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CO2-Spar-Wette startet

Die Wette.: SchülerInnen gegen Regierung

(uh) „Wetten, daß wir 10% des Kohlendioxidausstoßes an 100 Schulen, insgesamt mindestens 10 Millionen Kilogramm, einsparen und so in 7 Monaten das Klimaschutzziel der Bundesregierung für die nächsten 7 Jahre erreichen?“ – Das ist die Herausforderung der jugendlichen UmweltschützerInnen der BUNDjugend (Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz) und der JBN (Jugendorganisation Bund Naturschutz) an die im September neu gewählte Bundesregierung.

Wenn es in China wegen dauerhaft anhaltenden Regenfällen zur Flutkatastrophe kommt oder im Nahen Osten Menschen extremen Hitzewellen zum Opfer fallen, ist das Klimaschutzprojekt der Bundesregierung fast ein böser Witz. Sie will nämlich 25% des CO2-Ausstoßes in Deutschland von 1987 bis zum Jahr 2005 einsparen.

Da durch den Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie bereits 15% eingespart wurden, verbleiben noch 10% an einzusparender Kohlendioxidemission innerhalb der nächsten sieben Jahre. Das ist viel zu wenig, um eine anrollende Klimakatastrophe zu verhindern!

Daß die Bundesrepublik diese Menge CO2 viel schneller einsparen und somit dem Treibhauseffekt effektiver entgegenwirken kann, wollen junge UmweltschützerInnen mit dem Klimaschutzprojekt „Die Wette.“ beweisen. In einem Zwölftel der Zeit – also in 7 Monaten – wollen sie insgesamt 10 Millionen Kilogramm Kohlendioxid an Schulen einsparen.

Das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) hat berechnet, daß dafür 188 Schulen notwendig sind, die ihre Emissionen um ein Zehntel senken. Da so viele Schulen jedoch nur schwer zu erreichen sind, müssen viele einzelne SchülerInnen mitwetten und durch „Kleinaktionen“ CO2 sparen.

Die Wette will aufzeigen, daß die Klimapolitik der Regierenden viel zu lasch ist und deutlich verbessert werden muß.

Klar, wer denkt schon an die Umwelt, wenn er sich ein Auto kauft, um den Job 50 km weiter annehmen zu können. Bus und Bahn sind in ländlichen Gegenden keine Alternative mehr, weil eine Strecke nach der anderen geschlossen wird. Die Reaktionen auf den Vorschlag: „Benzinpreis 5 DM“ hat die Grundstimmung in der Gesellschaft deutlich widergespiegelt: Klima- und Umweltschutz – ja, aber bitte ohne Kosten und Arbeit.

In Deutschland sind wir heute an einem Punkt angekommen, an dem die Regierung mit der Wirtschaft, zusammenarbeitet. Gemeinsam haben sie eine für beide Seiten akzeptable Selbstverpflichtung ausgearbeitet. In der wird alles beinhaltet und beachtet, nur der Klimaschutz nicht. Laut Selbstverpflichtung will die Industrie in Deutschland nur noch 20 Prozent statt 25 Prozent Energie einsparen.

Die Wissenschaft ist empört, denn trotz der in Deutschland eingeleiteten Maßnahmen wie dem Auflegen von Förderprogrammen für rationelle Energieverwendung oder dem Einrichten von Verbraucherberatungen werden bis zum Jahr 2005 real nur 10 Prozent Energieverbrauch eingespart.

In Anbetracht der Tatsache, daß die Politiker noch vor 8 Jahren geprotzt haben, daß sie bis zum Jahre 2005 in Deutschland 80 Prozent der Kohlendioxidemission einsparen wollen, ist die bisherige Politik skandalös.

Daß Energiesparen total einfach und für jeden machbar ist, weil mensch im reichen Deutschland an fast allen Ecken und Enden zuviel Energie verbraucht, wollen die Jugendlichen mit der Wette beweisen.

Zum Beispiel können SchülerInnen den Stromverbrauch ihrer Schule senken, indem sie in den großen Pausen das Licht ausschalten, am Anfang der Unterrichtsstunde Stoßlüften und dabei die Heizung runterdrehen, Glühbirnen mit Energiesparbirnen austauschen, mit dem Fahrrad oder der S-Bahn zur Schule fahren und das Pausenbrot statt in Alufolie in die gute alte Butterbrotdose einpacken.

Mit jedem Kilogramm Müll wird ein Kilogramm Kohlendioxid gespart. Der Verzicht auf Alufolie bringt auf ein Jahr berechnet eine CO2-Verminderung von 15 Kilogramm.

Zum Wettbeginn im September erscheint das Buch zur Wette. Es kostet 16,80 DM und ist unter anderem im Wettbüro erhältlich. Darin gibt es jede Menge Informationen rund ums Klima, Beispiele für die Kohlendioxidberechnungen und Tips und Aktionen zum Energiesparen.

Damit jeder Wetteteilnehmer ausrechnen kann, wieviel Kilogramm CO2 er gespart hat, existiert ein „Scheckheft“, in das alle durchgeführten Sparmaßnahmen eingetragen werden. Nach sieben Monaten wird es zum Wettbüro in Berlin geschickt, so daß die sich ergebende Kohlendioxidmenge auf das „Wettsparkonto“ übertragen werden kann.

Im Wettbüro sitzen Ansprechpartner für Schulen und interessierte Einzelpersonen, die alle aufkommenden Fragen beantworten oder Informationsmaterial verschicken. Außerdem wird der aktuelle Stand der gesparten Menge Kohlendioxid auch im Internet zu verfolgen sein.

Für alle Schulen, die an der Wette teilnehmen, organisiert das Wettkampagnenteam im Herbst eine Schultour. Die erzählen nicht nur, weshalb es wichtig ist, mit energiespendenden Rohstoffen bzw. erzeugter Energie sorgsam umzugehen, sondern beantworten den anwesenden SchülerInnen auch alle Fragen zur Wette. Geplant sind zwei Teams, die parallel durch Deutschland reisen und insgesamt 30 Veranstaltungen durchführen.

Die Tour stoppt in jedem Bundesland in der Hauptstadt und in einer weiteren Stadt. Zur Veranstaltung wird jede Schule in der Umgebung eingeladen. So können auch Interessierte von anderen Schulen an einem Treffen teilnehmen. Für alle Interessierten ist der genaue Tourplan im Wettbüro zu erhalten.

Die Tour soll den SchülerInnen zeigen, das Klimaschutz kein abstraktes unlösbares Problem ist, auch wenn das Thema in Konkurrenz mit Schwierigkeiten der steigenden Arbeitslosigkeit und wachsender Jugendkriminalität oft den Kürzeren zieht.

„Wenn das Ziel erreicht wird, so ist damit nicht nur ein Schritt zum Klimaschutz getan, sondern die unmißverständliche Aufforderung an die Bundesregierung ergangen, nun ihrerseits (in größerem Wirkungsbereich und mit weit umfangreicher zur Verfügung stehenden Mitteln) aktiv zu werden. Jede Wette verlangt nach einem Kontrahenten. Es wäre ein entlarvendes Zeichen, wenn sich dieser aus Desinteresse am Thema oder mangelnder Akzeptanz der Jugendlichen in Schweigen hüllen würde“, so Malte Schmidthals vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen.

Wer als Einzelperson mitwetten oder seine Schule fitmachen möchte, wende sich ans Wettbüro der BUNDjugend, Rothenburgstraße 16, in 12165 Berlin, Tel. 030-797 066 10, Fax 797 066 20, e-Mail: wettbuero@bund.net, http://www.bundjugend.de/wette.


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