Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(dr) Wo kommt die Wärme bloß her, die aus den Heizkörpern in unseren Wohnungen strömt, wo doch das Haus gar keine eigene Heizung hat? In Berlin werden Strom und Wärme aus Kohle, Erdgas und Öl erzeugt. Diese stammen aus Heizwerken, in welchen nur Wärme produziert wird, sowie Heizkraftwerken und Blockheizkraftwerken, die gleichzeitig Strom und Wärme bereitstellen. Außerdem existieren noch Kraftwerke, die ausschließlich für die Stromerzeuguung gebaut sind. Die Bewag mit ihrem Monopol betreibt in Berlin die größte Wärmeversorgung in ganz Europa. Da ist es schon relativ erschreckend, daß sie nur ein ein einziges Blockheizkraftwerk (BHKW), nämlich in Köpenick, ihr Eigen nennt.
Allgemein sind BHKW Energieerzeugungsanlagen auf Basis von Verbrennungsmotoren oder Gasturbinen, die Generatoren zur Stromerzeugung antreiben und deren Abwärme anschließend für die Wärmeversorgung genutzt wird. Wenn BHKW dezentral und in unmittelbarer Nähe der Verbraucher eingesetzt werden, stellen sie eine energetisch sinnvolle und umweltverträglichere Alternative zu den herkömmlichen Heizwerken dar. Außerdem senken sich durch ihren verbraucherorientierten Standort die zwangsläufig entstehenden Verteilungsverluste auf dem Weg in die Haushalte.
Bei diesen Kraftwerken dient eine Gasturbine, bestehend aus Brennkammer, Verdichter und Turbine, als Antriebsaggregat. Der Verdichter saugt die Luft an, verdichtet und führt sie anschließend der Brennkammer zu. Nachdem die Verbrennungsgase aus der Brennkammer, als Brennstoff dient extraleichtes Heizöl, in die eigentliche Turbine gelangen, haben sie inzwischen eine Temperatur von 1000°C und hohen Druck. Zwischen Turbine und Verdichter befindet sich ein Getriebe, das die Drehzahl anpaßt. Die Turbine wandelt die Energie um, dabei werden der Druck der Gase sowie deren Temperatur stark verringert. Der verbleibende Wärmeinhalt gelangt anschließend in den Abhitzekessel und wird danach zu Erzeugung von Warmwasser genutzt.
Die technische Konzipierung des BHKW wird nach dem zu erwartenden Wärmebedarf im Netz festgelegt. Somit ist ein wärmeorientierter Einsatz möglich. Als wirtschaftlich optimal ausgelegt gilt so ein Kraftwerk, wenn es mit seinen Modulen ca. 5000 Stunden im Jahr Strom und Wärme bei voller Ausnutzung erzeugen kann. Erst dann ist der Betrieb auch ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.
Die Kraft-Wärme-Module, mit denen das BHKW arbeitet, werden weitgehend an den jahreszeitlich schwankenden Wärmebedarf der Verbraucher angepaßt, denn im Winter benötigt man logischerweise mehr als in den warmen Sommermonaten. Um diese Schwankungen im Wärmebedarf aufzufangen, werden mit Hilfe einer vollautomatischen Steuerung ein oder zwei Module mit optimalem Wirkungsgrad gefahren. Als Beispiel: Die beiden Kraft-Wärme-Module des BHKW Köpenick haben eine thermische Leistung von je 9,3 MW. In Spitzenlastzeiten können drei zusätzliche Spitzenkessel extra thermische Leistung dem Netz zur Verfügung stellen.
Neben der Wärme können die Module außerdem über ihre Generatoren eine elektrische Leistung von, bezogen auf Köpenick, 10,6 MW erzeugen. Diese elektrische Leistung wird in ein Umspannungswerk zur Verteilung an die verschiedenen Abnehmer weitergeleitet.
Die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme in einem BHKW spart gegenüber einer getrennten Erzeugung in einem Kondensationskraftwerk und einem Heizwerk Brennstoffenergie ein. Außerdem wird die anfallende Abwärme aus Abgas; Kühlwasser und Schmieröl bestmöglich genutzt und in das Energieversorgungssystem eingespeist. Ein weiterer Vorteil von BHKW ist die Nähe zu den angeschlossenen Haushalten, wodurch sich die Wärmeverluste in den kurzen Leitungen sehr gering halten.
Einen Teil des Stromes bezieht die Bewag aus anderen, ihr nicht zugehörigen Blockheizkraftwerken. Waren es 1995/1996 noch 3962 kWh, die die Bewag fremd bezog, sank die Zahl im darauffolgenden Jahr um 11,6 % (Bewag-Angaben). Zu einem der selbständigen Blockheizkraftwerksbetreiber gehört die Betreibergesellschaft mbH Berlin (BTB). Sie versteht sich als alternativer Anbieter von Strom und Wärme in Konkurrenz zu Großunternehmen.
Doch bevor der Markt geöffnet wird, kann es sein, daß solche zukunftsträchtigen Unternehmen, die mit dem Betreiben von BHKW derzeit dazu beitragen, daß Ressourcen geschont werden und Kohlendioxidemissionen reduziert werden, nicht mehr existieren. Schuld daran könnten die Preispolitik der Bewag und die Kürzung der Einspeisung von unternehmensfremden BHKW sein. Bleibt zu hoffen, daß die BHKW-Betreiber noch bis 1999 durchhalten und eine umweltverträgliche Alternative im größeren Rahmen erhalten bleibt.
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