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Die Kampagne X-tausendmal quer

Wann rollt der nächste Castor?

(kr) Die Wiederaufnahme der Castor-Transporte steht kurz bevor. Eine ganze Reihe von AKWs (Stade, Philipsburg, Neckarwestheim, Biblis) hat Probleme, die abgebrannten Brennelemente loszuwerden. Beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wurden bereits Transporte beantragt. Sollte sich die dem Umweltminister unterstellte Behörde weigern, die Genehmigung zu erteilen, wollen die Betreiber vor Gericht gehen. An dieser Stelle will „X-tausendmal quer – überall“ ansetzen.

Gemeinsam mit vielen anderen Gruppen der Anti-AKW-Bewegung wollen sich X-tausend Menschen querstellen, um die Castor-Transporte zu blockieren. Wenn die rot-grüne Bundesregierung nicht für ein schnelleres Abschalten der AKWs sorgt, dann soll der Widerstand vor den Toren der AKWs der gefährlichen Stromerzeugung ein Ende setzen.

Wer, wie, wo, was und wann

„X-tausendmal quer“ war 1997 die große gewaltfreie Sitzblockade beim bisher letzten Castortransport nach Gorleben. Die Blockade fand am Verladekran in Dannenberg statt. Zusammen mit anderen Formen des Castor-Widerstandes hat diese Sitzblockade dazu beigetragen, dass seither kein Castor mehr ins Wendland gerollt ist.

Nicht nur wendländische Leute waren an dieser Aktion beteiligt, sondern viele Menschen aus der bundesweiten Szene gewaltfreier Aktionsgruppen sowie der Jugendumweltbewegung.

Bald nach diesem sogenannten Tag X hat sich in Lüchow-Dannenberg eine neue Gruppe zusammengefunden. Sie wollten das Konzept „X-tausendmal quer“ weiterentwickeln und schmiedeten für einen neuen Castor-Transport konkrete Pläne.

Nach dem Transportstopp durch Bundesumweltministerin Merkel im Frühjahr 1998 wurde wieder verstärkt über Aktionsperspektiven nachgedacht. Herausgekommen ist dabei die Kampagne „X-tausendmal quer“.

Regionale Vernetzung

Inzwischen gibt es bundesweit 45 Regionalkontakte, die sich in ihrer Region um die Mobilisierung und die Aktionsvorbereitung kümmern.

Viele Rahmenbedingungen für die Blockade können sich erst in den Tagen und Wochen direkt vor dem Transport entscheiden. Abhängig von den örtlichen Gegebenheiten erarbeitet der Arbeitsbereich Aktionsunterstützung ein spezielles Konzept für die in Frage kommenden Standorte. An vielen Standorten arbeiten Leute von „X-tausendmal quer“ in den regionalen Vernetzungsstrukturen mit und stimmen die Aktion mit anderen aktiven Gruppen ab. Zur Vorbereitung des Gesamtwiderstandes gegen den nächsten Castor-Transport haben sich fünf Regionalgruppen (Ost, Nord, West, Südwest und Südost) gebildet. VertreterInnen von „X-tausendmal quer – überall“ arbeiten in allen Regionaltreffen mit.

Das Camp

Die Frage, ob es ein großes gemeinsames Camp der Anti-AKW- Bewegung geben soll oder mehrere Camps, von denen eines nur von „X-tausendmal quer“ genutzt wird, steht noch zur Debatte.

Unabhängig von dieser Frage soll es das Camp schon einige Tage vor der eigentlichen Aktion geben. Alle, für die es möglich ist, können sich schon einige Tage vor dem Transport treffen. Dann bleibt noch genügend Zeit, sich gemeinsam auf die Aktion vorzubereiten, das Bezugsgruppensystem einzuüben und sich mit der möglichen Räumung zu beschäftigen. Im Camp ist auch Platz für Zelte zum Übernachten, zum Essen und Ausruhen. Bei der 1997er Sitzblockade wurde das Camp durch das niederländische Kochkollektiv Rampenplan mit leckerem vegetarischem/veganem Essen versorgt.

Gewaltfreie Aktion und ziviler Ungehorsam

Die Grundaktion der Kampagne bleibt die gewaltfreie Sitzblockade. Gewaltfreiheit ist hier nicht misszuverstehen als passives Stillhalten. Im Gegenteil: Gewaltfreiheit ist ein aktives Prinzip, das ermutigt und befähigt, Unrecht und Gewalt gezielt entgegenzutreten. Kurz: Selbstverantwortlich für sich und andere zu handeln.

Damit die Menschen, die an der Sitzblockade teilnehmen, gut vorbereitet sind, bietet „X-tausendmal quer“ „Trainings in gewaltfreier Aktion“ an. Der Umgang mit den eigenen Ängsten, schnelle und effektive Konsensentscheidungen, Grundfragen zu gewaltfreier Aktion und die konkrete Vorbereitung der Gruppe auf die Aktion sind u.a. Themen eines solchen Trainings.

So können viele Menschen schon vor der Aktion in die organisatorische Arbeit und die Entscheidungsstrukturen miteinbezogen werden.

Außerdem soll die gemeinsame Vorbereitung auf „X-tausendmal quer“ zu verbindlichen Absprachen untereinander führen, die sicherstellen, dass keineR aufgrund von Gruppendruck oder eigener Nervosität an Handlungen teilnimmt, die er/sie später bereut.

Damit auch Absprachen auf überregionaler Ebene möglich sind, werden SprecherInnen aus diesen Gruppen auf SprecherInnen-Räten gemeinsam über Einzelprobleme der Aktion beraten.

„Verstopfungstrategie“

Wann der nächste Castor rollt, bleibt noch im Dunkeln. Aus La Hague nach Gorleben ist schon seit längeren ein Transport geplant. Ob er nun schon dieses Frühjahr oder, wie es die niedersächsische Landesregierung will, erst nach der Expo stattfindet, ist noch nicht entschieden. Wie oben schon erwähnt, machen die Betreiber der AKWs in Neckarwestheim, Biblis, Stade und Philipsburg zur Zeit den größten Druck.

Die Kampagne „X-tausendmal quer“ setzt auf das Konzept der „Verstopfungsstrategie“. Das heißt, für besagten Tag X müssen genügend Menschen zum Querstellen mobilisiert werden. Dann würde soviel Polizei benötigt, dass weitere Großeinsätze lange nicht möglich wären. Bei dieser „Verstopfungsstrategie“ kommt es nicht darauf an, ob der Castor letztendlich aufgehalten wird oder nicht. Wichtig ist nur, dass eine Kettenreaktion ausgelöst wird: Viele BlockiererInnen erfordern viel Polizei. Viel Polizei bedeutet viele Überstunden. Viele Überstunden bedeuten finanzielle Mehrausgaben.

Da die Finanzen der Länder beschränkt sind, bedeutet das wiederum seltene Transporte. Seltene Transporte bedeutet, daß der Entsorgungsnotstand in den AKWs sichtbar wird. Und der Entsorgungsnotstand führt schließlich zum Abschalten.

Gegen den Castor-Transport nach Gorleben im April 1995 beispielsweise haben ca. 2000 Menschen protestiert. Der Polizeieinsatz kostete 55 Millionen DM. Beim zweiten Castor-Transport stellten sich 6000 Menschen quer, und der Polizeieinsatz verschlang 90 Millionen DM.

Künftig soll auch der Abtransport verbrauchter Brennstäbe verhindert werden. Diese werden zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich und Großbritannien geschickt. Weil Transporte nahezu störungsfrei funktionierten, konnte die Atomindustrie problemlos Platz in den Abklingbecken schaffen. Bei einer Totalsperre würde spätestens nach 10 Jahren dem letzten AKW die Zwangsabschaltung drohen.

Fachleute meinen: „Unter den bisher geltenden Rahmenbedingungen sind mehr als zwei Transporte im Jahr nicht zu vertreten.“ Das wäre aber zuwenig, um alle 19 Atomkraftwerke zu „entsorgen“. Die Anti-Atom-Bewegung hätte ihr Ziel erreicht.

Kontakt: „X-tausendmal quer“, Herrlichkeit 1, 27283 Verden, Infotelefon: 0441/592762 (Dienstags 17:30 Uhr – 19:30 Uhr)


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