Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(go) Nicht nur, daß eine ganze Menge der Expo-MacherInnen aus der Autoindustrie kommen und uns die Expo weismachen soll, daß mit ihrer „intelligenten Technik die drängenden Umwelt-, Entwicklungs- und Bevölkerungsprobleme zu lösen“ sind, auch sonst ist die Expo so ziemlich das Verkehrteste, was es zur Zeit gibt. Greifen wir uns mal den Verkehr raus:
Noch im Jahr 1992 hieß es, daß die täglich zu erwartenden 300.000 BesucherInnen der Expo nicht mit dem Auto zum Expo-Gelände gelangen sollen. Um die Kapazitäten der Bahn nicht zu überschreiten, war angedacht, die Anzahl der Eintrittskarten pro Tag zu begrenzen, und diese sollten auch nur über den Vorverkauf ausgegeben werden. 4 Jahre später kippte die Expo-GmbH dieses Konzept, weil man ja den SpontanbesucherInnen die tolle kapitalistische Technikshow nicht verwehren will. Damit werden an Spitzentagen bis zu 450.000 Leute erwartet – womit sich die Stadt Hannover fast verdoppelt. Zwar werden zum Expo-Gelände selbst die meisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen, doch trotzdem sollen den BesucherInnen 25.000 Parkplätze zur Verfügung stehen. Auch ist es aus ökologischer Sicht relativ uninteressant, mit welchen Verkehrsmitteln die Expo-BesucherInnen die letzten 5 km zum Ausstellungsgelände zurücklegen. Die Hunderte oder gar Tausende Kilometer vorher, auf dem Weg nach Hannover, fallen da mehr ins Gewicht. Da ist von einem ökologischen Verkehrskonzept absolut keine Spur. Ca. 40% sollen mit dem Auto anreisen, 10% mit dem Flugzeug. Bei letzterem sind das täglich 200 zusätzliche Starts und Landungen auf dem Hannoveraner Flughafen.
Natürlich erwähnt die Expo-GmbH auch gerne ihre Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr. Doch bei näherer Betrachtung kommt man zu einem traurigen Ergebnis: Der Großteil dieser Gelder fließt in die Expo- und Messeerschließung und bringt den EinwohnerInnen von Hannover nichts. Es sei denn, sie würden regelmäßig zwischen Flughafen und Messe pendeln wollen... So führt z.B. die neue Stadtbahnlinie D am Rande der neuen Expo-Wohnsiedlung Kronsberg vorbei, anstatt durch sie hindurch. Während der Expo ist dies natürlich für die dortigen BewohnerInnen angenehmer – da sie dann nicht von der im 2-Minuten-Takt verkehrenden Stadtbahn genervt werden. Doch welche/r BewohnerIn von Kronsberg nutzt schon den öffentlichen Nahverkehr, wenn er/sie bis zu 1 km zur nächsten Haltestelle laufen muß? Da steigt man lieber ins Auto. Die Nachnutzung der Linie D ist also nicht gewährleistet, und man kann sich denken, daß dies das Defizit der Verkehrsbetriebe weiter in die Höhe treibt. Vor allem ist es bedenklich, daß wegen dieser verkehrten Expo-Linie andere Stadtbahnverlängerungen aus finanziellen Gründen verschoben werden.
Auch in den Straßenaus- und Neubau wurde Geld gesteckt, obwohl die Expo-Werbung lange Zeit „kein Straßenbau“ versprach. Nun sind 2 neue Straßen und 4 ausgebaute Straßen das Resultat dieser Versprechung.
Doch Verkehr hin oder her – er bietet Expo-GegnerInnen einen Ansatzpunkt, um in das Geschehen einzugreifen. Es kursieren verschiedene Aktionsideen durch die linksradikale Medienlandschaft.
Da während der Expo die Stadt Hannover ziemlich voll sein wird, ist z.B. ein Verkehrschaos leicht zu produzieren, wenn es sich nicht schon von selbst produziert. Zur Eröffnung am 1. Juni soll vom 31.5. nachmittags bis 2.6. morgens ein Aktionsschwerpunkt liegen – mit Sitzblockaden auf Straßen, Fahrraddemos (à la critical mass), Autofahren mit leerem Tank und dann stehenbleiben, Reclaim-the-streets-Aktionen, Wegweiser ändern, unsichtbarem Theater in Form von Drängeleien und Schlägereien in Warteschlangen und öffentlichen Verkehrsmitteln, Notbremsen in Zügen und Straßenbahnen betätigen. Alle 3 Minuten soll am Expo-Bahnhof „Messe/Laatzen“ ein Zug ankommen, um die BesucherInnen zu befördern. Da hat selbst die Bahn AG Bedenken, daß jede kleine Aktion ein Chaos verursachen kann. Zur letzten Cebit hat die Bahn das sogar ganz alleine geschafft.
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