Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(wo) Reis ist in aller Munde. Reis ist nicht nur das Hauptnahrungsmittel für mehr als die Hälfte der Menschheit, sondern auch ein wichtiges Thema im Fairen Handel und auf der Bühne der Weltwirtschaft. Er wächst fast überall: als Tiefwasserreis in bis zu sechs Meter tiefem Wasser, auf Salzmarschen genauso wie in einer Höhe von 2700 Metern. Heute werden auf dem Weltmarkt nur wenige Sorten angeboten, obwohl es über 100.000 traditionelle Reissorten gibt (alte indische Schriften sprechen sogar von 500.000). In jüngster Zeit sind einige neue hinzugekommen – durch die Gentechnik. Ihr Nutzen bzw. ihr Schaden ist allerdings umstritten. Eine internationale Kennzeichnungsnorm für gentechnisch veränderte Lebensmittel existiert bisher noch nicht. Für Klarheit sorgt das Zeichen „ohne Gentechnik“.
Das Zeichen „ohne Gentechnik“ des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) wird als erstes Getreideprodukt auf den gepa-Reispackungen zu finden sein. Was verbirgt sich hinter den zwei weißen, gekreuzten Strichen auf grünem Grund? Dieses Zeichen steht für das klare und eindeutige Nein zur Gentechnik in der Landwirtschaft und bei der Weiterverarbeitung von Lebensmitteln in Europa. Sowohl die gepa (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt) als auch der BUND lehnen diese strikt ab und streben deshalb eine Zusammenarbeit zum Thema „ohne Gentechnik“ an.
Wieso sind die beiden Organisationen dagegen? Zum einen sind die möglichen gesundheitlichen Folgen, die der Verzehr der künstlich veränderten Lebensmittel für die KonsumentInnen mit sich bringt, noch nicht ausreichend erforscht. Das gleiche gilt für die Auswirkungen auf die Umwelt. Nicht umsonst lehnen viele Städte und Gemeinden in Deutschland „Freilandversuche“ mit gentechnisch veränderten Pflanzen auf ihrem Gebiet ab.
Für die gepa und ihre Handelspartner im Süden stehen aber weitergehende Argumente im Mittelpunkt. Zusammen mit Tausenden von Kleinbauern setzen sie sich für eine nachhaltige Entwicklung und den Erhalt der traditionellen Sorten ein. Und was wären die Vorteile der Gentechnik für die Kleinbauern? Warum sollen sie das neue Saatgut verwenden anstatt die traditionellen Reissorten? Von höheren Erträgen ist im Zusammenhang mit der Gentechnik die Rede und von Pflanzen, die gegen die am meisten vorkommenden Schädlinge widerstandsfähig sind. Oder von Gen-Sorten, deren Körner zusätzliche Vitamine und Spurenelemente enthalten und somit Krankheiten vorbeugen sollen. Damit könnte der Hunger auf der Welt bekämpft werden, sagen die einschlägigen Forschungsinstitute, die sich mit der Gentechnik beschäftigen.
Höhere Erträge gleich weniger Hunger? Bei dieser Argumentation wird übersehen, daß nicht die Menge der weltweit zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel das Problem ist, sondern deren ungleiche Verteilung. Denn es wird bereits heute weltweit genug Nahrung produziert. Doch die Menschen in den Slums können sich selbst den billigsten Reis nicht leisten, weil sie nicht genug verdienen. Und die Bauern müssen auf Grund des niedrigen Preises, den sie für ihren Reis erhalten, mehr verkaufen als sie eigentlich für den Verkauf vorgesehen hatten und deshalb ihre eigene Ernährung einschränken. Zusätzliche Vitamine im Reiskorn sind ebenfalls nicht notwendig, wenn die Ernährung insgesamt ausgewogen ist und Gemüse und Fleisch den Speiseplan der Menschen ergänzen. Deshalb nutzt die Gentechnik in diesem Fall nichts, sondern nur eine höhere Kaufkraft der Menschen, damit sie sich eine ausgewogene Ernährung leisten können.
Gerade die traditionellen Reissorten entsprechen oft ideal dem jeweiligen Standort und sind robuster als die neuen, veränderten Sorten. Sie werden von den Bauer selbst gezüchtet und nicht von internationalen Saatgutfirmen. Nur so haben die Bauern Zugriff auf das Saatgut, ohne zum Beispiel Patentgebühren zahlen zu müssen. Zudem konnten sich beispielsweise die Kleinbauern im Nordosten Thailands bereits das neu gezüchtete Saatgut und den chemischen Dünger, welche während der sogenannten „Grünen Revolution“ von den Beratern empfohlen wurden, nicht leisten. Noch weniger können sie sich Saatgut leisten, das gentechnisch so verändert wurde, daß es nur einmal keimt und jedes Jahr wieder gekauft werden muss.
Die Reishandelspartner der gepa, besonders Navdanya (Indien) und Green Net (Thailand), engagieren sich seit vielen Jahren gegen die Patentierung von Saatgut und dessen gentechnische Veränderung, um die Artenvielfalt zu erhalten. So haben sie zum Beispiel Saatgutbanken angelegt, um den Bauern den Zugang zu traditionellem Saatgut zu ermöglichen und dieses zu schützen. Sie haben den Bauern, mit denen sie zusammenarbeiten, international Gehör verschafft und sich gemeinsam mit deren Organisationen gegen Patentierung und Gentechnik ausgesprochen.
Mit dem Verkauf der traditionellen Reissorten fördert der faire Handel die Produzenten: Ein höherer Preis sichert die Eigenversorgung der Familien mit Reis, er fließt auch in den Aufbau eigener Läden, Saatgutbanken und in landwirtschaftliche Beratung der Bauern. Eigene Läden sichern ihnen einen fairen Preis im Inland. Der ökologische Landbau wird vom fairen Handel gefördert und damit die Gesundheit der Menschen. Traditionelle Sorten werden durch die Nachfrage im In- und Ausland erhalten.
Eine dieser Sorten, die die gepa in Deutschland anbietet, ist lila Reis aus Laos. Auch er trägt das oben genannte Zeichen „ohne Gentechnik“ des BUND. Nach dem Kochen färbt sich die Mischung aus 40% weißem Reis, 40% Basmati und 20% lila Reis vollständig lila (redaktionell getestet!). Nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch lecker. Zu kaufen gibt es den lila Reis der gepa in vielen Weltläden, zum Beispiel dem Eine-Welt-Laden „Die Zwickmühle“, Bölschestraße 135, Berlin-Friedrichshagen. In diesem Sinne: traditionelle Sorten statt Gentechnik.
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