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Verhalten ändern

Sich mal an die eigene Nase fassen und umdenken

(al) Ist der Mensch Vernunftwesen genug, um aus rein theoretischen Einsichten zu handeln, oder werden sich seine Erkenntnisse immer erst dann in seinem Handeln niederschlagen, wenn sie auf eigenen Erfahrungen beruhen? Wäre ersteres der Fall, so würden sich jene Debatten erübrigen, über die Priorität, die man gewillt ist, Maßnamen zum Schutz der Umwelt einzuräumen. Dann würde nämlich schon allein die Möglichkeit genügen, daß sich Szenarien, wie sie von Wissenschaftlern des öfteren prognostiziert werden, auf dieser Erde abspielen könnten.

Wie dem auch sei, richtig unmittelbar beeindruckt fühlt sich die große Masse der Menschen scheinbar davon nicht. Man hat schließlich mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Aber gerade das haben wir in diesem Fall eben nicht. Denn zumeist sind es die Bewohner der sogenannten Entwicklungsländer, die mit den Schäden fertig werden müssen, die zum größten Teil das Produkt der Art und Weise sind, wie die Menschen in den entwickelten (??) Ländern mit der gemeinsamen Umwelt verfahren. Kann es sich diese reiche Minderheit aber wirklich „leisten“ so zu tun, als wäre sie von der doch hauptsächlich von ihr verursachten Ressourcenverknappung gar nicht betroffen?

Daß sich Klimakatastrophen durch Abholzung der Wälder und Schadstoffausstoß, radioaktive Verseuchung durch Reaktorkatastrophen und zunehmende Smogbelastung, um nur einige der möglichen Faktoren zu nennen, langfristig auch auf die Lebensbedingungen in unseren Breiten auswirken werden, ist auch ohne viel Phantasie und besonderes Einfühlungsvermögen zu verstehen.

Eine Möglichkeit, mit diesem Dilemma umzugehen, stellt vielleicht ein Idealismus dar, den zu erhalten sich jeder bemühen sollte, da er, wie ich meine, eine nicht zu unterschätzende Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des Anspruches auf ein Leben in einer intakten Umwelt darstellt, und so zu einem Handeln beitragen könnte, das sich zumindest mit dem eigenen Bewußtsein vereinbaren läßt.

Auch wenn es schwer ist, auf die große Politik Einfluß zu nehmen, da hinter Entscheidungen wie z.B. der, welche Art Energieträger wann und wo verstärkt eingesetzt werden sollten, sich meistens politische, machtpolitische und wirtschaftliche Interessen verbergen, die oft nicht so ohne weiteres zu durchschauen sind, trotz des Gefühls der eigenen Machtlosigkeit und der Überzeugung, daß es im Grunde an den Einflußreichsten der Gesellschaft wäre, sich zu verändern, um in die durch Industrialisierung und Wirtschaftswunder gewachsenen Werte, in denen sich der Einzelne befangen sieht, Bewegung zu bringen, sollte man sich einmal vor Augen führen, daß von uns jeder seinen Teil dazu beiträgt, daß von nur einem Viertel der Menschheit auf der Erde jährlich eine solche Menge an Energieträgern verbraucht wird, zu deren Bildung die Natur mehrere Millionen Jahre benötigt hat.

Es gibt genug zu tun, wenn man das Problem einmal von seiner praktischen Seite her betrachtet und sich in allen Bereichen des Lebens, die mit überflüssigem Energieverbrauch verbunden sind, dafür einsetzt, diesen auf ein akzeptables Maß herunterzuschrauben.

Voraussetzung, um das gemeinsame Ziel der Weltbevölkerung zu verwirklichen,wäre die Reduktion der derzeitigen Emissionen um mehr als die Hälfte, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf ein Niveau unterhalb einer Verdopplung der vorindustriellen Werte zu verringern. Und um beim sündhaftesten Energieverbraucher anzufangen, könnte man sich beispielsweise einmal die Frage stellen, ob es wirklich immer sinnvoll ist, die scheinbar so selbstverständlich gegebenen Möglichkeiten der Mobilität voll auszuschöpfen – das Flugzeug ist das mit Abstand klimaschädlichste Verkehrsmittel.

Weitere Energiesparmöglichkeiten liegen beispielsweise im Verzicht auf den standby-Betrieb von elektrischen Gerätschaften. Eine leicht in Vergessenheit geratene Maßnahme, mit der jedoch eine Einsparung von 10% erzielt werden könnte. Das entspräche der Leistung von zwei großen Kohlekraftwerken bzw. einem der leistungsstärksten Atomkraftwerke, die dann ihren Betrieb einstellen könnten.

Bei der lebenswichtigen Versorgung mit Nahrung, Behausung, Licht und Wasser besteht die Möglichkeit, sich energiesparende Modelle von Kühlschrank und Lampen zuzulegen, auf die Wärmedämmung des Hauses Wert zu legen und dem nicht gerade energiesparenden Vollbad eine Dusche vorzuziehen. Mit dem Kauf von „einheimischen“ Lebensmitteln und Konsumgütern kann man dazu beitragen, die weltweiten Stoffströme ein wenig in die Schranken zu weisen. Ich bin mir sicher, daß jedem noch viele weitere Beispiele einfallen würden, um diese Liste weiterzuführen.

Um zum Erhalt der Natur und damit der Erde etwas beizutragen, muß man also noch nicht einmal besonders spartanisch daherleben. Trotzdem – die Überlegung, ökologischen Gesichtspunkten beim Überdenken seiner aus Bequemlichkeit oder sonstigen Gründen übernommenen Lebensweise größere Priorität einzuräumen und gegebenenfalls auch mal Abstriche vom eigenen Lebensstandard zu machen, könnte der Mühe wert sein. Glück – was auch immer es sein mag – muß nicht notwendigerweise an Luxus gekoppelt sein. Sonst wäre es nicht nachvollziehbar, daß man in Ländern, in denen der Lebensstandard bei weiten nicht an unseren heranreicht, viel öfter auf zufriedenere, ausgefülltere Menschenleben stößt.


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