Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(sp) In der Theiß, einem Fluß, der sich durch Ungarn und Jugoslawien windet und dann in die Donau mündet, gibt es auf weiten Strecken kein Leben mehr. Ende Januar war aus einem Auffangbecken der Goldmine Aurul in Baia Mare (Rumänien) hochgiftiger Schlamm mit dem Blausäure-Salz Zyanid ausgetreten. Die Mine war von der Dresdner Bank mitfinanziert worden, und die Deutsche Bank plant ein weiteres Projekt auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki obwohl beide Kreditinstitute den Kodex Banken und Umwelt unterzeichnet haben.
Diese Erklärung der Umweltorganisation der Vereinten Nationen UNEP verpflichtet die Banken, die gleichen Maßstäbe für die Bewertung von Umweltrisiko sowohl im Inland als auch im Ausland anzuwenden. Die Risiken des Goldabbaus mit Zyanid sind seit langem bekannt: Aus dem gemahlenen goldhaltigen Erz wird mittels einer Natriumzyanid-Lösung das Gold ausgewaschen. Wegen der riesigen Mengen Lösemittel, die dafür nötig sind, gelangt das Gift auch im Normalbetrieb immer in die Umgebung. Und Natriumzyanid ist bereits in ganz geringen Konzentrationen tödlich Blausäure hemmt die Zellatmung.
Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen erheben daher auch schon seit langem massive Kritik an dem Verfahren, das praktisch nur noch in Entwicklungsländern zur Anwendung kommt. Auch der serbische Umweltminister Branislav Blazic macht seinem Ärger Luft: Das ist ein Beispiel für die angeblich guten Absichten des Westens in Entwicklungsländern. Dabei ist das Ausmaß des Unglücks in Rumänien noch verhältnismäßig klein, es sind auch schon Dämme gebrochen, die das Vierzigfache der dortigen Schlammenge halten sollten.
Die Goldmine in Aurul gehört je zur Hälfte der rumänischen Staatsfirma Remin und dem australischen Bergbaukonzern Esmeralda Exploration. Mitfinanziert wurde das Projekt, das erst im September 1999 in Betrieb ging, von der Dresdner Kleinwort Benson, einer hundertprozentigen Tochter der Dresdner Bank.
Das Verhalten der Dresdner Bank ist ein Skandal, meint Petra Sauerland, Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation FIAN (FoodFirst Informations- und Aktionsnetzwerk) in Deutschland, denn der Bank waren alle Schwierigkeiten beim Goldabbau mit Zyanid bekannt. Bereits 1995 habe die Organisation auf die Risiken hingewiesen, woraufhin sich die Bank nach einer internationalen Briefaktion und massiven Protesten vor Ort aus einem bereits zugesagten Kredit für ein Goldabbauprojekt in der Türkei zurückgezogen hatte. Die Betreiberfirma der Mine Aurul muß für die katastrophalen Verseuchungen die lächerliche Summe von 800 US-Dollar zahlen, so Sauerland. Nun müssen alle verantwortlichen Akteure an der Entschädigung der Betroffenen beteiligt werden. Die Dresdner Bank gehört eindeutig dazu.
Trotz mehrfacher Zusage eines Rückrufs konnte oder wollte sich die Dresdner Bank nicht zu den Vorwürfen und Forderungen äußern.
Das Gift der aktuellen Katastrophe ist gerade mal im Donaudelta am Schwarzen Meer angelangt, die Zyanid-Konzentration hat sich auf den ersten Abschnitten der betroffenen Flüsse fast wieder normalisiert die Pflanzen- und Tierwelt ist aber dermaßen gründlich abgetötet, daß die Erholung Jahre dauern wird , und schon dürfen wir uns auf das nächste Unglück gefaßt machen, wieder finanziert mit dem Geld deutscher SparerInnen: In der Nähe der griechischen Stadt Olympiada, zwei Kilometer vom Meer entfernt, will eine kanadische Firma Goldgewinnung mit Zyanid betreiben. Daneben soll ein 30 Hektar großes Giftauffangbecken entstehen, zweieinhalb Kilomenter weiter zwischen zwei Bergen ein weiteres, 15 Hektar großes.
Unter beiden geplanten Giftbecken verlaufen die Grundwasseradern, aus denen die gesamte Region ihr Trinkwasser bezieht, in direkter Nachbarschaft liegt ein Naturschutzgebiet, das von der griechischen Regierung für das EU-Projekt Natura 2000 ausgewiesen wurde.
BewohnerInnen der Gegend und Natur können wohl nur darauf hoffen, daß ein großer Berg Briefe von empörten BürgerInnen die Deutsche Bank doch noch dazu motiviert, ihre Verpflichtungen aus der Erklärung Banken und Umwelt einzuhalten.
Weitere Informationen und Links: www.fian.de
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