Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(la) Ausländerkriminalität ist ein viel strapaziertes Thema, das, obwohl zwischen Staatsangehörigkeit und Verbrechen offensichtlich kein Zusammenhang besteht, entscheidend zur Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas beiträgt. Die sehr heikle, weil im öffentlichen Diskurs vorbelastete, Kombination von AusländerInnen und Kriminalität in den Medien kann daher leicht unterschwellig (und oft unbewusst) xenophobe Ressentiments bestärken. Vier AutorInnen des DISS (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung) haben im Rahmen einer Studie die Kriminalitätsberichterstattung verschiedener deutscher Printmedien unter dem Gesichtspunkt, ob und wie die TäterInnen als AusländerInnen markiert werden, untersucht. Die Mehrzahl der bis ins Detail untersuchten Artikel erweist sich als geeignet, Fremdenfeindlichkeit zu fördern.
An die Studie schließt sich ein Katalog mit Vorschlägen für eine diskriminierungsfreie Berichterstattung an, der als Diskussionsgrundlage verstanden wird. Die AutorInnen versuchen hier, zwischen der Rolle der Journalistin als objektive Berichterstatterin und dem parteiergreifenden Publizismus zu vermitteln. Auch wenn die Studie, die auf einige Monate und sechs Printmedien beschränkt war, keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, ist sie doch ein wichtiger Beitrag zu einem Thema von großer Aktualität. Auf jeden Fall schärfen die AutorInnen den Blick für versteckte und alltägliche Diskriminierung und geben einen Anstoß, die eigene Ausdrucksweise zu überdenken.
Margret Jäger, Gabriele Cleve u.a.: Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden Medien und Straftaten. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, 28,- DM.
(la) Über viele Jahre prägte die RAF deutsche Wirklichkeit. Wie sonst niemand wurden Andreas Baader und Horst Herold, Chef des BKA, mit diesem Kampf verbunden. Dorothea Hauser versucht nicht nur, den Kampf beider zu beschreiben, das Buch faßt weiter. Es soll das Handeln aller faßbar zu machen der Terror und die blinde Weniger und kritische Unterstützung Vieler auf der einen und der bedingungslose Überwachungsstaat mit der fast religiösen Technokratie der Datensammler und der Kontrollsperren an allen Autobahnauffahrten auf der anderen. Dazu sind exemplarisch die Lebensläufe der beiden Protagonisten, die verkorkste Jugend Baaders in der väterlosen Generation und Herolds Prägung in der NS-Zeit und die nicht erfolgte Aufarbeitung in der jungen Republik genannt. Die rebellisch-revolutionäre Produktion Baaders und der Aufstieg Herolds vom marxistischen Juristen zum Präsidenten des BKA mit dem erklärten Traum, die Datenfriedhöfe der Polizei zum Sprechen zu bringen. Die Lebensgeschichte zweier Symbole.
Dorothea Hauser: Baader und Herold. Fischer Taschenbuch, 19,90 DM.
(la) Hinter den populären Marken Demeter und Waldorfschule steht die Antroposophie. Fußfassend auf dieser grundlegenden Religion oder Lehre Rudolf Steiners sind Lehrpläne, Pädagogik und Aussaatpläne gefaßt. Seit längerem schon steht die Antroposophie im Kreuzfeuer. Peter Bierl, Redakteur bei konkret, hat diese Kritik nun erneut in einem Buch herausgebracht. Grundlegend umfaßt sie verschiedene Punkte: Als esoterische Strömung beinhaltet sie die üblichen Weichspülereien, wie das Vertrösten auf positive Inkarnationen, autoritäre Göttlichkeiten und die eigentlich bestimmenden Wesen, wie Ätherleiber etc. Seine Hauptwerke hat Steiner um 1910 verfaßt. Neben dem Vorwurf, opportunistisch zu sein, ist Steiner eben auch ein Kind seiner Zeit. Die Antroposophie ist dementsprechend rassistisch und antisemitisch geprägt. Dies hat das Überleben im Dritten Reich erheblich erleichtert. Diese Vergangenheit bzw. deren fehlende Aufarbeitung ist dann auch der dritte Punkt der Kritik, wie etwa die Inkarnationswertigkeiten Indianer-Affe-Wurzelrasse-Arier. Erfreulich an diesem Buch ist, daß es sich so angenehm von der Kampfschreibe der übrigen Würdigungen abhebt und so auch einen tieferen Einblick in die Geschichte und das Umfeld der Antroposophie erlaubt.
Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Konkret Literatur Verlag, 39,- DM.
(la) Michael Hartmann geht über Autos, wenn es gegen Autos geht. Der Erfinder von Carwalking und Streetwalking hat jetzt seine AutoBiographie veröffentlicht. Darin beschreibt er vor allem seine Erfahrungen im Laufen auf Autos und auf Hauptstraßen, wie es zu dieser Aktionsform kam, wer was dagegen hatte und welche Erfolge Michael Hartmann mit seinem Protest gegen die Autogesellschaft hatte. Ziemlich ausführlich dokumentiert er teilweise kuriose Gerichtsentscheide, beschreibt Techniken des Laufens über Autos, ohne diese zu beschädigen, und gibt schließlich Kontaktadressen für weiter Interessierte an. Die Beweggründe des Autors werden aus dem Kontext ersichtlich: Zwangsaufenthalte in der Psychatrie, mehrmals im Gefängnis und im Krankenhaus. Der AutoGeher ist insgesamt mehr eine personalisierte Geschichte des Car- und Streetwalkings denn eine Biographie. Dennoch oder gerade deswegen ist es ein brauchbares und anstachelndes Buch mit gutem Bildteil.
Michael Hartmann: Der AutoGeher. Unrast-Verlag, 24,80 DM.
(la) In diesem als Lehrbuch konzipiertem Buch über die Rollen der Akteure und der Bereich Politik, Recht und Ökonomie fassen die drei Autoren, allesamt Professoren der entsprechenden Fachbereiche, aus ihrem jeweiligen Blickwinkel den Stand der Bemühungen vor nationalem und internationalem Hintergrund zusammen. Interessant wird dieses Buch vor allem durch seine Gliederung in diese Bereiche und der Untergliederung in Akteure, Motivationen und Aussichten, wie die Wandlung der Umweltpolitik durch die Globalisierung oder die Implementierung in völkerrechtliche Zusammenhänge. Gestaltet ist das Lern- und Arbeitsbuch Umweltpolitik recht anschaulich mit vielen Abbildungen und den üblichen umfangreichen Quellenangaben.
Martin Jänicke, Philip Kunig, Michael Stitzel: Lern- und Arbeitsbuch Umweltpolitik. Dietz, 29,80 DM.
(sp) ECO-Address heißt das bisherige Alternative Branchenbuch jetzt. Englisch ist modern, auch wenns manchmal etwas blöd klingt der sinnvolle Inhalt des knapp 500 Seiten starken Adreßbuches wird ja glücklicherweise nicht dadurch tangiert.
Ökologisch orientierte Werbeagenturen sind hier ebenso vertreten wie Baby-Windel-Services. Viele Rubriken beinhalten neben den reinen Adressen auch noch fachlich fundierte inhaltliche Einleitungstexte.
Neu hinzugekommen in dieser mittlerweile zwölften Auflage ist die Rubrik Ökostrom und hier ist der Redaktion ein unverzeihlicher, gigantischer Patzer unterlaufen: Der Aromkonzern Bayernwerk darf für seinen ach so umweltfreundlichen Wasserkraftstrom werben, den Umweltverbände nur als gewaschenen Atomstrom bezeichnen.
Mit dem allzeit erforderlichen kritischen Hinterfragen aber trotzdem eine sehr lohnenswerte Investition.
ECO-Address Das Alternative Branchenbuch. Altop, 10,- DM (als Buch) bzw. 19,80 DM (als CD-ROM).
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