in die Tasche. Rund 70 Millionen Mark Kosten sind veranschlagt worden, wovon aber als nicht unerheblicher Nebeneffekt norwegische und britische Arbeitsplätze geschaffen werden.

Für die Entsorgungsindustrie könnte sich das, was nun mit der Brent Spar angefangen wird, in Zukunft bezahlt machen. Von den zur Zeit ungefähr 430 Ölplattformen müssen in den nächsten Jahren rund drei Viertel entsorgt werden. Daß es viele Alternativen zur Versenkung in der Tiefsee gibt, zeigt die Bandbreite der Konzepte, die im Brent-Spar-Wettbewerb ersonnen wurden.

Für Shell spielt bei dieser Sache natürlich auch das Image eine Rolle. So wurde 1995 bei der Besetzung der Brent Spar durch Greenpeace der Ölkonzern zum großen Teil durch den Boykottaufruf und die damit verbunden Umsatzeinbußen in die Knie gezwungen. Heute hat Shell zwar wieder seine alten Marktanteile von 12 Prozent im deutschen Tankstellengeschäft, in der Öffentlichkeit steht Shell jedoch immer noch „wie ein verurteilter Straftäter auf Bewährung“ da, wie der Dresdner Publizistikprofessor Donsbach in seinem Buch über Shell treffend beschreibt.


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