Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(ak) Die Europäische Kommission hat Länder, Regionen und Kommunen dazu aufgerufen, sich am 22. September am Ersten Europaweiten Autofreien Tag zu beteiligen. In einer Deklaration erklärten die Initiatoren, die Aktion In die Stadt ohne mein Auto! solle auf die negativen Folgen des Verkehrs aufmerksam machen. Vorher müssen die Teilnehmer die von allen Projektpartnern hierfür gemeinsam erarbeitete Europäische Charta unterzeichnen und den dort genannten Bedingungen zustimmen. Dazu gehört die Sperrung von Innenstadtbereichen oder -straßen für den Autoverkehr und ein verstärktes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln.
Im letzten Jahr haben an der Aktion Kommunen in Frankreich, Italien sowie der Kanton Genf teilgenommen. Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel stieg im Durchschnitt um 10 Prozent im Vergleich zu einem Autotag. Im Kampf gegen die Luftverschmutzung hat der grüne Umweltminister Edo Ronchi außerdem den Sonntag zu Fuß ins Leben gerufen. Bis um 18 Uhr standen alle Autos, Motorräder und Motorroller still. In Italien waren es in diesem Jahr rund 145 Städte, darunter Mailand, Rom und Florenz, die teilnahmen. Die öffentlichen Verkehrsmittel standen zur kostenfreien Benutzung bereit.
Der in Deutschland bestehende Aktionstag Mobil ohne Auto (MoA) ist mit dem nun geplanten autofreien Tag nur bedingt vergleichbar. MoA findet traditionell an einem Sonntag im Juni statt und ist eher ein angenehmes Freizeitvergnügen für Familien als Anstoß zum Umdenken. Der 22. September liegt hingegen auf einem normalen Wochentag. Er soll zum Überdenken des eigenen Mobilitätsverhaltens führen. Mobilitätsdienstleistungen wie CarSharing oder die gute alte Fahrgemeinschaft werden vorgestellt. Endlich kann die Stadt einmal ohne Verkehrslärm und Autoabgase entdeckt und erfahren werden, wenn insbesondere die Zentren ausschließlich dem nichtmotorisierten Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr vorbehalten sind. RadlerInnen, FußgängerInnen, Menschen mit Inlineskates und ReiterInnen können sich so auf den Straßen tummeln. Alternativ betriebene Fahrzeuge (Elektrofahrzeuge, Erdgasantrieb etc.) sollen zum Test bereit stehen. Bochum hat bereits die Unterschrift auf der Charta zugesagt und will ein Agenda-Fest mit Verbänden, Schulen und Initiativen in der Innenstadt durchführen, denn solche Veranstaltungen sollen ebenso zum autofreien Tag gehören.
Im Gegensatz zu der französischen Umweltministerin Dominique Voynet und dem italienischen Umweltminister reagiert das deutsche Umweltministerium bislang verhalten: Wir unterstützen den autofreien 22. September, erklärte Trittins Sprecherin Frauke Stamer. Berlins Supersenator Peter Strieder (Bauen, Verkehr, Wohnen, Umwelt und Stadtentwicklung) plant unabhängig davon drei autofreie Sonntage auf freiwilliger Basis. Wenn alles klappt, soll es am Umwelttag, Sonntag den 4. Juni, losgehen. Keinerlei Zwang, so Strieders Sprecherin Petra Reetz, soll auf die Berliner ausgeübt werden. Eine großflächige Sperrung, wie sie die Bündnisgrünen fordern, sei nicht geplant. Lediglich einzelne zusammenhängende Straßenzüge sollen für den Individualverkehr tabu sein.
Neben MoA und den vielen autofreien Aktionen in Flußtälern gab es in den Siebzigern in Deutschland schon mal einen autofreien Sonntag: Anläßlich der Ölkrise sollte einer drohenden Ölknappheit vorgebeugt werden. Augenzeugen berichten von Leuten, die es genossen, einmal in ihrem Leben auf der Autobahn oder einfach mitten auf der Straße spazieren zu gehen. Manchmal braucht es wohl etwas drastischer Anlässe, um die Autofans daran zu erinnern, was wirklich Spaß macht.
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