Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
Industrienaher Unterricht
(sp) Bayer & Co helfen Schulen bei der Unterrichtsgestaltung in naturwissenschaftlichen Fächern, schicken ein Gen-Mobil auf Rundreise, um auf Schulhöfen Akzeptanz-Förderung zu betreiben und nehmen Einfluß auf die Gestaltung von Lehrplänen. HauptschülerInnen bestimmen gemeinsam mit Auszubildenen Kunststoffe, und eine Chemiefirma liefert eine Versuchsanordnung zur Farbstoff-Herstellung mit anschließender Textil-Färbung. Lehrziel ist die praxisnahe und anwendungsbezogene Vermittlung von naturwissenschaftlichem Stoff, die Fragen nach Risiken und Gefahren ausspart. Also aufgepaßt!
Ikea verzichtet auf Teak ohne FSC-Siegel
(sp) Ikea wird ab dem 1. Januar 2000 auf Teak und andere edle tropische Hölzer verzichten, sofern sie nicht das Gütesiegel des FSC tragen. Dies hat das Management beschlossen und gegenüber der Umweltschutzorganisation Robin Wood erklärt. Nachdem die UmweltschützerInnen im Juni und Juli dieses Jahres wiederholt vor Ikea-Filialen gegen Möbel aus Teak ohne glaubwürdigen Herkunftsnachweis demonstriert hatten, waren zahlreiche Kunden-Beschwerden über den Verkauf von Tropenholz bei Ikea eingegangen. Doch zufrieden ist Robin Wood mit diesem Ergebnis noch nicht. Der Beschluß bezieht sich nämlich allein auf edle tropische Hölzer, zu denen Ikea neben Teak beispielsweise Mahagoni, Meranti und Palisander zählt. Er gilt hingegen nicht für sogenannte einfache tropische Hölzer wie Kautschuk-Holz (Rubberwood). Produkte aus diesen einfachen tropischen Hölzern könnten im kommenden Jahr bei Ikea unzertifiziert in den Handel gelangen.
Umweltverbände setzen gezielt Anbieter von Tropenholzmöbeln unter Druck, auf Holz aus Raubbau zu verzichten mit Erfolg. Nach Praktiker und Tchibo zogen Bauhaus sowie der gesamte Metro-Konzern mit den Unternehmen Real, Kaufhalle, Kaufhof, Extra und Metro C&C nach. Sie alle haben sich inzwischen verpflichtet, Tropenholz nur noch dann zu verkaufen, wenn es aus einer ökologisch und sozial akzeptablen Forstwirtschaft stammt und daher mit dem FSC-Siegel ausgezeichnet ist.
Leichtfertig mit Atomen gespielt
(sp) Ein vom hessischen Umweltministerium in Auftrag gegebenes Gutachten über die vor Jahren stillgelegte Atomfabrik Nukem in Hanau läßt den Schluß zu, daß es nur Zufall war, daß eine Atomkatastrophe wie im japanischen Tokai-Mura in Deutschland nicht passiert ist. Die Gutachter bezweifeln das Pflichtbewußtsein der Atommanager. Aus Untersuchungen zur Strahlenschutzüberwachung hätten sich in Zusammenhang mit der Frage der Zuverlässigkeit des Unternehmens eine Reihe von bedeutsamen Defiziten ergeben, die über einen längeren Zeitraum vorgelegen haben, heißt es in dem mehr als dreihundert Seiten umfassenden vertraulichen Bericht. Nukem ist in den letzten Monaten insbesondere wegen des Bekanntwerdens von Unfällen von Mitarbeitern ins Gerede gekommen. Insgesamt sei die Firma mit radioaktiven Stoffen leichtfertig umgegangen. Bei einem Störfall im Februar 1987 kam es dem Gutachten zufolge bei mindestens zwanzig Personen zur Überschreitung des Grenzwerts... Durch nicht sachgerechte Mitteilungen der Nukem an die atomrechtliche Aufsichtsbehörde wurden dieser gegenüber die Grenzwerte verschleiert.
Verbrauchertäuschung
(sp) Der Chemikonzern Novartis will in Deutschland künftig auf die Kennzeichnung seines Eiweißriegels powerplay als gentechnisch verändert verzichten. Der Riegel enthält gentechnisch verändertes Sojalecithin, das bislang auf der Verpackung mit dem Hinweis GVO-Erzeugnis versehen war. Jetzt soll die unauffällige Aufschrift ganz verschwinden, denn in der Europäischen Union ist gentechnisch verändertes Sojalecithin nicht kennzeichnungspflichtig. In der Schweiz aber darf der gleiche Eiweißriegel wegen schärferer Vorschriften weiterhin nur mit dem Aufdruck verkauft werden. Novartis nutzt bewußt diesen doppelten Standard und führt damit die Verbraucher in Deutschland in die Irre, sagt Christoph Then, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. Der Eiweißriegel ist seit 1998 auf dem deutschen Markt erhältlich. Nachdem Nestlè seinen Schokoriegel Butterfinger zurückzog, ist der Novartis-Riegel eines der letzten Produkte, die derzeit noch mit dem Hinweis auf gentechnische Veränderung im Handel sind.
Bierzelt für Castoren
(sp) Am 10. November hat die rot-grüne Bundesregierung ihre erste eigene neue Atomanlage genehmigt: das Zwischenlager Nord in Lubmin bei Greifswald. Wie auch beim Zwischenlager in Gorleben handelt es sich um ein Bierzelt mit Belüftung, wie die örtliche BürgerInneninitiative meint. Castor-Behälter angeblich nur aus Ostdeutschland, aber der Platz reicht für viel mehr sollen dort für 40 Jahre zwischengelagert werden, bis (hoffentlich) irgendwann ein Endlager für den Millionen Jahre strahlenden Müll gefunden wird. Ob die Behälter so lange halten werden, ist mehr als zweifelhaft, ist doch kürzlich bekannt geworden, daß in den Behältern Restfeuchte ist, die zu einem Durchrosten führen könnte. In einem solche Fall wäre schnell die gesamte Gegend verseucht. Auch hat das Lager in Lubmin keinen Hochwasserschutz, obwohl sie in einem sturmflutgefährdeten Gebiet liegt.
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