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Energie – was ist das nicht?

(al) „Energie, das ist die wirksame Kraft; das ist, was die Möglichkeit in die Wirklichkeit treibt.“ So beschrieb Aristoteles schon vor 2500 Jahren das Phänomen Energie. Das war lange bevor Galileo Galilei sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit Energie auf dem Gebiet der Mechanik beschäftigte, G.W. Leibniz (1646-1716) den Unterschied zwischen potentieller und kinetischer Energie entdeckte, der britische Physiker James P. Joule und der deutsche Arzt Robert Mayer Mitte des 19. Jahrhunderts das Phänomen der Gleichwertigkeit von Wärme und mechanischer Energie enthüllten, und schließlich Lord Kelvin den physikalischen Energiebegriff endgültig im Erkenntnisgebäude der Wissenschaft etablierte.

Trotz der vielen wichtigen Entdeckungen, die seit der Antike auf dem Gebiet der Energie gemacht wurden, verstehen wir heute unter dem Begriff Energie die Fähigkeit eines Systems, Arbeit zu verrichten. Wie man sieht, lag da Aristoteles mit seiner Definition gar nicht so falsch. Betrachtet man einmal die Rolle, die Energie in der Zivilisationsgeschichte der Menschheit spielte und spielt, so kann man sie im Prinzip als die Grundlage allen Lebens ansehen: Aus ihr entstanden Universum, Sonnensystem, unsere Erde, Flora und Fauna, und ohne Energie wäre auch das Leben der Menschen nicht denkbar. Denn schließlich ist die ausreichende Energieversorgung gleichbedeutend mit genug Wärme, Nahrung, Licht und Wohlstand. So war die Energieversorgung seit jeher ein existentieller Faktor im Bewußtsein der Menschen, und der drohenden Gefahr einer Unterversorgung mit diesem Lebenselixier wußte man stets durch revolutionäre, immer neue Techniken zu entkommen. So wurde mit der Verbreitung der Dampfmaschine das Brennholz knapp. Man lernte Kohle als Energieträger zu schätzen und rettete sich so aus der ersten richtigen Energiekrise.

Die Industrialisierung setzte eine Spirale des Wachstums in Gang, die sich bis ins Unermeßliche zu winden scheint, da jedes Glied das unmittelbar folgende bedingt. Fängt man beim Menschen an, der aufgrund seiner intellektuellen Fähigkeiten in der Lage ist, sich die Ressourcen der Erde zunutze zu machen, bedingt das einen ständig steigenden Anspruch an den Lebensstandard, der, wenn man so will, ein Wachstum der Wirtschaft nach sich zieht, wodurch wiederum die Ansprüche hochgeschraubt werden. Kommt dazu dann auch noch ein Anstieg der Weltbevölkerung, so kann man sich ausmalen, welche Ausmaße der Bedarf an Nahrung, Rohstoffen und somit an Energie anzunehmen beginnt. Und der wird heute weltweit fast zu 90% aus den fossilen Energieträgern Erdöl, Kohle und Erdgas gedeckt. Auch wenn in den Industrieländern bezüglich des Bedarfsanstieges für die kommenden Jahre mit einer Stagnation zu rechnen ist, wird der der Entwicklungsländer auf jährlich weitere 6% geschätzt.

Obgleich die Vorräte an fossilen Ressourcen vermutlich noch ein paar 100 Jahre lang ausreichen würden, sieht sich die Menschheit in Anbetracht der mit dem Verbrauch verbundenen Umweltbelastungen vor völlig neue Herausforderungen gestellt, die zu bewältigen von ernstzunehmender Bedeutung für ihr Bestehen ist. Im Gegensatz zu den Aufgaben der Vergangenheit, immer mehr Energiequellen ausfindig zu machen, gilt es heute, Wege zu finden, um alternative, sich regenerierende Energiequellen, wie Biomasse, Wind, Wasserkraft, Sonnenenergie und die gespeicherte Wärme in Luft, Wasser, Boden und tiefer Erdkruste nutzbar zu machen, bei denen man nicht, wie bei der Kernenergie der Fall, vom Regen in die Traufe kommt, da mit dieser Nutzung andere, ebenso bedrohliche Gefahren verbunden sind. Techniken und Kenntnisse sind dazu bereits vorhanden. Schuld an der tiefen Kluft zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit sind hier vielmehr politische und wirtschaftliche Hindernisse, die beseitigt werden müßten, um einer nachhaltigen Wirtschaftsweise, bei der den Ressourcen stets nur soviel entnommen wird, wie in einem bestimmten Zeitraum wieder verfügbar wird, den Weg zu bereiten.

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Juckreiz Energiewirtschaftsgesetz und andere Strukturprobleme: Mit Fossilien ins neue Jahrtausend
Man höre und staune: Bis zum Jahr 2008 sollen die Treibhausgasemissionen dieses Landes um 25% reduziert werden. Was Deutschland angeht, eine Zielsetzung, die sich sehen lassen kann auf dem Weg zum weltweiten gemeinsamen Ziel einer Reduktion um 50% bis 2030 bzw. 80% bis 2050. Worüber man allerdings seltener hören und staunen kann, sind Informationen über konkrete Maßnahmen, die Politiker zur Bannung einer auf schonungslosem Ressourcenverbrauch beruhenden Klimaveränderung zu ergreifen gedenken.

Juckreiz Blockheizkraftwerke: Sinnvolle Alternative durch Strom und Wärme im Duett
Wo kommt die Wärme bloß her, die aus den Heizkörpern in unseren Wohnungen strömt, wo doch das Haus gar keine eigene Heizung hat? In Berlin werden Strom und Wärme aus Kohle, Erdgas und Öl erzeugt. Diese stammen aus Heizwerken, in welchen nur Wärme produziert wird, sowie Heizkraftwerken und Blockheizkraftwerken, die gleichzeitig Strom und Wärme bereitstellen. Außerdem existieren noch Kraftwerke, die ausschließlich für die Stromerzeuguung gebaut sind. Die Bewag mit ihrem Monopol betreibt in Berlin die größte Wärmeversorgung in ganz Europa. Da ist es schon relativ erschreckend, daß sie nur ein ein einziges Blockheizkraftwerk (BHKW), nämlich in Köpenick, ihr Eigen nennt.

Juckreiz Atomkraft: Das Spiel mit dem atomaren Feuer
Etwa ein Drittel des Stroms wird in Deutschland aus Kernenergie gewonnen. Daß diese Art der Stromerzeugung ein gefährliches Spiel mit dem atomaren Feuer ist, müßte spätestens seit den Katastrophen in Harrisburg/USA 1979 und Tschernobyl/Ukraine 1986 auch den atomgläubigsten Managern und Politikern klargeworden sein. Doch die AKWs laufen weiter, von gerichtlich angeordneten Stillegungen abgesehen.

Juckreiz Erster Castor-Transport: Der Pannen-Castor
Im Sommer 1994 wurde im Atomkraftwerk Philippsburg ein Castor IIa mit Brennelementen beladen. Der Behälter sollte zur Zwischenlagerung nach Gorleben gebracht werden. Dies ist inzwischen mit fast einjähriger Verspätung mit Hilfe des größten Polizeieinsatzes in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland geschehen. Alle Beteuerungen der Betreiber von Atomanlagen zu der absoluten Sicherheit des Transportes und der Trockenlagerung bestrahlter Brennelemente in Castor-Behältern sind jedoch vor dem Hintergrund der skandalösen Vorkommnisse bei der Beladung wertlos und sprechen für sich.

Juckreiz Sixpack nach Ahaus: Castoralarm im Münsterland
Der größte Atomzug der Nachkriegsgeschichte soll Ende März ins nordrhein-westfälische Ahaus starten: Je drei Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den Atomkraftwerken Gundremmingen und Neckarwestheim. Für den Schutz der rollenden Mülltonnen werden 20.000 PolizistInnen eingesetzt. Das ungelöste Entsorgungsproblem der Atomindustrie gerät zur materiellen Gewalt: Das öffentliche Leben wird gelähmt, Grundrechte werden kurzfristig außer Kraft gesetzt, sogar die Bundesligaspiele fallen aus. Die Staatsgewalt bahnt mit Knüppeln und Wasserwerfern dem Castor den Weg. Der „Atomstaat“, den Robert Jungk einst prophezeite, kann erneut besichtigt werden.

Juckreiz Verhalten ändern: Sich mal an die eigene Nase fassen und umdenken
Ist der Mensch Vernunftwesen genug, um aus rein theoretischen Einsichten zu handeln, oder werden sich seine Erkenntnisse immer erst dann in seinem Handeln niederschlagen, wenn sie auf eigenen Erfahrungen beruhen? Wäre ersteres der Fall, so würden sich jene Debatten erübrigen, über die Priorität, die man gewillt ist, Maßnamen zum Schutz der Umwelt einzuräumen. Dann würde nämlich schon allein die Möglichkeit genügen, daß sich Szenarien, wie sie von Wissenschaftlern des öfteren prognostiziert werden, auf dieser Erde abspielen könnten.

Juckreiz Regenerative Energiequellen: Aufbruch zu alternativen Horizonten – die Zukunft läßt schön grüßen
Folgendes dürfte anhand der vorhergegangenen Artikel klar geworden sein: Zur Deckung seiner existentiellen Bedürfnisse benötigt der Mensch Energie. Das war schon in grauer Vorzeit der Fall und ist im Grunde erst dadurch zum Problem geworden, daß die „Bedürfnisse“ der Menschen im Laufe der Zeit weit über die Existenznotwendigkeit hinaus gewachsen sind, die Bevölkerungszahl, die sich auf diesem Globus tümmelt, die Grenzen seiner Kapazität zu übersteigen begonnen hat und sich in Folge von Ressourcenknappheit politische Konflikte häufen, die besonders in Regionen, in denen die Frage nach dem Zugang zu Energiequellen über das Überleben ihrer Bewohner entscheidet, oftmals zu Bürgerkriegen ausarten.


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