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Tiermast-Antibiotika zum Teil verboten

Teilerfolg für Umweltschutz und Gesundheitsvorsorge

(ti) Auf einer Tagung der EU-Agrarminister im Oktober letzten Jahres wurde das Verbot mehrerer Tiermast-Antibiotika angekündigt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und andere Umweltorganisationen begrüßen diesen Vorschlag und fordern die Regierung auf, ihn zu unterstützen und in die Tat umzusetzen. Agrarexperten gehen noch weiter und fordern, alle Antibiotika im Tierfutter zu verbieten.

In der Europäischen Union (EU) wurden im Jahr 1997 nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) 1600 Tonnen Tiermast-Antibiotika in die Futtermittel gemischt, was eine Verdoppelung des Antibiotika-Verbrauchs seit 1970 bedeuten würde. Doch die Antibiotika im Tierfutter seien unnötig, sie stabilisierten eine nicht artgerechte Tierhaltung und stellten zudem eine große Gesundheitsgefahr dar, so der BUND-Agrarexperte Andreas Krug. Der zunehmende Einsatz von Tiermast-Antibiotika sei eine wesentliche Ursache der Resistenzbildung bei Krankheitserregern. Dabei könnten sich einerseits Resistenzen im Körper des Menschen selber bilden, wenn er über seinen Fleischkonsum häufig kleine Antibiotika-Mengen aufnehme. Bedrohlicher aber sei das Versagen von sogenannten Reserve-Antibiotika, die bei schweren Infektionen „als letzte Retter in der Not“ dienen sollen.

Denn nicht zu verachten ist die Gefährdung der Wirkung von Antibiotika, die in der Medizin häufig verwendet werden, wie z.B. Ampillicin oder verschiedene Penicilline. Diese Medikamente werden bei schweren Infektionen wie Lungen- und Gehirnhautentzündungen, Keuchhusten, Scharlach oder Typhus verordnet. Daß es sich bei Antibiotika um wichtige Medikamente handelt, belegen ca. zwölf Millionen Verschreibungen allein 1996 in Deutschland.

Und schon heute ist die Resistenz von Krankheitserregern gegen Antibiotika eine wachsende Gefahr für die wirksame Bekämpfung von Infektionskrankheiten. „Wenn Bakterienstämme in Tierställen resistent gegen die Wirkstoffe geworden sind, können sie auch im Krankenhaus nicht mehr aufgehalten werden“, erklärt Krug.

Nun wurde aber ein erster Schritt getan, um die Gefahr der langsamen Unwirksamkeit von Antibiotika gegen Krankheiten einzudämmen. Denn auf der Tagung der EU-Agrarminister im Oktober 1998 in Luxemburg wurde vom EU-Kommissar Fischler das Verbot mehrerer Tiermast-Antibiotika angekündigt, das zum Jahresbeginn 1999 wirksam wurde.

Wichtig ist dabei, daß das Verbot in der gesamten EU durchgesetzt werden soll, denn es wäre natürlich nicht sinnvoll, wenn Antibiotika in einigen Ländern nicht mehr eingesetzt, in anderen aber dennoch verabreicht werden dürften. Dieses Fleisch würde dann doch EU-weit in die Läden, auf die Teller und somit auch in die Mägen der Menschen gelangen, wodurch der stetigen Gesundheitsgefährdung nicht entgegengetreten würde.

Der BUND und andere Umweltschutzorganisationen haben daher das EU-weite teilweise Verbot sehr begrüßt. „Das Antibiotika-Verbot ist der richtige Weg und die Konsequenz aus den Warnungen der Wissenschaftler. Alle Antibiotika, die in der Tierhaltung verwendet werden, müssen auf den Prüfstand und bei geringem Verdacht einer möglichen Gesundheitsgefährdung zügig verboten werden“, sagt Andreas Krug. Zudem forderte der BUND die rot-grüne Bundesregierung und den jetzigen Landwirtschaftsminister auf, die EU-Kommission auf dem Weg hin zu einem Verbot der Antibiotika zu unterstützen. Krug: „SPD und Grüne müssen jetzt Nägel mit Köpfen machen und ihre Absichtserklärung aus dem Koalitionsvertrag sofort in die reale Politik umsetzen.“

Wenn auch an ein totales Verbot der Antibiotika im Tierfutter noch nicht zu denken ist, so ist doch zumindest das EU-weite teilweise Verbot ein kleiner Erfolg im Tier- und Umweltschutz, der auch letztlich uns Menschen sehr zugute kommt.


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