Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(uh) Na das ist ja toll, mag mancheR LeserIn jetzt denken, nur was ist das überhaupt? Nein, ÖFs sind keine neue Gummitierchensorte, wachsen nicht auf Bäumen, und im Supermarkt gibt es die sowieso nicht. Nun aber im Klartext: ÖF steht für Ökoführerschein-Seminar, und fünf derselben bringen den Ökoführerschein, der einen nicht, wie blitzdenkendeR LeserIn an dieser Stelle assoziieren könnte, zum Fahren eines Rapsölautomobils bevollmächtigt, sondern im Umweltschutzgeschehen durchblicken lässt.
Interessant für all diejenigen Fünfzehn- bis Fünfundzwanzigjährigen, die es gründlich satt haben, uninformiert, allein, motivations- und tatenlos zu Hause auf den vier Buchstaben zu sitzen. Denn bei solch einem ÖF-Seminar geht die Post mächtig ab.
Drei (am Wochenende) oder fünf Tage (in den Ferien) lang beschäftigen sich die TeilnehmerInnen mit Fragen und Problemen eines konkreten Umweltbereichs wie zum Beispiel des Ökosystems Wald oder des allgemeinen Themas Müll. Vorher braucht keiner den totalen Durchblick zu haben, da eingeladene ReferentInnen eine breite Wissensgrundlage vermitteln.
Außerdem erfahren die Teilnehmer, wie sie dieses Wissen umsetzen können wir machen zum Beispiel Rhetoriktraining und zeigen, wie Pressearbeit funktioniert. Trotzdem wird es nicht langweilig, denn es gibt immer Abwechslung, Exkursionen, Planspiele, Gruppenarbeit, nicht stundenlange Vorträge. Da merkt man überhaupt nicht, wie schnell die Zeit vergeht, und plötzlich ists recht spät am Abend, meint die siebzehnjährige Anne Pfeiffer, die letztes Jahr am ÖF teilgenommen hat.
Letztendlich erhält die/der TeilnehmerIn unheimlich viele Informationen zur praktischen Umweltarbeit und einen Einblick in gesellschaftliche und politische Zusammenhänge.
Wieviel die/der einzelne an Anregungen, Motivation, Begeisterung und Infos mit nach Hause nimmt, ist verschieden, weil abhängig vom Eigenantrieb und der Gehirnspeicherkapazität. Aber büffeln bis zum Umfallen soll ja keiner, wichtig ist der Spaß. Und davon hats für jeden reichlich. Die/Der eine findet ihn beim Großkocheinsatz und Nudelsoße-Umrühren, beim Durch-die-Landschaft-Radeln und Baden, beim Pilzesammeln und Lagerfeuern, der andere etwas ruhiger beim Marathon-Geschichten-Vorlesen oder Dauermusikhören.
Übernachtet, schwierig von Schlafen zu reden, weil Nächte Erfahrungsberichten zufolge eher kurz ausfallen, wird in Jugendherbergen oder Tagungsstätten, bei jedem Seminar jeweils an einem anderen Ort im Land Berlin oder Brandenburg.
Organisiert wird die Seminarreihe von der BUNDjugend (Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland).
Über Desinteresse konnte sich die BUNDjugend im letzten Jahr nicht beschweren, da das Maximum von 15 teilnehmenden Jugendlichen oft erreicht wurde. Das ist die absolute Obergrenze, findet Anne Pfeiffer, denn sonst haben wir schnell viele Kleingruppen, und außerdem kommt inhaltlich nicht mehr so viel rüber.
Probleme liegen, wie so oft, bei der Finanzierung, da die Fördergelder des Umweltsenats 1998 gestrichen worden sind. 1998 lösten eine Kooperation mit dem August-Bebel-Institut und eine Förderung durch die Stiftung Naturschutz die missliche Lage. Wie es mit der Finanzierung für den nächsten Durchgang aussieht, ist jedoch noch völlig unklar.
Doch davon lässt sich niemand abschrecken, denn schließlich sprechen die TeilnehmerInnenzahlen für eine Fortsetzung des Projekts.
Wer nach dem Einmal-Reingeschnuppert-Haben an allen fünf Seminaren teilgenommen hat, erhält ihn dann den Ökoführerschein, der bei der Suche nach FÖJ- (Freiwilliges Ökologisches Jahr) und Zivistellen im Ökobereich ganz offensichtlich nutzt: Alle TeilnehmerInnen des Durchgangs 1997, die einen solchen Platz wollten, haben ihn auch bekommen. Da lohnt sich doch die Teilnahmegebühr von 30/60 DM, die hoffentlich auch in diesem Jahr für Jugendliche so erschwinglich bleibt.
Die ersten Seminare 1999 finden vom Dienstag, 9. Februar, bis Samstag, 13. Februar, und vom Dienstag, 6. April, bis Samstag, 10. April, statt. Die anderen Termine auch aus anderen Bundesländern und weitere Informationen gibt es bei der BUNDjugend, Jagowstr. 12, 10555 Berlin, Telefon 392 82 80, und im Internet unter http://www.oekofuehrerschein.de.
Die Ökoführerscheine werden auch richtig festlich verliehen: das nächste Mal im Rahmen des Seminars am Donnerstag, 11. Februar. Interessierte sind auch dazu herzlich eingeladen.
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