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Gentechnik

Von Riesentomaten und Turbokühen

(lp) Mal angenommen, das Essen, das Du so alltäglich zu Dir nimmst, könntest Du beliebig gestalten. Wie müßte es idealerweise beschaffen sein? Es müßte natürlich richtig gut schmecken, Biß haben. Gesund muß es nicht unbedingt sein, aber schlapp oder gar krank sollte es natürlich auch nicht machen. Dick werden wollen wir auf gar keinen Fall. Da zuviel Essen aber genau das bewirkt, wäre es ganz gut, würde unser Idealessen sättigen. Enthielte es auch noch lebenswichtige Nährstoffe und Vitamine, wäre es perfekt.

In den letzten Jahren wurden unsere Lebensmittel immer weiter entwickelt. Dies führt häufig dazu, daß das Essen lecker aussieht, nicht unbedingt gut schmeckt, nicht genug wertvolle Nährstoffe und Vitamine enthält und deshalb oftmals nicht richtig sättigt. Um dieselbe Anzahl an Vitaminen zu sich zu nehmen wie beim Verzehr eines Apfels einer alten Sorte beispielsweise, muß mensch heute fünf von jenen hellgrünen, glänzenden Supermarkt-Äpfeln essen.

Den konventionellen Obst- und Gemüseherstellern reicht das jedoch nicht. Sie sehen vor allem in der Produktion, dem Anbau des Obstes und Gemüses, Möglichkeiten, ihren Gewinn zu optimieren. Anstatt die Felder, auf denen unsere Nahrung heranwächst, in mehreren Etappen zu spritzen, sollen sie nur einmal – dafür aber um vieles intensiver – gespritzt werden. Allerdings würden dabei nicht nur Unkraut und Insekten vernichtet, sondern auch unsere herkömmlichen Obst- und Gemüsesorten. Eine Möglichkeit, es gegen den Giftangriff resistent (unempfindlich) zu machen, besteht darin, es gentechnisch zu verändern.

In die Erbsubstanz (die Gene) von z.B. Sojabohnen, Mais oder Raps werden bestimmte Fremdgene eingebracht, so daß Landwirte die Felder mit dem starken Herbizid vom (selbstverständlich) selben Hersteller spritzen können. Entsprechend ihrer vernichtenden Eigenschaft haben die Herbizide Namen wie „Basta“ (von Hoechst/Agrevo) und „Roundup-Ready“ (von Monsata).

Ein solcher Giftanschlag beeinträchtigt das ökologische Gleichgewicht in einem in der Landwirtschaft bisher kaum gekannten Ausmaß. Die Möglichkeit einer Regeneration (Erholung) wird nicht nur extrem erschwert. Künstliche Pflanzen passen auch einfach nicht in den Bauplan der Natur. Ihre Wechselwirkungen mit der natürlichen Umgebung sind nicht bekannt.

In Deutschland gibt es immer mehr Versuchsfelder, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden. Lehnten anfangs auch die Politiker Gentechnik generell ab, so ist in den letzten Jahren eine zunehmende Akzeptanz bzw. Förderung sichtbar. Gesetze werden dementsprechend gelockert. Deutschland ist das Land mit den meisten zugelassenen Gentechnik-Präparaten auf dem Pharma-Markt.

Je lockerer die Gesetze, um so mehr Unternehmen siedeln sich natürlich auch in Deutschland an. Etwa 300 gibt es derzeit, und sie locken mit Arbeitsplätzen. Daß diese anderswo verlorengehen, wird verschwiegen. Trotzdem stärkt dieses Argument leider die Akzeptanz der Gentechnik in der Bevölkerung. Derer scheint sich die Gentechnik-Branche allerdings nicht allzu sicher zu sein. Denn von einer Kennzeichnung ihrer Produkte sieht sie ab. Gesetze fehlen. Vor allem für Allergiker ein verheerendes Problem: Bekommen sie zum Beispiel von Nüssen Ausschlag, können sie nun auch ganz unerwartet beim Verzehr von Sojabohnen, die ein nicht sichtbares Nußgen enthalten, welchen bekommen.

Im Labor – hinter verschlossenen Türen – wird derweil weiter experimentiert, nicht nur an Pflanzen. In den USA gibt es trotz Milchüberschüssen schon sogenannte „Turbokühe“. Gentechnisch erzeugte Riesenschweine, die an Gelenkdeformation und Herzschwäche leiden, kaum überlebensfähig sind, und ähnliches entsteht. Spätestens das ist keine Frage des guten Geschmacks mehr.


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