Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(pm) Wie von zahlreichen ExpertInnen bereits 1997 befürchtet, reichen auch zehn Milliarden Mark nicht, um die Magnetschnellbahn Transrapid zwischen Hamburg und Berlin zu bauen. Nachdem die Bundesregierung zunächst die Gesamtinvestitionen auf 8,9 Milliarden Mark (1993) und dann auf 9,8 Milliarden Mark (1996) beziffert hatte, zweifeln ExpertInnen bei der Deutschen Bahn AG nun auch diese Summe an.
Mindestens 900 Millionen Mark mehr soll allein der Fahrweg kosten, für den der Bund dem bisherigen Konzept zufolge 6,1 Mrd. Mark aufbringen sollte. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood hatte bereits 1997 die Gesamtkosten für das Prestigeprojekt auf mindestens 15 Milliarden Mark geschätzt.
Als Reaktion auf die neuerlichen Schwierigkeiten bei der Realisierung des Transrapid-Projektes sagte die Deutsche Bahn AG Gesprächstermine mit verschiedenen Umweltverbänden kurzfristig ab. Bei den geplanten Treffen sollte ein Dialog über das Magnetbahnprojekt stattfinden. Offizielle Begründung für die Absage: Die Planungen seien noch nicht soweit gediehen, daß die Deutsche Bahn AG die Verbände bereits informieren könne.
Seit Monaten laufen zwischen Bundesregierung, Deutscher Bahn AG und der beteiligten Industrie Siemens, Thyssen und Adtranz geheime Verhandlungen über die endgültigen Verträge für den Bau der Referenzstrecke für die deutsche Magnetbahntechnologie. Entgegen den ursprünglichen Planungen wurden die Verträge nicht im Bundeskabinett abgesegnet. Siemens soll bereits eine Schadensersatzklage für den Fall vorbereitet haben, daß die Verhandlungen scheitern.
Trotz des unausgegorenen Finanzierungskonzepts läuft die Planung vor Ort weiter. Bereits im Mai hat in Mecklenburg-Vorpommern das Planfeststellungsverfahren für den ersten Abschnitt begonnen.
In Berlin-Spandau wurde eine Brücke über die Eisenbahn vergrößert, damit der Transrapid auch noch Platz findet. Bundesverkehrsminister Wissmann kündigt seit Monaten an, daß der Baubeginn für den Transrapid noch vor der Bundestagswahl stattfinden soll.
Robin Wood-Verkehrsexpertin Andrea Meyer kommentiert: Die Geheimverhandlungsstrategie von Bundesregierung und Industrie geht nicht auf. Wer in Zukunft in Deutschland verantwortungsvolle Verkehrspolitik machen will, tut gut daran, sich von dem milliardenteuren Unsinnsprojekt zu distanzieren.
Die Chancen, daß die neue Bundesregierung dies tun wird, stehen nicht schlecht.
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