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Patenschaftsprojekt für strahlengeschädigte Kinder in Weißrußland

Tschernobylkinder, die Erben der Katastrophe

(dr) Die Tschernobyl-Katastrophe hat überall in der Welt Erschütterung und Angst hervorgerufen,. Nach über zehn Jahren ist die Problematik etwas in Vergessenheit geraten, und trotzdem wird sie für die Opfer dieses Unfalls noch in Generationen aktuell bleiben. Noch immer leiden Hunderttausende von Kindern an den Folgen der Katastrophe. Damit man diesen Kindern hilft und sie nicht einfach vergessen und mit ihren Problemen allein gelassen werden, hat der Solidaritätsdienst International eine Patenschaftskampagne ins Leben gerufen.

In Kooperation mit dem Abendblatt hat der SODI 1996 dazu aufgerufen, eine Patenschaft für ein Kind in Weißrußland zu übernehmen. Als Ziel setzte mensch sich, für 1000 Kinder aus Tschernobyl Paten zu finden. Anlaß dazu gab ein Hilferuf der Gewerkschaft des Agrar-Industrie-Komplexes des Mogiljower Gebietes. Diese Gewerkschaft führt seit Jahren Erholungsaufenthalte in ihren Sanatorien und Ferieneinrichtungen durch. Doch die Gelder für die prophylaktische Behandlung von Kindern wurden von Jahr zu Jahr gekürzt. Die gesundheitlichen Probleme der Kinder wie Schilddrüsenerkrankungen, Diphterie und Leukämie blieben. Deshalb wandte sich die Gewerkschaft an SODI.

Die Situation in dem Land ist eine prekäre Wirtschaftslage, die die Ursache für eine Zunahme von Armut und daraus resultierenden Krankheiten darstellt. Doch die Kinder brauchen Hilfe und vor allem medizinische Versorgung, die aufgrund der sinkenden Zahl der Gesundheitseinrichtungen sowie verschlissener Medizintechnik und Inventar nicht mehr in dem Maße gewährleistet werden kann, wie dies nötig ist.

Urlaub im eigenen Land

SODI entschloß sich, anders als in den Jahren zuvor, in denen bereits Hilfe in Form von Sach- und Geldspenden geleistet wurde, nicht mehr wenigen Kindern einen Aufhenthalt in Deutschland zu organisieren. Viel mehr bringt es nach Ansicht des Vereins, dort Ferien- oder Kuraufenthalte zu organisieren, weil es für den gleichen finanziellen Aufwand möglich ist, mehr Kindern medizinische Betreuung zukommen zu lassen. Zum Vergleich: Ein Aufenthalt in unserem Land kostet pro Kind 1000 DM, während mensch in nicht verstrahlten Gebieten Weißrußlands nur 150 bis 250 DM dafür aufbringen muß.

Der Erfolg

Bis heute wurde es dank Patenschaften 1100 Kindern aus Tschernobyl ermöglicht, eine Kur oder Ferien zu machen. Dabei werden vor allem Kinder aus besonders bedürftigen und kinderreichen Familien sowie Waisenheimen ausgewählt. Finanziert wurde das Projekt aber nicht nur durch Geldspenden, sondern auch durch Sachspenden, wie medizinische Geräte, Inventar und Kleidung, um die schlecht ausgerüsteten Gesundheitseinrichtungen zu unterstützen.

Unter den SpenderInnen sind Gruppen wie Kindergärten, Ortsgruppen von Parteien und Gewerkschaften sowie Kirchengemeinden, Vereine, Unternehmen, Firmen, Institutionen und nicht zu vergessen Einzelpersonen und Familien. Es werden allen „Pateneltern“, sofern sie es möchten, Name und Anschrift des „Patenkindes“ übermittelt, damit auch Kontakte zwischen beiden entstehen können.

Eine Klasse als „Patenonkel“

Die Klasse 6b der Marie-Elisabeth von Humboldt-Grundschule in Hohenschönhausen startete eine Spendenaktion, um ursprünglich wenigstens einem Kind einen Kuraufenthalt zu ermöglichen. So trugen sie ihren Teil zu dem Patenschaftsprojekt und zur Entwicklungszusammenarbeit mit anderen Ländern bei. In Summe hatten sie zum Schluß weit mehr als erhofft, nämlich die stattliche Summe von 1764,79 DM und überreichten diese dem SODI im Dezember 1997. Mit diesem Geld kann jetzt sieben Kindern geholfen werden. Dies ist eine herausragende Leistung, wobei zu hoffen bleibt, daß dem Beispiel noch viele folgen werden. Warum versucht Ihr es nicht mal an Eurer Schule, in Eurer Klasse oder mit ein paar Freunden, eine Spendenaktion auf die Beine zu stellen und helft mit, daß die Katastrophe von Tschernobyl nicht in Vergessenheit gerät und diese Kinder nicht mehr so stark an Armut und Unterernährung leiden und sie nicht mehr so oft und vor allem so lange erkranken. Denn das Immunsystem dieser Kinder ist enorm geschwächt.

Auch ein kleiner Beitrag kann schon etwas verändern an dem großen Leid. Wenn Ihr helfen wollt, etwas zu unternehmen und Hilfe bei der Durchführung oder einfach nur Informationen braucht, könnt Ihr Euch an den Solidaritätsdienst International e.V., Grevesmühlener Str. 16, 13059 Berlin, Telefon 030/928 60 47, wenden.


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