Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(sp) Frankreich ist dafür bekannt, daß gerne mal zugelangt wird seien es Bauern beim Protest gegen Subventionskürzungen, die Straßensperren errichten (und anzünden), Polizisten, die unschuldige, friedliche DemonstrantInnen oder Verdächtige zusammenschlagen oder Regierungen, die gegen friedlichen Protest nur mit Mordanschlägen zu antworten wissen.
Im Frühsommer 1985 war das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior im Pazifik unterwegs. Die Warrior evakuierte rund 300 Menschen von der durch Atomtests verseuchten Insel Rongelap und nahm dann Kurs auf Neuseeland. Hauptziel der Reise war das Moruroa-Atoll in Französisch-Polynesien. Noch bis vor kurzem, die meisten werden sich an den internationalen Aufschrei erinnern, führte Frankreich dort Atombombenversuche durch.
Greenpeace hatte sich bei den Bombenbauern mit Protestfahrten bereits öfter unbeliebt gemacht, und nicht nur einmal wurden die Protestler vom französischen Militär in akute Lebensgefahr gebracht Schiffe gerammt, die Bombe (damals noch oberirdisch) gezündet, obwohl das Protestschiff in der Nähe war. Diesmal sollte das Problem bereits im Vorfeld gelöst werden.
Am 7. Juli 1985 kam die Rainbow Warrior in Auckland/Neuseeland an. Mindestens zehn Agenten des französischen Geheimdienstes standen schon zur Begrüßung bereit. Sie hatten sich als Freiwillige in das örtliche Greenpeace-Büro eingeschlichen, sich mit falschen Pässen als Paar auf Hochzeitsreise ausgegeben oder schmuggelten sich, den Sprengstoff und anderes Ausrüstungsmaterial einfach ein.
Drei Tage hatten die Warrior und der niederländisch-portugiesische Fotograf Fernando Pereira noch zu leben.
Am 10. Juli gegen 20:30 befestigte ein französischer Agent zwei Sprengladungen an dem Schiff: eine direkt bei der Schiffsschraube, eine an der Außenwand des Maschinenraums. Um 23:38 Uhr die erste Explosion. Durch ein autogroßes Loch in der Wand des Maschinenraums schossen pro Sekunde sechs Tonnen Wasser in das Schiff, es kenterte. Kurz darauf die zweite Explosion.
Glücklicherweise waren viele Crew-Mitglieder noch wach oder nicht an Bord, nur die Köchin mußte aus ihrer Koje geholt werden es war der Geburtstag des Leiters der Pazifik-Kampagne, und es gab ein Treffen mit Mitgliedern anderer Schiffe der Moruroa-Friedensflotte. Nach der ersten Explosion rannte Pereira in seine Kabine, vielleicht, um seine wertvollen Kameras zu retten. Doch er zahlte mit seinem Leben dafür, denn er wurde vom Wasser eingeschlossen und ertrank nach der zweiten Explosion.
Aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung, Nachtwächter an einem Bootsclub hatten etwa vermutet, der Mann im Taucheranzug hätte Yachten ausgeraubt und deshalb die Autonummer aufgeschrieben, konnte das erste Agentenpaar bei der Rückgabe des Fahrzeugs verhaftet werden. Auch konnte herausgefunden werden, daß sie sich mit der Besatzung eines Schiffes getroffen hatten. Dessen Durchsuchung brachte zunächst keine Ergebnisse erst im Labor wurden Sprengstoffspuren an beschlagnahmten Gegenständen gefunden. Doch da hatten sich die Mörder bereits in Sicherheit gebracht.
Schnell wurde klar, daß die Franzosen ihre Finger im Spiel hatten. Am 8. August wurde erstmals von französischen Medien der Vorwurf erhoben, der Geheimdienst sei verantwortlich für die Tat. Präsident Mitterand ordnete eine Untersuchung an. Ergebnis: Französische Agenten seien durchaus in Neuseeland gewesen, aber nur, um Greenpeace auszuspionieren, nicht, um das Schiff zu zerstören. Einige Wochen lang leugnete die Regierung jede Beteiligung an dem Attentat, doch am 17. September stellte die Tageszeitung Le Monde fest, es sei erwiesen, daß Verteidigungsminister Hernu und der Chef des Auslandsgeheimdienstes, Admiral Lacoste, von den Plänen wußten und wahrscheinlich sogar die Befehle erteilt hatten. Achtundvierzig Stunden später waren der Admiral entlassen und der Verteidigungsminister zurückgetreten, am 22. September gestand Premierminister Fabius ein, daß die Agenten befehlsgemäß gehandelt hatten.
Juristische Folgen hatte der Mordanschlag nur für zwei der Beteiligten, nämlich das Agentenpärchen, das den Anschlag direkt ausgeführt hatte. Wegen der schlechten Beweislage gab es eine Absprache, nach der sich die beiden des Totschlags und derSachbeschädigung für schuldig bekannten und dafür niedrigere Strafen erhielten. Die Verhandlung dauerte nur 34 Minuten was sicher im Sinne der Grande Nation war, die sich dadurch eine peinliche Beweisaufnahme über die Aktivitäten ihrer Agenten ersparte.
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