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Positionsbestimmung

Was ist die „Jugendumweltbewegung“?

(sp) Politik wird von PolitikerInnen gemacht und von Parteien, und natürlich von Konzernen, die PolitikerInnen und Parteien kaufen. Alles? Nein, zum Glück nicht. Politik wird hierzulande in erheblichem Maße von Bewegungen beeinflußt, zu denken sei da nur an die Anti-Atom-Bewegung. Was aber bitte ist „die Jugendumweltbewegung“?

Bewegungen entstehen als Ausdruck der Tatsache, daß irgend etwas nicht zur Zufriedenheit einer größeren Anzahl von Personen abläuft. Die „friedliche Nutzung der Kernenergie“ bedroht unser Leben und das abertausender kommender Generationen – alles nur um den Profit einiger weniger willen. Damit ist die Mehrheit der Bevölkerung nicht einverstanden, und ein Teil drückt dieses Nicht-Einverständnis in Protest aus.

Die Existenz einer „Jugendumweltbewegung“ muß also bedeuten, daß es junge Menschen gibt, die nicht damit einverstanden sind, was mit unserer Umwelt gemacht wird.

KritikerInnen werden fragen: Gibt es überhaupt eine Jugendumweltbewegung? Gegenfrage: Was haben eine Schülerin, die mit ihrer Umwelt-AG eine Wandzeitung über Papier und seine Umweltfolgen erstellt, ein Student, der Krötenzäune baut, damit die Biester nicht dem nächsten Lastwagen zum Opfer fallen, eine Auszubildende, die mit ihren Kolleginnen etwas dagegen unternimmt, daß die Chefin die Farbreste immer ins Abwasser kippt, ein junger Arbeitsloser, der einen Lastwagen voll Getränkedosen vor dem Umweltsenat abkippt und eine Verpackungssteuer fordert, gemeinsam? Richtig, sie sind jugendlich und machen was für die Umwelt.

Das ist also das einzige Kriterium, das zur Frage der Zugehörigkeit zur Jugendumweltbewegung greifen kann. Bei Bewegungen gibt es eben keine Mitgliedschaften wie in einem Verein.

Die Jugendumweltbewegung besteht allerdings aus ganz vielen verschiedenen Gruppierungen: Große Verbände wie Naturschutzjugend und BUNDjugend sind ohne Zweifel dazuzuzählen, aber auch kleine Vereine vor Ort, Umweltgruppen an Schulen und Unis, Netzwerke, lockere Gruppen – bis hin zu Kampagnen wie X1000mal quer, die auch stark von Jugendlichen geprägt sind.

Die Arbeitsweisen könnten nicht viel unterschiedlicher sein: Ein Verein oder ein Verband (als Zusammenschluß von Vereinen) muß schon aus rechtlichen Gründen gewisse Hierarchien haben. Schließlich muß ja klar sein, wer für den Verein sprechen, für ihn Verträge schließen darf. Andere Gruppen, wie Jugendumweltbüros oder Projektwerkstätten, haben dagegen oftmals den Anspruch, keine Hierarchien zu haben, sondern alle Beteiligten gemeinsam gleichberechtigt entscheiden zu lassen. In der Realität ist das natürlich sehr schwer, weil sich schnell informelle Hierarchien herausbilden – wer länger dabei ist und so mehr weiß, hat alleine dadurch mehr zu sagen. Dummerweise lassen sich solche informellen Hierarchien auch weitaus schwieriger überwinden als sich beispielsweise ein Vorstand abwählen läßt. Einige der Gruppen haben diese Probleme erkannt und versuchen deshalb, Hierarchien klein zu halten – und auf jeden Fall überschaubar und überwindbar.

Doch alle Beteiligten haben ihre Aufgabe: Die einen fordern die Enteignung aller Großkonzerne, weil die mit ihrem Profitstreben die Umwelt zerstören. Andere machen auf einer Tankstelleneinfahrt Straßentheater, um gegen Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen bei der Ölförderung zu protestieren. Die nächsten organisieren Seminare, um über Umweltprobleme und Handlungsansätze aufzuklären, sie treffen sich mit PolitikerInnen und Wirtschaftsleuten, um ihre Meinung darzulegen, sie führen Kinder, die häufig nicht wissen, daß ein Apfel vom Baum kommt, an die Natur heran oder sie pflegen Biotope und legen Benjeshecken als Versteck für Vögel und andere Tiere an.

Dabei ergänzen sich häufig die Aktionsstrategien: Für Lobbygespräche einer Gruppe mit der Wirtschaft kann es nicht schaden, wenn andere gut begründete Maximalforderungen stellen. Denn so weiß das Gegenüber: Es könnte schlimmer kommen. Der Spruch: „Wer immer nur das Mögliche fordert, erreicht nichts. Wer aber das Unmögliche fordert, erreicht das Mögliche“ hat durchaus seine Berechtigung. Wer sich hinstellt und einen Atomausstieg nach 30 AKW-Betriebsjahren fordert, kann auch gleich sagen: Wir bauen kein neues Atomkraftwerk, aber wir schalten die alten auch erst dann ab, wenn sie sowieso auseinanderfallen. Wer bedenkt, daß Kompromisse Zugeständnisse aller Beteiligten beinhalten, kann sich vorstellen, daß es dann schon als Erfolg anzusehen sein müßte, wenn wenigstens kein neuer Meiler gebaut werden dürfte.

Ohne den Druck von der Straße hätten die VerhandlungsführerInnen keinen Halt. Und ohne Verhandlungen würde vieles eben einfach durchgeprügelt. Aber wenn viele kleine Menschen an vielen Orten auf viele Arten viele kleine Dinge tun, dann wird die Welt sich ändern. Und dann ist sie auch noch zu retten.


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