Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(hp) Ein geklontes Schaf, manipuliertes Soja und wunderwirkende Arzneimittel: die Zeichen einer neuen Technologie der Gentechnologie.
Sowie wir anfangen, über die Möglichkeiten und Probleme dieser Methoden nachzudenken, öffnet sich nach und nach ein ganzes Universum. Überall lauert die Gentechnik heute: als verändertes Enzym im Waschmittel oder in der morgendlichen Nuß-Nugat-Creme als Lecithin aus veränderten Soja-Bohnen. Und noch sind wir kein bißchen schlauer, denn sofort springen uns tausende nervige Fragen durch den Schädel. Dürfen die das, einfach grundlegende Naturbaupläne durcheinanderbringen? Was passiert da eigentlich, und hat das Wirkung auf mich? Wo kann man diese Verfahren nutzen? Wohin führt uns diese Technik in der Zukunft? Und warum überhaupt das ganze Gezeter? Viele dieser Fragen sind Quälgeister, sind ethischer Natur. Das heißt, es gibt darauf keine eindeutigen Antworten. Die müssen wir wohl selber finden. Ein kleines Stück Wegweiser durch dieses Universum findet Ihr hier:
Die Gene, der Tatort der Gentechnik, bilden den Bauplan eines jeden Organismus. Dieser Plan steckt in allen Zellkernen des Lebewesens. Er findet sich in der DNS (Desoxyribonukleinsäure) und ist eine Kette tausender kleiner Bausteine (Nukleotide), allerdings nur vier verschiedener. Die Reihenfolge (Code) in der diese hintereinandergefädelt sind, verrät den anderen Zellbestandteilen, was für Eiweiße (Polypeptide) sie zu bauen haben. Ein Gen (als Teil der langen DNS-Kette) verschlüsselt genau eines dieser Polypeptide. Mehr können die Gene eigentlich nicht.
Der Clou ist aber, daß die Eiweiße richtige Kettenreaktionen im Körper auslösen können. Sie sind letzten Endes verantwortlich für alles was in unserem Körper abläuft. Diese individuelle Eiweißmischung, die aus unseren Genen hergestellt werden kann, entscheidet dann, ob wir beispielsweise eher hell- oder dunkelhäutig sind. Und eventuell sogar, ob wir zu Gelassenheit oder zu Wutanfällen neigen.
Letztendlich spielen natürlich immer auch äußere Faktoren eine Rolle. Jedem ist klar, daß z.B. die Hautfarbe durch die Sonneneinstrahlung stark schwanken kann. Wieviel nun umwelt- oder genetisch bedingt ist, kann niemand eindeutig sagen.
Da die Gene aller Lebewesen nach dem gleichen Prinzip aufgebaut sind, können sie untereinander ausgetauscht werden, ob nun zwischen Bakterie und Pflanze oder zwischen Virus und Mensch letzteres ist ein Beispiel natürlichen Gentransfers. Denn Viren bestehen fast nur aus ihren Erbinformationen und haben keine funktionierende Zelle drumrum. Daher suchen sie sich z.B. eine menschliche Zelle, die dann nur noch die Genprodukte der Viren herstellen kann. Dadurch vermehren sich die kleinen Biester und töten die Zelle ab. Diese platzt, die Viren werden frei und befallen neue Zellen.
Vielleicht haben Viren die Forscher auf die Idee gebracht, das auch mal zu probieren. Gentechnik funktioniert ganz ähnlich, nur daß die Viren ihr Werkzeug schon mitbringen. Für die Forscher scheint das Ganze jedoch um einiges schwieriger: Zunächst müssen bestimmte Enzyme helfen, eine Genkette zu zerteilen. So können die Gentechniker die gewünschten Gene aus den Organismen, z.B. Bakterien, heraustrennen. Um das gewonnene Gen in die Empfänger-Zelle einzubauen, braucht man meist einen Transporter genannt Vektor. Das können Viren oder kleine Teile der Erbsubstanz bestimmter Bakterien (sog. Plasmide) sein, die das fremde DNS-Stück aufnehmen. Diese gelangen dann in die Zielzellen und tauschen dort ihre Gene aus. Da bei diesem Vorgang eine ganze Menge Zufall im Spiel ist, müssen aus dem veränderten Zellhaufen noch diejenigen herausgesucht werden, bei denen das gewünschte Gen angekommen ist. Häufig passiert das, indem man an das Wunschgen noch ein zweites dranhängt ein Gen, das die Zelle resistent gegenüber Antibiotika macht. Wenn man also die Zellen hinterher in Antibiotika badet, überleben nur die, bei denen das neue Gen angekommen ist und die somit dagegen unempfindlich sind.
So ungefähr kann ein Gentech-Experiment bei Pflanzen- und Bakterienzellen aussehen. Inzwischen gibt es aber längst eine Reihe neuer Methoden. Bei Menschen ist es momentan verboten, Individuen mit verändertem Erbgut zu schaffen, lediglich einzelne Zellen dürfen gentechnisch verändert werden. Aber sicher geistert vielen jetzt noch das Bild des geklonten Schafes Dolly durch den Kopf, das Resultat einer anderen Methode. Hier nimmt der Forscher aus einer beliebigen Körperzelle den Zellkern und verpflanzt ihn in eine entkernte Eizelle. Wenn man diese präparierte Zelle in ein weibliches Tier (Ammentier) einsetzt, entwickelt sich ein Wesen, das genetisch völlig gleich mit dem Spender des Kernes ist. In diesem Fall spricht man von einem Klon. Aber auch genetisch gleiche, also eineiige, Zwillinge sind für die Forscher Klone, natürliche Klone.
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