Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(we/be) Der größte Atomzug der Nachkriegsgeschichte soll Ende März ins nordrhein-westfälische Ahaus starten: Je drei Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den Atomkraftwerken Gundremmingen und Neckarwestheim. Für den Schutz der rollenden Mülltonnen werden 20.000 PolizistInnen eingesetzt. Das ungelöste Entsorgungsproblem der Atomindustrie gerät zur materiellen Gewalt: Das öffentliche Leben wird gelähmt, Grundrechte werden kurzfristig außer Kraft gesetzt, sogar die Bundesligaspiele fallen aus. Die Staatsgewalt bahnt mit Knüppeln und Wasserwerfern dem Castor den Weg. Der Atomstaat, den Robert Jungk einst prophezeite, kann erneut besichtigt werden.
Dieses Szenario ist nicht neu, die Erinnerungen an den Tag X3 im Wendland sind noch ganz frisch: Entschieden wird gegen Atomtransporte und die Entsorgungslüge protestiert. Denn Zwischenlager sind einfach nur Stellplätze, um in den AKWs Platz zu schaffen für deren Weiterbetrieb. Was hat das mit Entsorgung zu tun? NiX.
Gorleben ist überall, als nächstes in Ahaus. Wer glaubt, die Querstellerei sei ein regionalisitisches Phänomen, hat sich getäuscht. Wir sind überall.
Und politische Ignoranz hat ihren Preis. Der letzte Atomtransport schlug mit 111 Millionen DM zu Buche, mal sehen, was der sozialdemokratische Oberbefehlshaber Kniola am Ende in Nordrhein-Westfalen zu zahlen hat. Demos und Protestaktionen sind nur die Spitze eines Eisbergs, es gibt für Atomkraft keine Akzeptanz im Lande.
Mahnwachen und Blockaden gibt es mittlerweile auch an den AKW-Toren wie in Krümmel, wenn abgebrannte Brennelemente zur Wiederaufarbeitung ins Ausland gekarrt werden. Zugegeben, die Planbarkeit derartiger Aktionen ist weitaus schwieriger, weil die AKW-Betreiber ihre Terminabsprachen geheimhalten. Folglich ist die mediale Wahrnehmung weitaus geringer als bei den Großereignissen. Dennoch gilt auch hier, daß sich die Atomtransporte als Achillesverse der Atomindustrie erweisen.
Doch aufgepaßt! Das zentrale Anliegen von Protest und Widerstand sind nicht die Atomtransporte. Uns geht es um den Reaktorbetrieb, die sofortige Stillegung aller Atomanlagen. Erfolgskriterium ist deshalb nicht, ob Transporte durch politischen Druck be- oder sogar verhindert werden. Entscheidend ist am Ende, ob die politische Konfrontation die Ausstiegsdebatte anheizt.
Zurück zum Schwerpunkt Energie
Zurück zum Inhalt von Juckreiz 20