Juckreiz-Logo Juckreiz – Die Jugendumweltzeitung aus Berlin

Frauen in der Umweltbewegung

Die Rolle der Frauen im BUND und in der BUNDjugend

Frauen im BUND? Gibt es sie? Na klar! Aber sind sie sichtbar? Das hängt schon eindeutig von der Ebene ab. Je höher mensch im BUND schaut, desto weniger sind Frauen präsent. Ähnlich ist es in der BUNDjugend, obwohl sich in der BUNDjugend da in den letzten Jahren einiges geändert hat. Deshalb sei diese positive Entwicklung an den Anfang gestellt. Betrachtet mensch die Zusammensetzung der Bundesjugendleitung, dann haben sich die Frauen dort fast verdreifacht.

Denn in den ersten beiden Bundesjugendleitungen gab es jeweils nur eine Frau, beide – Michelle Brendel und ich – wurden in die wundersame Position der „Internationalen Sekretärin“ gewählt. Beschäftigt damit, als Frau in einer reinen Männerrunde akzeptiert zu werden, spielte das Thema Frauen keine Rolle. Immerhin war frau ja in der Bundesjugendleitung, um Umweltpolitik zu machen. Erst viel später habe ich für mich erkannt, wie viele Rollenmuster mir von Männer zugeteilt wurden und wie ich mich dort unbewußt hineinfand bzw. diese Rollen durch mein eigenes Verhalten noch gefördert habe. Obwohl heute mehr Frauen in der Bundesjugendleitung sind, nämlich oft die Hälfte der Plätze (und das ganz ohne Quotenbeschluß), finden diese Rollenzuweisungen weiterhin statt. Allerdings bieten vier Frauen eine größere Vielfalt – für diese Bundesjugendleitung trifft beispielswiese nicht zu, daß alle Frauen immer ausgleichend wirken.

Frauen im BUND

Die besonderen Rollen und Sichtweisen von Frauen wurden für mich im Bundesvorstand des BUND deutlich, wahrscheinlich ausgelöst durch die geballte Versammlung von Macht und Macho bzw. von väterlich motiviertem Verhalten der neuen und ersten weiblichen Jugendvertreterin gegenüber. Im Austausch mit der derzeitigen BUND-Vorsitzenden Angelika Zahrnt entstand aus gemeinsamem Unbehagen die Frauen-AG. Erst nur mit Vorstandsfrauen – später auch erweitert – war das Ziel, Frauen im BUND sichtbarer zu machen, Frauen Mut zu machen, auch exponierte Posten anzunehmen, Schulungen für Frauen ins Leben zu rufen und sich immer wieder der eigenen Perspektive rückzuversichern. Leider fanden sich wenige neue Frauen, die in der Frauen-AG mitarbeiten wollten, und derzeit schlummert die Frauen-AG den Schlaf der Inaktiven. Das kann aber auch daran liegen, daß alle Mitglieder der Frauen-AG im Augenblick in Verbandspositionen sind, die wenig Zeit für weitere Aktivitäten zulassen.

Innerhalb der BUNDjugend gab es in den letzten 15 Jahren nur wenige Bestrebungen, weibliche Themen aufzugreifen. In einigen Landesjugenden gründeten sich zwischenzeitlich entsprechende Arbeitsgruppen, JANUN in Niedersachsen hat einige Jahre lang eine kleine Zeitschrift zu dem Thema herausgegeben. Aber im Großen und Ganzen hielt sich das Interesse von Landes- und Bundesjugendsprecherinnen immer in Grenzen. Angesichts der Motivation, als Landes- oder Bundesjugendsprecherin Umweltschutz voranzutreiben, ist das erste Desinteresse an „solchen Spezialthemen“ verständlich. Leider gibt es in meinen Augen auch bei der BUNDjugend Bereiche, denen wir uns eigentlich nicht verschließen dürften.

Sexuelle Grenzüberschreitungen

In der BUNDjugend herrscht ein herzliches Klima, wir sind jung, wir sind engagiert und wir sind auch gerne zusammen. Bei Kongressen und Seminaren schlafen wir alle in einem Raum, Schlafsack an Schlafsack. Wenn da mal was passiert – finden wir das immer alle toll. Wirklich?

In der Nacht, als ich in einer solchen Situation ungeladene Hände in meinem Schlafsack wiederfand, fand ich das nicht toll. Obwohl schon 20 Jahre alt, habe ich mich nicht gewehrt, sondern nur sehr unwohl gefühlt.

Mit 26 war ich dann soweit, die verdrängte Nacht aus meinem Gedächtnis hervorzuholen, Schmerz und Wut zuzulassen und auch darüber zu reden. Fast zeitgleich fand in einem Frauenrundbrief einer Landesjugend eine Diskussion zu diesem Thema statt. Der Jugendumweltkongreß in Freiburg wurde für mich zum Anlaß, über meine Erlebnisse zu reden. Zwei Dinge fand ich erstaunlich und auch erschütternd: Der Workshop war mit 50 jungen Frauen ziemlich voll – mit einem solchen Interesse hätte ich nie gerechnet. In einer Runde nach meiner Geschichte wurde deutlich, daß fast alle älteren Frauen (also die über 16) auf eigene unangenehme Erfahrungen zurückgreifen konnten.

Schade, daß trotzdem eigene Frauenschlafräume auf Kongressen immer ins Lächerliche gezogen werden. Schade, daß es in der BUNDjugend kein Forum gibt, über solche Erfahrungen zu reden. Schade, daß es fast nie überhaupt ein Thema war oder ist.

Ob sich da mal was ändert, wird uns das nächste Jahrtausend zeigen. Neuen BUNDjugendlichen wünsche ich es von Herzen.

Gisela Enders ist jetzt Bundesgeschäftsführerin der BUNDjugend


Juckreiz Zurück zum Schwerpunkt Jugendumweltbewegung

Juckreiz Zurück zum Inhalt von Juckreiz 25


Juckreiz Inhalte Juckreiz Service Juckreiz Wir Juckreiz Abo

Impressum