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Die Internationale Frauenuniversität ist von Kritik überschattet

Nörgeln bis nichts mehr übrig ist

(ak) Vom 15. Juli bis 15. Oktober werden 900 Studentinnen aus aller Welt das erproben, was in Amerika die Regel und in Deutschland noch nicht einmal die Ausnahme ist: Die „Internationale Frauenuniversität“ (ifu) wird in und um Hannover mit der Arbeit beginnen. Sowohl die finanziellen als auch die personellen Dimensionen erscheinen immens. 39 Sponsoren aus Wirtschaft und Politik fördern die ifu mit 16 Millionen Mark. 130 Wissenschaftlerinnen, Praktikerinnen und Künstlerinnen werden die Arbeit an sieben Hochschulstandorten zu den Themen Migration, Arbeit, Stadt, Information, Wasser und Körper vorbereiten. Ein Kriterium bei der Auswahl der Studentinnen: interdisziplinäre Ausrichtung und Erfahrung in der Frauenforschung. Kritikerinnen wie die Arbeitsgruppe „mamba Feministische Expo-Kritik“ sehen in der ifu jedoch alles andere als die Erfüllung eines feministischen Traumes.

Von einer Synthese aus kapitalistischer Organisation und feministischem Projekt – was immer das sein mag – ist da die Rede. „Kapitalistisch“ soll wohl die Entrichtung von Studiengebühren in Höhe von 900 DM sein. Daß 40 % der Plätze durch Stipendien vergeben werden sollen, wird hierbei dezent verschwiegen. Doch auch dieses Modell würde von den mambas sicher kritisiert werden, handelt es sich hierbei doch um elitäre Selektion. Der Grund für die Erhebung der Gebühren ist jedoch sicher nicht in der Geldgeilheit der Professorinnen zu sehen, sondern in der Tatsache, daß die EXPO GmbH nur einen geringen Teil der Finanzierung stellt, wenngleich sie sich dieses Projekt, wie alle anderen, auf die Fahnen schreibt. Unter den 39 Sponsoren finden sich neben der Heinrich-Böll-Stiftung auch die Volkswagen AG.

So fing es an

Angefangen hatte alles vor zehn Jahren: Anfang der 90er setzt Helga Schuchardt als Wissenschaftsministerin in Niedersachsen zwei Frauenforschungskommissionen unter dem Vorsitz der jetzigen ifu-Präsidentin Ayla Neusel ein. Die Arbeiten in einer von beiden konkretisieren sich so weit, daß schon bald klar wird: Das soll im EXPO-Jahr stattfinden. „Mit dem Rückenwind der EXPO war das leichter durchzusetzen“, so Schuchardt. Niedersachsen finanziert daraufhin den Grundstock. 1997 wird der Verein „Internationale Frauenuniversität e.V.“ gegründet. 1998 beginnen 40 Wissenschaftlerinnen aus 12 Ländern die sieben Projektbereiche auszuarbeiten.

Und so ging es weiter

Der als siebtes Projekt geplante Schwerpunkt „Intelligenz“ ist inzwischen allerdings hinten runter gefallen. Laut Ayla Neusel habe es in der Neurobiologie oder Neurolinguistik keine Kollegin gegeben, die sie für die Betreuung dieses Bereiches hätte gewinnen können. Der Begriff Studentinnen ist bei der ifu ziemlich weit auszulegen. Dabei sind nun Frauen von 21 bis 61 Jahren – mindestens einen Bachelor-Abschluß mußten sie schon in der Tasche haben. Beworben haben sich neben den Jungen auch viele Frauen mit Berufserfahrung und aus NGOs. Die Zugelassenen kommen nun aus 115 Ländern; 38 Prozent aus Afrika oder Asien. So vielfältig wie die Teilnehmerinnen ist auch das Programm der ifu. Theorieseminare wechseln sich ab mit Workshops, Labor- und Projektarbeit in Kleingruppen und Exkursionen.

Die deutschen Bewerberinnen haben vor allem an dem Bereich „Körper“ Interesse. Die deutsche Soziologin und Historikerin Barbara Duden und die afrikanische Soziologin Patricia McFadden leiten diesen Bereich und wollen unter anderem an den Themen Geburtenregelung, Verhütung und Geburt die Kontrolle über und den Zugriff auf den weiblichen Körper untersuchen. Den teilnehmenden Frauen stehen darüber hinaus Computerzentren zur Verfügung, damit sie sich in der „Virtuellen ifu“ kurz: vifu tummeln können. Die Chat- und Informationsmöglichkeiten stehen jedoch auch anderen Interessentinnen zur Verfügung.

Kritik von links außen

Also alles Friede, Freude? Wer das denkt, hat nicht mit dem Bund deutscher Wissenschaftlerinnen und den mambas gerechnet. Diese beklagen eine in ihren Augen undemokratische Struktur des Vereins „Internationale Frauenuniversität“. Auch seien Studentinnen von der Entwicklung des Konzeptes und bei der Mitgestaltung ausgeschlossen. Um dem etwas entgegenzusetzen, haben die mambas mit Unterstützung des AstA der Uni Hannover eine eigene „Interkulturelle Sommeruni für Frauen und Lesben“ vom 3. – 31. Juli auf die Beine gestellt. Stattfinden soll das Ganze in der Uni Hannover. Beschäftigen wollen sie sich mit Themen wie „Alltagserfahrungen“, „Gewalt“, „FrauenLesben weltweit“ und „Utopia“. Anknüpfend an die früheren Sommerunis in Berlin, sollen unabhängig vom akademischen Grad alternative Lebensformen diskutiert und erlebbar gemacht werden. Damit die Veranstaltung für die Teilnehmerinnen kostenlos bleibt, sollen die Referentinnen unentgeltlich arbeiten. Daß dazu nicht jede bereit ist, haben auch die mambas schon gemerkt. Wichtig sind bei der Veranstaltung auch sportliche und handwerkliche Angebote.

Fazit?

Zielsetzung dieser Sommeruni scheint jedoch eher die Schaffung eines Forums für den Austausch von Erfahrungen untereinander und zum gegenseitigen Kennenlernen zu sein. Die ifu hingegen kann ihrem wissenschaftlichen Anspruch eben erst dadurch gerecht werden, indem hochgradige Wissenschaftlerinnen eingekauft und die Frauen zugelassen werden, die sich schon erkennbar mit feministischen Themen auseinander gesetzt haben. Wie gut beides nebeneinander gelebt und erlebbar gemacht werden kann, zeigt die Realität am allerbesten. Deshalb erscheint es zunächst unverständlich, daß ein kaum 100 Tage dauerndes Projekt wie die ifu solch einer vehementen Kritik ausgeliefert ist. Argumentiert wird hierbei natürlich, daß es ja um „Grundsätzliches“ gehe. Schließlich sei es doch immer noch besser, die Ablehnung der Weltausstellung in „deren öffentlichkeitswirksame Skandalisierung“ zu wenden, als zu glauben, daß der EXPO durch die eigene Beteiligung noch etwas „weniger Schlimmes“ abgerungen werden kann. Festzustellen bleibt, daß die ifu auf beeindruckende Weise Interdisziplinarität und einen monoedukativen Ansatz miteinander verbindet. Wem das nicht paßt, kann ja Hause bleiben.

Website der ifu: www.vifu.de. Programme zur Interkulturellen Sommeruni für Frauen und Lesben in Hannover sind zu bestellen bei: Beate Gonitzki, Telefon 0511/762-5061


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