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Protestaktion bei der Eröffnung der Internationalen Tourismus-Börse

Kanutour und Kahlschlag pur in Kanadas Wäldern

(bk) AktivistInnen von BUNDjugend und Robin Wood haben zur Eröffnung der 33. Internationalen Tourismus-Börse am 6. März 1999 auf dem Messegelände gegen die Vernichtung kanadischer Urwälder protestiert. Begleitet vom Geheul der Motorsägen zerstörten sie in der Halle der kanadischer Aussteller eine große Abbildung intakten Urwaldes. Zum Vorschein kam, was von den Wäldern bleibt, wenn sie Holzgiganten überlassen werden: Kahlschlag pur. „Mit der Aktion wollen wir den Mythos von der heilen, unberührten Natur Kanadas zerstören, der in den Hochglanzprospekten der Tourismusbranche aufgebaut wird“, erläutert Carsten Brinckmeier.

British Columbia, die westlichste Provinz Kanadas, beherbergt die letzten zusammenhängenden Regenwälder der gemäßigten Breiten. Seltene Hirsch- und Elcharten, Grizzlys und Schwarzbären, Wölfe, Lachse und viele Vogelarten leben hier. Doch durch den seit Jahren betriebenen Kahlschlag ist laut Umweltministerium von British Columbia inzwischen jede zehnte der dort lebenden Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht.

Die Holzgewinnung wird als einer der Hauptgründe für den Rückgang der Artenvielfalt genannt. Ein großer Teil des in British Columbia eingeschlagenen Holzes ist für die Papier- und Holzproduktion bestimmt. Kanada ist weltweit größter Exporteur von Pappe, Papier, Karton, etc.

Deutschland importiert Tag für Tag fast 2000 t kanadischen Zellstoffes. Dies sind 20% des Zellstoffes, der in Deutschland zu Papier weiterverarbeitet wird. So kann sich die Verbraucherin und der Verbraucher in Deutschland sicher sein, mit fast jeder Zeitschrift, jedem Schreibpapier oder Toilettenpapier aus neuen Fasern ein Stück original kanadischen Regenwald in der Hand zu halten.

Diese Tatsache schadet nicht nur der Pflanzen- und Tierwelt, sondern zerstört auch die Heimat der Ureinwohner im Westen Kanadas. Diese lebten traditionell überwiegend von Fischfang, der auch heute noch eine große Rolle spielt. Da der Kahlschlag auch zu verstärkter Bodenerosion führt, verschlammen klare Flüsse, in denen Lachse laichen. Den Ureinwohnern wird dadurch nach und nach ihre Lebensgrundlage eingeschränkt.

Um ihr touristenfreundliches Image zu wahren, hat die kanadische Regierung 1995 ein Gesetz erlassen, das die Holzkonzerne verpflichtet, sogenannte szenische Korridore zu schaffen. Danach wird die Form der Kahlschläge zukünftig der Landschaft angepaßt. Entlang der Flüsse, Küstenlinien und Straßen werden schmale Waldstreifen erhalten, um das wahre Gesicht der kanadischen Forstwirtschaft zu verbergen. Da aber nur die Größe der einzelnen Kahlschlagflächen begrenzt wird, die erlaubten Einschlagmengen aber nicht verringert werden, nimmt die Geschwindigkeit, mit der immer neue unberührte Gebiete erschlossen werden, sogar noch zu.

BUNDjugend und Robin Wood forderten daher die Provinzregierung von British Columbia sowie die Holzfirmen auf, den Holzeinschlag in Kanadas Urwäldern sofort zu stoppen, keine Großkahlschläge mehr zu gestatten, den Bau neuer Straßen zur Erschließung der Wälder einzustellen und in Gebieten mit ungeklärter Landrechtsfrage keine Waldnutzung zu gestatten. Die Touristik-Unternehmen sollten sich im eigenen Interesse dafür einsetzen, daß den Holzfirmen die Einschlaglizenzen für Urwaldgebiete komplett entzogen werden. Denn wer möchte schon in einer ausgeplünderten, zernarbten und von Erosion bedrohten Landschaft seinen wohlverdienten Urlaub verbringen?


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