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Umweltverbände auf der Expo

Passen UmweltschützerInnen auf die Expo?

Ja,...

„Mensch – Natur – Technik“ – lautet das Motto der Expo 2000. Bereits vor der Eröffnung der Weltausstellung im Juni mehrt sich die Kritik, dass sie Bühne für Inszenierungen der Industrie sei, in der Mensch und Natur nur eine kleine Nebenrolle besetzen. Unter den Umweltschützern herrscht daher Uneinigkeit über die Teilnahme an der Expo. Der WWF sieht in der Weltausstellung eine Chance, seine Vision einem internationalen Publikum zu präsentieren: das Netzwerk des Lebens zu erhalten. Hannover stellt im Jahr 2000 ein Schaufenster der Welt dar. Über 40 Millionen Besucher und Journalisten werden in den fünf Monaten der Ausstellung erwartet. Wo sonst also, wenn nicht hier, gibt es zu Beginn des neuen Jahrtausends einen besseren Ort, dem grenzüberschreitenden Naturschutz Gehör zu verschaffen? Die Teilnahme von Umweltverbänden an der Expo ist daher kein Sündenfall, sondern eine Riesenchance für den weltweiten Naturschutz. Der WWF wird dazu beitragen, dass die Natur bei aller Technik-Euphorie nicht auf der Strecke bleibt.

Als weltweit aktive Umweltorganisation hat sich der WWF den Erhalt der biologischen Vielfalt auf die Fahnen geschrieben. Er will dazu beitragen, zukünftigen Generationen das Leben auf diesem Planeten zu sichern, mit gesunden Wäldern, sauberen Flüssen und Seen, reich an Arten und unerschöpflichen Ozeanen. Externe Wissenschaftler und Experten des WWF haben mit den Ökoregionen der „Global 200“ jene Gebiete der Erde identifiziert, deren Schutz ein Überleben von 90 Prozent der Artenvielfalt sichern würde. Um den Ansatz der „Global 200“ zum Erfolg zu führen, muss das Projekt bekannt gemacht und müssen Partner gewonnen werden. Das für den Expo-Auftritt entworfene Keramik-Puzzle des bekannten Künstlers Stefan Szczesny gibt 135.000 Spendern die Chance, ihren Namen auf der „Weltkarte des Lebens“ eingravieren zu lassen und damit ihr Engagement öffentlich zu zeigen. Auch der bekannte Multimedia-Künstler André Heller stellte sich in den Dienst des Naturschutzes und kreierte den WWF-Pavillon, der von einer mythischen Erdgeistfigur überragt wird.

Natürlich ist Feldarbeit im Naturschutz nach wie vor wichtig. Genau deshalb führt der WWF weltweit Projekte durch und arbeitet eng mit den Menschen vor Ort zusammen. Aber dies alleine wird nicht ausreichen, um zu schützen und zu retten, was wir retten müssen. Lobbyarbeit und die wissenschaftliche Suche nach umweltgerechten Lösungen sind heute mindestens ebenso wichtig. Wir müssen alle Wege beschreiten. Und: wir müssen die Menschen für den Naturschutz begeistern. Der WWF will die Menschen dort abholen, wo sie stehen, will ihre Emotionen wecken durch seine faszinierende und überzeugende Idee der Global 200 – und die Expo bietet dazu eine hervorragende Gelegenheit.

Klaus-Henning Groth ist Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des WWF.

Nein,...

Die Expo stellt sich selbst als Show nachhaltiger Zukunftsideen vor. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, daß der Umweltschutzansatz der Expo sehr verkürzt und stark im kapitalistischen Profitdenken verankert ist:

– Umweltschutz sei Ressourceneffizienz: Die Expo zeigt Umweltschutz als rein technisches Problem. Das aber bedeutet: Länger kapitalistische Ausbeutung von Rohstoffen und Menschen, zudem einen erneuten Wettbewerbsvorsprung der reichen Länder wegen ihrer überlegenen Technologie.

– Umweltschutz wird zum Erlebnis (Titel der Expo-Umweltbroschüre): Der Mensch wird zum bloßen Zuschauer.

– Der Mensch ist schuld, die Technik rettet ihn: Als Ursache für die Umweltzerstörung wird das Bevölkerungswachstum benannt, doch zum Glück gibt es Gentechnik usw., die den Menschen vor dem Elend bewahrt – eine Verdrehung der Opfer-Täter-Logik

In einer solchen Schau kapitalistischer Zukunftsvisionen sind UmweltschützerInnen falsch. Umweltschutz steht Profit-, Verwertungs- und Machtinteressen grundsätzlich entgegen, denn die Zerstörung der Umwelt dort geschieht aus den gleichen Gründen wie die Ausbeutung der Menschen. Folglich kann Umweltschutz nicht mit denen umgesetzt werden, die die Umwelt bewußt zerstören. Zusätzlich zu diesem grundsätzlichen Widerspruch gibt es Kritik im Detail: Die Expo bewirbt die Gentechnik, zeigt neue Atomkraftwerke als Energieversorgung der Zukunft, den Transrapid und vieles mehr. Was haben da UmweltschützerInnen zu suchen?

Es gibt drei Gründe, warum Umweltgruppen auf der Expo mitmischen. Viele von ihnen, vor allem unter den weltweiten Projekten, haben sehr viel Geld (bis zu 23,5 Millionen, mindestens aber einige 100.000 DM) erhalten. Das Schmiergeld stammt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die den „Einkauf von Ökos“ für die Expo betrieben hat.

Andere Gruppen glauben an das Gute ihres Engagements auf der Expo. Man müsse doch auch was Anderes zeigen, wird z.B. von VENRO, BUND- und NABU-Gruppen oder dem demeter-Expo-Biohof (neben den Gentechnikwerbeshows) formuliert. Tatsächlich werden Ökoprojekte genauso wie soziale Gruppen von der Expo zur Akzeptanzbeschaffung benutzt. Eine eigenständig wahrnehmbare Rolle spielen sie nicht.

Die dritte Art des Mitmachens ist die, zur Expo-Ideologie zu passen, also selbst kapitalistische Ideen zu verfolgen. Beispiele hier sind die Bodenseestiftung, die seit Jahren mit üblen Konzernen zusammenarbeitet, oder der WWF. Großschutzgebiete versucht dieser in ärmeren Ländern über den Hebel des Schuldenerlasses durchzusetzen. Gleichzeitig bildet er sogenannte „Ranger“ als ökoparamilitärische Einheiten aus, die die Bevölkerung aus den Gebieten schießen und so Tourismusziele für die Reichen schaffen. Partner sind Konzerne und die Weltbank. Wer so agiert, paßt auf die Expo.

Wo liegen die Grenzen? Wer bei der Expo mitmacht, kann auch Nistkästen am Atomkraftwerk aufhängen. Eine widerständige Idee von Umweltschutz ist dann gänzlich verschwunden. Sie aber muß wiedergewonnen werden. Die Expo bietet dazu eine Chance. Nein sagen sei einfach, behaupten viele der Angepaßten. Ich behaupte: Offenbar genau das können viele nicht mehr!

Jörg Bergstedt engagiert sich im Anti-Expo-Widerstand und für den „Umweltschutz von unten“ (http://go.to/umwelt/) und ist Redakteur der Ö-Punkte.


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