Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(uh) Zur Rettung der letzten unberührten Regenwälder in Kanada demonstrierten Greenpeace-Aktivisten in Wiesbaden und Düsseldorf. Sie wollen den Kahlschlag im Great Bear-Regenwald in der Provinz British Columbia verhindern. Durch die Abholzung der Urwälder zur Herstellung von Zellstoff oder Tapetenkleister ist der letzte natürliche Lebensraum von Grizzly-Bären, Weißkopfseeadlern und Kermodebären bedroht. Mit 330 gesammelten Unterschriften deutscher Reisebüros und kanadischer Handelspartner wollen sie auf die Regierung Kanadas Druck ausüben, die Einschläge zu stoppen.
Am Südtor des Industrieparks entrollen Aktivisten von einem zehn Meter hohen Übergang aus über der Zufahrtsstraße ein Banner mit der Aufschrift Hoechst-Clariant zerkocht die letzten Urwälder der Erde! An der Straße steht eine sechs Meter große Grizzly-Figur als Symbol für die bedrohte Tierwelt der kanadischen Regenwälder.
Daneben informiert eine Ausstellung über die dramatische Situation der Urwälder. Als Vertreter der Ureinwohner der kanadischen Regenwälder nimmt ein Häuptling der Nuxalk-Indianer aus der Provinz British Columbia an der Aktion teil.
Die Clariant GmbH, die zu 45 Prozent der Hoechst AG gehört, stellt Zellstoffprodukte her, die zu Tapetenkleister, Farben, Fertigputzen, Zahnpasta und Kosmetikartikeln verarbeitet werden. Clariant ist der größte deutsche Abnehmer des kanadischen Holzkonzerns Doman/WFP, der seit Jahren die Regenwälder an Kanadas Westküste kahlschlägt. Von rund 30.000 Tonnen Zellstoff, die Clariant pro Jahr verarbeitet, stammt ein Drittel von diesem Konzern.
Für den Zellstoff, den Clariant hier verarbeitet, werden die letzten unberührten Regenwälder der Nordhalbkugel abgeholzt. Das Holz von tausend Jahre alten Bäumen landet in Kleister, Farben und Fertigputz. Clariant macht sich mitschuldig an dieser Naturzerstörung, sagt Greenpeace-Sprecher Thomas Henningsen. 80 Prozent der weltweiten Urwälder sind bereits zerstört. Der Kahlschlag der am meisten bedrohten Urwaldgebiete der nördlichen Regenwälder steht vor einem Höhepunkt: Die Holzkonzerne Doman und Interfor wollen in den nächsten Monaten den Einschlag im Great Bear-Regenwald zwischen Vancouver Island und Alaska in der Provinz British Columbia massiv verstärken.
Dieses Regenwaldgebiet an der Westküste Kanadas ist eines der letzten gemäßigten Regenwälder der nördlichen Halbkugel. Hier finden sich die letzten von der Holzindustrie noch nahezu unberührten Urwaldgebiete. Diese Urwälder machen nur ein Prozent der Waldfläche Kanadas aus, beherbergen aber eine immense Artenvielfalt.
In dem Urwald mit über 1000 Jahre alten Beständen an Zedern, Tannen und Fichten und lachsreichen Fjorden leben unzählige Tier- und Pflanzenarten, darunter bedrohte Arten wie Grizzly-Bären und Weißkopfseeadler und der weiße Kermode-Bär, der nur hier vorkommt. Bedroht ist zugleich der Jahrtausende alte Lebensraum der indianischen Ureinwohner.
An der kanadischen Westküste sind von ursprünglich sechs Millionen Hektar Regenwald bereits 60 Prozent zerstört.
Deutschland ist nach den USA und Japan der drittgrößte Importeur von kanadischem Zellstoff. Für Holz und Zellstoff muß man nicht Urwälder kahlschlagen!, meint Henningsen. Auch das kanadische Konsulat in Düsseldorf erhielt Besuch: Vor der Ländervertretung sind als kanadische Mounties (Gebirgspol-izisten) verkleidete Greenpeace-Aktivisten auf vier Pferden vorgeritten.
Die Reiter haben die Unterschriften von 330 deutschen Firmen im Gepäck, die die kanadische Regierung in einem gemeinsamen Appell auffordern, sich für den Erhalt der verbliebenen Regen- wälder einzusetzen. Am Eingang des Konsulats haben die Umweltschützer zwei Banner mit der Aufschrift Deutsche Firmen fordern: Kanada, schütz Deine Regenwälder! in deutscher und englischer Sprache entrollt. Bei den Unterzeichnern handelt es sich um Unternehmen und Organisationen aus dem ganzen Bundesgebiet, die geschäftlich oder auf sonstige Weise mit Kanada in Verbindung stehen.
Die meisten Firmen sind Reisebüros und Veranstalter von Kanada-Reisen. Zudem haben Outdoor-Ausstatter und Importeure kanadischer Lebensmittel, aber auch Institutionen wie das Museum für Völkerkunde in Leipzig oder das German-American-Institute in Tübingen den Aufruf unterschrieben. Die 330 Unterschriften wurden innerhalb von nur vier Wochen gesammelt.
In dem gemeinsamen Appell heißt es: Wir alle ob Reisebüros oder Handelspartner für kanadische Produkte verschiedenster Art sind direkt oder indirekt mit den Naturschönheiten und dem grünen Image dieses faszinierenden Landes verbunden.
Deshalb wenden wir uns heute gemeinsam gegen die drohende Zerstörung der letzten nördlichen Regenwälder in Kanada. Wenn der Einschlag dort so schnell weitergeht wie bisher, wird die Vielfalt dieser Küsten-Urwälder bald für immer verschwunden sein. Wir wollen auch in Zukunft mit Kanada gute Beziehungen unterhalten. Die kanadische Regierung muß uns allen aber durch Taten zeigen, daß sie den Schutz der Urwälder wirklich ernst nimmt. Kanada darf kein Name für Urwaldzerstörung sein!
Daß der Druck der Umweltgruppen wirksam ist, zeigt die Ankündigung des größten kanadischen Holzkonzerns MacMillan Bloedel, der verkündete, als erstes Holzunternehmen sukzessive auf Kahlschläge zu verzichten und Urwaldschutzgebiete einzurichten.
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