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Ausverkauf der letzten Paradiese

Brandrodung für Margarine und Kunstspeiseeis

(co) Das Inselreich Indonesien beherbergt nach Brasilien die zweitgrößten unberührten Tropischen Regenwälder der Erde mit einer unermeßlichen Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten – eine wahre Schatzkammer für das Überleben zukünftiger Generationen. So müßte man zumindest meinen. Doch jetzt müssen die Wälder und ihre Bewohner kurzfristigen Profiten und unserer Konsumbefriedigung weichen: Seit Herbst 1997 fielen mehr als fünf Millionen Hektar paradiesischen Tropenwalds Waldbränden zum Opfer. Die meisten Brände werden von Ölpalmen-Plantagen-Besitzern gelegt, um Flächen für neue Pflanzungen vorzubereiten.

Die Palmen liefern Öle für Kosmetika und Lebensmittel (vor allem Margarine), Stearin für die Seifenherstellung, Fettsäuren, die in der Stahlindustrie als Schmierstoffe Verwendung finden, sowie den Ausgangsstoff für Treibstoff als Benzinersatz. Die vielseitige Verwendung der Palmölprodukte führt zu einer enormen Steigerung der Nachfrage vor allem in Europa, so daß die Preise für Palmöl stetig steigen. Die indonesische Regierung sieht in der massiven Umwandlung von Wald in Plantagen einen reizvollen Weg aus der Finanzkrise, die ganz Südostasien seit Monaten plagt.

Sollte Indonesien seine aggressiven Pläne wahr machen und demnächst weltweit größter Palmölproduzent werden, wird eine Fläche größer als Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zusammen in Ölpalmen-Plantagen umgewandelt sein. Schon jetzt weist das Land eine der weltweit höchsten Waldvernichtungsraten auf. Neben der Plantagenwirtschaft üben das Bevölkerungswachstum und die Armut, die lockenden Gewinne aus dem kommerziellen Holzeinschlag und die Vetternwirtschaft einer kleinen, politisch mächtigen Minderheit Druck auf die Naturgebiete aus. Die Entwicklung der kommenden Jahre, so sind sich die Naturschützer einig, wird über das Schicksal der Wälder Südostasiens entscheiden.

Die Brände werden längst nicht mehr nur in dafür von der Regierung ausgewiesenen Flächen, sondern auch in geschützten Naturgebieten gelegt. Manchmal greifen die Brände auch auf Schutzzonen über. Im Mai 1998 berichtete die Umweltverwaltung in Ost-Kalimantan (siehe Karte) auch von zwei Holzeinschlagfirmen, die in Nationalparken arbeiteten. Für Plantagenfirmen ist Brandrodung billiger und schneller als jede andere Methode. Die Firmen haben ein klares Interesse daran, daß Wälder „zufällig“ abbrennen. Sogar als die Indonesischen Behörden 1997 Feuerverbote verhängten, waren noch Brände auf zukünftigen Plantagen beobachtet worden. Ein Wald kann laut Gesetz dann in eine Plantage umgewandelt werden, wenn die Firmen nachweisen, daß die Wälder dort „geschädigt“ sind. Nach den vielen Bränden und der ausufernden Holzgewinnung der letzten Jahre ist aber ein großer Teil der Wälder als „geschädigt“ anzusehen. Und dort, wo der Wald noch in gutem Zustand ist, werden die Bäume vorsätzlich abgeholzt und angezündet, um die Regierung vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Tierarten wie Orang-Utan, Sumatra-Tiger oder asiatischer Elefant haben durch die Waldvernichtung bereits erheblichen Lebensraum verloren. Das Risiko ihrer Ausrottung steigt mit jeder weiteren Waldrodung dramatisch an. Ölpalmen-Plantagen bergen zudem ein soziales Konfliktpotential. Die lokale Bevölkerung wird durch die Ausdehnung der großflächigen Monokulturen ihrer traditionellen Lebensformen beraubt. Der Wegfall landwirtschaftlicher Flächen wird in vielen Fällen nicht entschädigt. Immer mehr Kleinbauern werden zu lohnabhängigen Plantagenarbeitern, deren Existenz durch den Weltmarktpreis eines einzelnen Pflanzenprodukts bestimmt wird.

Die Kurzsichtigkeit der Entscheidungsträger Indonesiens wird auch deutlich, wenn man sich klarmacht, welchen unverzichtbaren Reichtum die Wälder in ihrer jetzigen Form für die zukünftigen Generationen darstellen: Studien haben ergeben, daß ein einziger Hektar Regenwald durch die medizinische Nutzung des Waldes und seiner Produkte, die Vermarktung von Früchten, Blättern, Ästen, Rinde, Kautschuk, Federn oder anderen Tierprodukten sowie durch die Nutzung von Pflanzen und Pflanzenprodukten zur Eigenversorgung das Überleben von bis zu tausend Menschen sichern kann, ohne an Artenvielfalt, Struktur und Funktion einzubüßen!

Deutschland liegt bei den Palmöleinfuhren weltweit an fünfter Stelle. Die Einfuhr rohen Palmöls verdoppelte sich von 1993 auf 1997 von 144.000 auf 288.000 Tonnen. Seit 1978 hat Indonesien seine Anbaufläche für Ölpalmen verzehnfacht. Mindestens 45 % der deutschen Palmöl-Importe stammen aus Indonesien. Die Steigerung des Palmölverbrauchs in Deutschland hat ihre Ursache vor allem in unserem „modernen“ Konsumverhalten. Künstlich ergänzte oder mit viel „Lebensmitteltechnologie“-Einsatz hergestellte Lebensmittel wie Margarine, nicht spritzendes Bratfett oder Kunstspeiseeis werden gekauft und verdrängen Produkte aus natürlichen, einheimischen Rohstoffen. Unilever, einer der größten deutschen Konzerne auf dem Gebiet der Pflanzenfettverarbeitung, schätzt den Anteil von Palmöl auf etwa 20 bis 30 % am Gesamtverbrauch von Pflanzenölen in Deutschland. Die Firma Nestlè setzt pro Jahr 60.000 Tonnen Palmöl ein: in Suppen, Instantsoßen, Schnell-Fertiggerichten, Gebäck, Eiscreme. Da lautet die Devise: Ab in den Ökoladen und zurück zur Butter!

Wer mehr zum Thema wissen will oder Informationen darüber erhalten will, was wir hier bei uns zur Erhaltung der indonesichen Regenwälder beitragen können, schreibt am besten an den Waldreferenten beim WWF, Marcus Radday, PF 190 440, 60326 Frankfurt/Main, Telefon 069/791 440, Fax 069/617 221, e-mail: info@wwf.de oder beim Arbeitskreis Eine Welt der BUNDjugend in der Jagowstr. 12, Berlin-Moabit, Telefon 030/392 82 80, vorbei; Kontakt: Nikolai oder Ingrid.


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