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David gegen Goliath – Fahrrad gegen Auto

Organisierter Fahrradzufall auf Berliner Straßen

(dr) Ein bunter, durchmischter Haufen fährt durch die Straßen Berlins, um gemeinsam spazieren zu fahren. Dabei lernen sich die unterschiedlichsten Menschen kennen und erleben wieder, was ein soziales Miteinander bedeutet. An jedem letzten Freitag des Monats bestimmen Radfahrer, deren Zahl in die Hunderte geht, das Straßenbild Berlins und zeigen mit dem zeitweisen Verdrängen der Autos, daß es vielfältige und bessere Verkehrsmittel für die Stadt gibt als Autos. Diese Freizeitgestaltung findet immer größeren Andrang.

Die ganze Unternehmung nennt sich Critical Mass Berlin und wird ansonsten auch weltweit durchgeführt. Angefangen hat dies in San Francisco 1992 und wird zum Beispiel noch in Ländern wie Dänemark, Großbritannien, Schweiz, Niederlande und so weiter veranstaltet.

Wie definiert sich die Critical Mass?

Laut ihrer Selbstdarstellung ist die Critical Mass ein Treff von hunderten von Radlern ohne jede formelle Organisation oder Route, die die Straße „überflutet“, damit „nur noch eine sanft verkehrende“ Menschenmenge auf der Straße in Bewegung ist. Eine Straße, die sonst nur von Autos, Lärm und der damit verbundenen Gefahr geprägt ist, wird wieder zu einem „öffentlichen und sozialen Raum“.

Die Teilnehmerzahlen sind von Beginn an stetig gestiegen. Im Juni waren es immerhin schon 500 Menschen, die auf einer lustigen und friedlichen Radfahrt über den großen Stern, Ernst-Reuter-Platz, Bahnhof Zoo und Wittenbergplatz nach Kreuzberg unterwegs waren. Aus den Berichten von Teilnehmern der Critical Mass geht hervor, daß es immer wieder mal Konfrontationen mit der Polizei gibt, da diese natürlich auf einer Begleitung bestehen und unbedingt einen Verantwortlichen für diese „Massenveranstaltung“ suchen. Ein wichtiger Punkt des Happenings ist aber, daß „jeder für sich selbst verantwortlich“ ist.

Chris stellt in seinem Erlebnisbericht von der Mai-Tour eine Situation mit der Polizei folgendermaßen dar: „Polizisten versuchen eine Horde Fahrradfahrer aufzuhalten, indem sie Wagen (diesmal waren es drei Wannen) quer über die Fahrbahn stellen. ... Zunächst ging der Zug weiter, nach ein paar Metern waren die Mannschaftswagen von Fahrrädern umringt, und der Zug kam zum Erliegen.“

„Wenn schon Polizei anwesend sein muß, dann sollte es wenigstens eine Fahrradbegleitung sein“, so ein Redakteur der Critical Mass Berlin. „Ein schöner Aspekt der Critical Mass ist, daß die Fahrräder leise und sauber sind, und daß die Teilnehmer miteinander reden, sich kennenlernen können“ und dabei wollen sie keine „lärmende, stinkende Dieselwanne“ als Begleit-gefährt. Im Juli gab es dann auch prompt eine Polizeibegleitung auf Fahrrädern, und es lief dementsprechend wesentlich entspannter ab. Ebenso ist es wohl schon öfter passiert, daß es Konfrontationen zwischen den Autofahrern und Radfahrern gibt. In diesem Punkt ruft die Critical Mass zu mehr Rücksicht auf, um die Autofahrer „nicht unnötig zu provozieren“. Bei der letzten Tour traf man sich am Brandenburger Tor und wollte zuerst zum Rathenauer Platz radeln. Der Rest einer Fahrt gestaltet sich oft ganz spontan, und am wichtigsten bei allen Problemen auch mit der beschützenden Staatsmacht ist den Teilnehmern doch der Spaß. So schreibt Chris in seinem Erlebnisbericht, daß es „eine sehr schöne, entspannende Fahrt“ war, „die mir viel Freude gemacht hat.“ Um auch die Öffentlichkeit über die Ziele und die Motivation von den Teilnehmern aufzuklären, werden Gespräche mit PassantInnen geführt und Flugblätter verteilt. Wenn Probleme entstehen, versucht man diese auf friedlichem Wege zu klären.

Nähere Informationen zur Critical Mass kann man im Internet bekommen oder seine Erlebnisse im Pinboard austauschen. Also einfach vorbeischauen bei: http://www.critical-mass.net


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