Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(co) Auf Initiative der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und Entwicklung BLUE 21 wurde eine umwelt- und entwicklungspolitische Bilanz Berlins erstmals erstellt. Sie versucht beispielhaft, lokale, regionale und globale Fragestellungen kritisch zu durchleuchten und Handlungsalternativen sowohl für die Politik als auch für die Bewohner unserer Stadt aufzuzeigen. Beteiligt haben sich Mitglieder von 49 Berliner Nichtregierungsorganisationen, VerteterInnen von Wissenschaftseinrichtungen, Berliner StudentInnen und engagierte Einzelpersonen, die u.a. der Frage nach den Beschlüssen des UN-Gipfels 1992 in Rio und deren Umsetzung nachgegangen sind. Sie informieren über Umweltbildung und Lebensstile, über Verflechtungen mit Ländern des Südens, über den Konsum ökologischer und fair gehandelter Produkte, über die Situation bosnischer Flüchtlinge, über den Energie- und Flächenverbrauch, über den Umgang mit öffentlichem Raum usw.
Ein Buch, das sich nicht nur für den versierten Agenda 21-Leser eignet, sondern das ich jedem Berlin-Interessierten ans Herz legen möchte. Ein Stück neuzeitliche Berliner Geschichte.
BLUE 21: Berlin 21. Umwelt- und entwicklungspolitische Bilanz. FDCL-Verlag, 21,00 DM.
(la) Die zunehmenden Einträge von Fremdstoffen in die Natur bescheren dem Menschen ein schweres Erbe: Nahrungsketten werden langsam vergiftet, das Trinkwasser ist in Gefahr, Ultragifte wie Dioxin finden sich in der Muttermilch. Gezwungenermaßen ist die wissenschaftliche Untersuchung dieser Zusammenhänge in den letzten Jahren immer weiter entwickelt worden. Die Ökotoxikologie hat sich zu einem Wissenszweig entwickelt, der zwar ein schweres Thema hat, aber es sich hoch anrechnen kann, eine vernetzende Wissenschaft zu sein. Vernetzendes Denken als Lösungsmöglichkeit für die so weitgefächerten Problemlagen. Nun ist endlich ein für Studierende aller Fachrichtungen (und damit auch für Interessierte außerhalb von Universitäten) verständliches Lehrbuch auf den Markt gekommen, welches lobend erwähnt werden sollte. Stark auf Beispielen aufbauend werden sowohl die Grundlagen für ein Verständnis von ökologischen Zusammenhängen aufgebaut, als auch die Methoden der Ökotoxikologie und die vielfältigen Auswirkungen von Umweltchemikalien beleuchtet. Wie von einem Buch aus dem Thieme-Verlag nicht anders zu erwarten, zeichnet sich das Buch durch klare und strukturierte Abbildungen und Schemata aus.
Fendt: Ökotoxikologie. Thieme, 78,00 DM.
(ak) Laut dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) handelt es sich bei seiner neuen Publikation, der Fahrplankarte für Bus und Bahn, um eine Planungskarte für den heimischen Küchentisch. Das stattliche Format von 118 x 82,5 cm läßt diese Intention des Herausgebers beim Endkunden schnell Realität werden.
Beim VCD handelt es sich nicht um einen typischen Autoclub, sondern um einen ökologisch orientierten Verkehrsclub, der bei seiner verkehrspolitischen Arbeit die Interessen aller am Verkehr Beteiligten berücksichtigt. Aller? Autofahrer, die mit ihrem Vehikel vorrangig durch emotionale Bande verknüpft sind, werden wohl kaum einem Verkehrsclub beitreten, der sich für Tempo 30 innerorts und eine gemäßigte Autonutzung einsetzt. Die erstmalige Herausgabe einer Karte, die alle Bahnlinien und regional wichtige Buslinien zeigt, lag bei einem solchen Verkehrsclub also nicht fern.
Die farbliche Einteilung der Legende unterscheidet zwischen Fernverkehr, Regionalbahn und ihrer schnelleren Variante, dem Regionalexpress. Für diejenigen, die in Gebiete vordringen möchten, die auch per ÖPNV nicht zu erreichen sind, befinden sich in dem Beiheft zur Karte die Adressen aller Car-Sharing-Organisationen in Deutschland. Den größten Teil des Beiheftes nimmt aber die alphabetische Auflistung der rund 6000 Bahnhöfe in Deutschland in Anspruch. Beim Blick auf diesen Teil wird der Nutzen der Karte endgültig klar: Denn auch, wenn sie natürlich den Blick ins Kursbuch und damit den guten, alten Fahrplan nicht ersetzt, kann hiermit schon einmal die Dauer der Fahrtstrecke und die Strecke selbst in Augenschein genommen werden. Auch die beigefügte Telefonliste der regionalen Verkehrsbetriebe dürfte den besonders Planungswütigen eine Hilfe sein.
Was das Format betrifft, so kann sich beim Benutzer durchaus ein Gewöhnungseffekt einstellen; schon bald wird er wie die Rezensentin den nicht durch Patentfaltung beschränkten Blick auf die Karte genießen. Außerdem: Endlich kann man im Zug jetzt lässig seine eigene Bahnkarte öffnen und muß nicht mit wackligem Boden unter den stehenden Füßen die DB-eigene Karte angucken.
VCD: Fahrplankarte für Bus und Bahn Deutschland. fairkehr, 19,80 DM.
Auch wenn es schon 1999 ist die drei bei uns eingetroffenen Kalender wollen wir niemandem vorenthalten:
(sp) Zum An-Die-Wand-Hängen bewegen wir uns zweimal nach Afrika, um Kalender zu schießen: Wildlife und Elefanten. Beim Anschauen des Wildlife-Kalenders konnte ich mich des Eindrucks nicht ganz erwehren, beim Juckreiz gelandet zu sein: Sind Fotos doch auch immer ein Problem. Selbst einem Laien fallen handwerkliche Mängel auf, sei es ein geringer Kontrast, sei es, daß sowohl Vorder-, als auch Hintergrund unscharf sind. Mag sein, daß das ein Kalender zum Aufhängen ist, der nicht dazu gedacht ist, daß mensch sich die Bilder genau ansieht aber es gibt so viele gute Fotos wilder Tiere, warum sind gleich hier mehrere schlechte versammelt? Immerhin kostet der Kalender mehr als das Doppelte eines Juckreiz-Jahresabos. Besser gefällt schon der Elefanten-Kalender, obwohl der Elefanten-Tischkalender (siehe folgende Rezension) beweist, daß der Verlag noch ein paar bessere Fotos hat (etwa die Elefanten vor untergehender Sonne kitschig, aber sehr schön).
Die bei beiden Kalendern unter den Fotos zu findenden Sprüche finden auch nicht vollständig meine Begeisterung; allerdings kann mensch ja auch etwas von der Wand zurücktreten, bis mensch die nicht mehr lesen kann. Bei den unscharfen Wildlife-Fotos empfiehlt sich das ja ohnehin; den Kalender würde ich nur vom Grabbeltisch zum halben Preis kaufen.
Wildlife Kalender 1999/Elefanten Kalender 1999. 47 x 45 cm, vierfarbig, Rasch und Röhring, 36,00 DM.
(sp) Elefanten gibt es auch für den Tisch in etwa DIN A5: Auf der rechten Seite jeweils eine Woche, auf der linken ein Foto mit einer meist interessanten Erklärung darunter. Wer Platz hat, kann den Kalender auch gut mit sich herumtragen: Daß er nicht auseinanderfällt, garantiert ein stabiler Leinen-Einband. Im Gegensatz zu den großen Brüdern überzeugt die Fotoauswahl hier; das kann allerdings auch daran liegen, daß die Bilder kleiner sind, so daß technische Mängel auch gar nicht so stark auffallen können. Eigentlich ist dieser Kalender viel zu schade, um etwas hineinzuschreiben. Aber mensch kann ihn ja als Kurz-Tagebuch nutzen oder die Fotos später ausschneiden und zu Postkarten verarbeiten. Leider aber ist auch dieser Kalender aus weißem Papier.
Elefanten Kalender 1999. 17 x 19,5 cm, vierfarbig, Rasch und Röhring, 29,80 DM.
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