Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(wo) Wer kennt es nicht, das Konterfei Chés, das uns von Postern und Rucksäcken entgegen blickt. Was muss man in seinem Leben getan haben, um über Generationen das Symbol für Revolution und eine gerechte Welt zu sein, selbst 30 Jahre nach seinem Tod? Diese Buch versucht, eine Antwort darauf zu geben. „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“ ist die zweite Biografie des Ernesto „Ché“ Guevara, die Frederik Hetmann alias Hans-Christian Kirsch geschrieben hat. Sie enthält Informationen aus bisher unerschlossenen Quellen, welche der Autor bei seinen Recherchen in Kuba ausfindig gemacht hat. Er beschreibt Ché als Menschen mit all seinen Stärken und verschweigt auch nicht seine Fehler. Damit macht er keinesfalls den Mythos kaputt, der sich um Guevara rankt.
Das Buch ist angenehm zu lesen, allerdings nicht sehr spannend, sondern eher sachlich geschrieben. Es beleuchtet aber die politischen Verhältnisse in Lateinamerika während Ernestos Leben sehr genau und ist somit ein nicht trockenes Geschichtsbuch. In der Mitte enthält es zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos. Jeder, der sich für ein Stück revolutionäre Geschichte interessiert, sollte sich überlegen, dieses Buch zu kaufen, auch wenn der Preis von 32 DM etwas abschreckt.
Frederik Hetmann: Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker. Beltz&Gelberg, 32,- DM.
(wo) Vielleicht hat sich der eine oder andere beim Einkaufen schon gefragt, ob es da noch mit rechten Dingen zugeht, wie all die exotischen Genüsse aus aller Welt sauber verpackt in die Regale kommen. Und manchmal sind wir uns nicht einmal mehr sicher, was man vor lauter BSE und Gentechnik überhaupt noch essen kann.
Beatrix Tappeser und ihre Co-Autorinnen haben in ihrem Buch „Die blaue Paprika“ die weltweite Nahrungsmittelproduktion unter die Lupe genommen. Zum Teil etwas negativ erläutern sie die politischen und juristischen Zusammenhänge zwischen Konsument, Welthunger und Zivilisationskrankheiten. Das Buch informiert unter anderem über Gentechnik, Food Design und ökologischen Landbau. Interessant sind auch Zitate bekannter Persönlichkeiten und Zusätze am Rand des Textes, die aber mitunter das Lesen des Haupttextes behindern können.
„Die blaue Paprika“ ist für den Laien gut verständlich, bietet aber auch viele Informationen und aktuelle Quellen für diejenigen, die sich schon mehr mit dem Thema „Essen“ befaßt haben. Als letztes zu bemängeln wäre, daß das Buch extra in Plastikfolie eingeschweißt in der Redaktion eintraf.
Beatrix Tappeser/Alexandra Baier/Birgit Dette: Die blaue Paprika. Birkhäuser, 39,80 DM.
(ne) Ab 1937 warb Deutschland „Fremdarbeiter“ im großen Stil an, um den Arbeitskräftemangel in der kriegswichtigen Industrie zu decken. Ab 1941 wurden systematisch Menschen aus dem in Polen errichteten Generalgouvernement deportiert und zur Arbeit in Deutschland gezwungen. Allein 1944 wurden im deutschen Herrschaftsbereich 5,3 Millionen „Fremdarbeiter“ unter meist unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit für deutsche Landwirtschaftsbetriebe und Unternehmen gezwungen. Das Buch „Räder müssen rollen für den Sieg!“ befaßt sich vor allem mit der Regionalgeschichte des Landkreises Esslingen bei Stuttgart. Anhand von Zeitzeugenberichten, Sterberegistern, Hinrichtungsprotokollen, polizeilichen Strafbefehlen und anderen Dokumenten wird der Leidensweg der dortigen Zwangsarbeiter nachgezeichnet. Die umfangreiche Dokumentation der Beispiele aus Esslingen stellt gängige Verharmlosungen richtig und unterstreicht noch einmal die Verantwortung der Unternehmen für eine Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. Ergänzende Beiträge zur Einführung und zur aktuellen „Entschädigungsdebatte“ machen das Buch auch für Einsteiger ins Thema interessant.
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten, KV Esslingen (Hrsg.): „Räder müssen rollen für den Sieg!“ Schmetterling Verlag, 26,80 DM.
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