Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(hp) Nun, wo endlich die bunten Lichter wieder aus den Fenstern verschwinden und die Weihnachtsbäume wieder aus den Fenstern segeln, wird es uns deutlich bewußt: Es ist vorbei. Auch Weihnachten kann ein Ende haben. Nun wird es Zeit, Bilanz zu ziehen. Was brachte uns dieses verrückte Fest, zu dem jeder seine persönliche Beziehung hat? Und so von der Rückseite betrachtet, sieht die Veranstaltung doch gar nicht so schlecht aus.
Immerhin gabs ja drei freie Tage und viel zu essen. Ganz zu schweigen von den ganzen Weihnachtsfeiern, bei denen man dank Glühwein, Feuerzangenbowle und Keksen in den unmöglichsten Mitschülern oder Kollegen doch wirklich liebenswürdige Menschen entdeckt. Eigentlich müßte während der ganzen Vorweihnachtszeit jeder auf seine Kosten gekommen sein. Für die Kinder gibts bunte Spielsachen, für die Omas ein Stück Familie und für alle untalentierten Bastler eine Herausforderung. Alle gelangweilten Seelen dieser Welt kamen endlich mal wieder in das Vergnügen von Beschäftigung und Streß. Was ja wohl in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit wirklich eine Rarität ist.
Alle, die Weihnachten sowieso hassen, hatten endlich mal die Gelegenheit, das auch immer wieder zu unterstreichen und somit auch die Chance, ihre Abneigung gegen Staat und Gesellschaft und das System so richtig auszudrücken.
Auch für vergeßliche Leute hatte das Fest etwas zu bieten. Denn all die netten Weihnachtslieder vom letzten Jahr, die tollen Weihnachtsangebote vom letzten Jahr und auch irgendwie immer wieder die gleichen Geschenkideen wie jedes Jahr, seien es Duftlampe oder Socken, ließen die Erinnerungen an vergangene Zeiten wieder erblühen.
Hach, wie entzückend, da könnte man Lust auf eine zweite Runde bekommen. Und dabei haben wir noch nicht die Umsatzgewinne für die Kaufhauskonzerne erwähnt und die ganzen netten kleinen Randgeschichtchen auch noch nicht.
Aber eine kleine Geschichte muß sein: Zwei Menschen, Mann und Frau, alte Freunde, treffen sich immer wieder am 24. 12., vormittags um 10:00 Uhr, um sich einem ausgiebigen Frühstück hinzugeben. Dabei werden dann Listen von potentiellen Beschenkten erstellt und eine Geschenkidee für jede der Personen entwickelt. Wenn jeder Person eine Geschenkidee zugeordnet ist, kommt der Stadtplan zum Einsatz, denn auch er soll an dem romantischen Erlebnis teilhaben. Er hilft dann beim Festlegen der Strecke, und nach einer Stunde ist der Weihnachtseinkauf erledigt. Und die zwei Stunden innigster Zusammenarbeit haben dann die Freundschaft der beiden für ein weiteres Jahr besiegelt, ganz ohne Geschenke.
Fazit: Weihnachten ist doch das Fest der Liebe.
Zurück zum Inhalt von Juckreiz 22