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Zu Besuch bei der Urananreicherungsanlage

In Gronau regt sich was

(go) Gronau und die dazugehörige Urananreicherungsanlage (UAA) liegen in Nordrhein-Westfalen. Leider ist Gronau den meisten Leuten noch kein Begriff – sehr zur Freude der UAA-Betreiber. Auch haben Teile der Anti-Atom-Bewegung noch immer die Einstellung „Der Atommüll ist das Wichtigste“ und konzentrieren sich daher nur auf Castortransporte. Die Urantranporte in die UAA bilden einen der ersten Schritte in der Produktionskette. Ihre Blockade ist eine gute Möglichkeit, die Entstehung des Atommülls zu verhindern – wenn wir schon nicht effektiv am Anfang der Brennstoffspirale, beim Uranabbau, ansetzen können. Ist eben doch etwas weiter weg.

Weltweit gibt es insgesamt 14 Urananreicherungsanlagen. Für den Einsatz in Atomreaktoren muß Natururan erst chemisch verändert werden. In Form von Uranhexaflourid (UF6) kommt das Zeug in Gronau an, wird dort angereichert, um schließlich zur Weiterverarbeitung in Brennelementefabriken geliefert zu werden Aus Uran oder Uranoxiden werden bei hoher Temperatur die schwarzen Urancarbide, die dann als Kernbrennstoffe verwendet werden. Übers Jahr hinweg finden ca. 50 Transporte von der Urananreicherungsanlage zu solchen Brennelementefabriken statt. Die Atomindustrie hat also noch mehr zu bieten als bloß Atommülltransporte!

Uran abgebaut und Umwelt gleich mit

Der Uranabbau findet oft in Gebieten wie Namibia oder Australien statt und schädigt neben der Umwelt die dort lebenden Ureinwohner gleich mit. Die rot-grüne Regierung erwähnt die UAA Gronau natürlich nicht in ihrem Ausstiegsgeschwafel. Doch auch die Arbeit der Urananreicherungsanlagen ist gefährlich. Der Unfall in der Urananreicherungsanlage Tokaimura bei der drei Arbeiter starben und 439 Menschen aus der Nachbarschaft Strahlung ausgesetzt waren, zeigte diese auch ohne praktisches Beispiel einsichtige Tatsache. Warum, fragt mensch sich da , hat die Bundesregierung eine Vervierfachung der Kapazitäten in Gronau genehmigt?

Selbst wenn wir in zig Jahren einen nationalen Atomausstieg haben werden, produziert die UAA in Gronau fröhlich für den Weltmarkt weiter – was uns dem weltweiten Atomausstieg nicht sonderlich näherbringt. Die öffentlichkeitswirksam blockierten Castortransporte sollen durch geplante dezentrale Zwischenlager, die sich dann direkt am AKW-Standort befinden, vermieden werden. Dann setzen sich womöglich Teile der atomkritischen Bevölkerung zur Ruhe anstatt vor das Werkstor in Gronau.

Ausbau der „Infrastruktur“

Von der Betreiberseite, aber auch von der Anti-Atom-Bewegung regt sich was. Die erstere ist, wie vorher schon erwähnt, mit ihrer Kapazitätserweiterung beschäftigt, und sie plant zudem noch eine Schienenerweiterung. UF6-Transporte kamen bisher immer per LKW in der UAA an. Zum einen aus Bremerhaven und Hamburg, wo das UF6 vom Schiff in LKWs verladen wird. Und zum anderen kommen sie aus Frankreich (Pierrelatte) auf Schienen, werden aber in Nordhorn (25km von Gronau entfernt) per Verladekran ebenfalls auf die Straße verlegt. Für einen reibungsloseren Ablauf der Transporte ist jetzt ein Gleisanschluß vorgesehen. Die geplante Schienenerweiterung, die an eine bestehende Strecke anknüpft, würde dann direkt ins UAA-Gelände führen. Sie soll ca. 250 Meter lang sein. Die Vermessungspfähle stecken schon.

Auf Aktion folgt Reaktion

Mitte April rückten ca. 50 – 60 Anti-Atom-Bewegte an und wollten der Atomindustrie die Schienenerweiterung „ausreden“. Mit bunten Farben wurde die Straße vor der UAA mit netten Sprüchen bemalt. Eine Hundertschaft der Polizei schaute dabei zu. Zu der geplanten Maschendrahtzaundemontage und dem Vermessungspfählerausziehen kam es angesichts der Polizeipräsenz nicht. Zumindest nicht tagsüber. Entsprechend wurde die Aktion in einen Sonntagsspaziergang um die UAA umgewandelt. Aus dem Sonntagsspaziergang wurde jedoch ein ziemlich langer Fußmarsch. Die Größe dieser Anlage ist erschreckend. Eine Journalistin vom WDR interviewte einige AktivistInnen und filmte einen Teil der Aktion. Das war erst mal der Anfang, doch die UAA-Betreiber müssen in Zukunft mit mehr Widerstand gegen ihre Anlage rechnen. Wenn die Schienenerweiterung (letztendlich doch?) stattgefunden hat, soll nochmals eine Protestaktion in Gronau stattfinden. Auch kursiert der Gedanke, nach der Blockade eines eventuellen Castortransportes ins Atommüllzwischenlager Ahaus weiter nach Gronau zu ziehen! Gronau und Ahaus liegen nämlich kaum 20 km voneinander entfernt. Das würde einen größeren Polizeiaufwand erfordern und somit die Kosten in die Höhe treiben.

In Gronau sind dann verschiedene Aktionen denkbar: z.B. könnte durch Sitzblockaden der Werksverkehr behindert werden, und die Bauarbeiten zur Kapazitätserweiterung müßten auf unbestimmte Zeit unterbrochen werden. „Wenn wir „Chaoten“ nach einem medienwirksamen „Castorevent“ in Ahaus uns also nicht sofort wieder verkrümeln, sondern nach Gronau weiterfahren, dann gelänge es uns auch, Gronau mehr Medienpräsenz zu verschaffen“, sagt eine Beteiligte. „Die UAA stellt einen zentralen Punkt des bundesdeutschen Atomprogramms dar, und sie ist die erste Station der Atomspirale, die für uns angreifbar ist. Greifen wir sie an!“

Weitere Infos zur Urankampagne: uran ag, c/o aap-berlin, Kurfürstenstr. 14, 10785 Berlin, 030/261 62 52


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