Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(mn) Im Idealfall kann Ökotourismus die Chance bieten, Natur effektiver zu schützen. Durch sanftes Erschließen von naturbe lassenen Regionen besteht die Möglichkeit, das Geld, das Öko touristen ausgeben, auch für weitere Schutzmaßnahmen und ökologisch sinnvolle Erschließungen einzusetzen. Es besteht eben-falls die Chance, dass die in den Regionen verdienten Gelder auch vor Ort bleiben und nicht an riesige Tourismus-Unterneh-men, die meist im Ausland sitzen, gehen.
Allerdings wird dieser Idealfall selten eintreten, weil Ökotourismus allzu oft mit naturnahem Tourismus verwechselt wird. Seinen Campingwagen mitten ins Landschaftsschutzgebiet zu stellen, ist kein Ökotourismus. Sich den Weg zu einem Gewässer durch einen schilfbewachsenen Uferbereich zu schlagen, ist ebenfalls ein Missgriff gegen die Natur.
Genau aus diesem Grund wird das Jahr des Ökotourismus von einer Gruppe von NGOs (Nichtregierungsorganisationen), bestehend aus Umweltschutz und Menschenrechtsorganisationen, stark kritisiert. In Dritte-Welt-Ländern beispielsweise wird der Begriff Ökotourismus immer wieder benutzt, um Investoren den Weg in die weit entfernten und abgelegenen Naturreservate zu eröffnen und diese touristisch zu erschließen. Meistens geht es dabei natürlich nicht um Umweltschutz, sondern um Profit.Die Schäden, die diese Art von Tourismus anrichten kann, werden von den NGOs als schlimmer oder genauso schlimm eingeschätzt wie die, die aus dem Massentourismus entstehen.So kann es vielleicht sinnvoll sein, unter Berücksichtigung von Umweltschutzstandards auch den Ausbau von Tourismuszentren zu fördern. Schließlich ist davon auszugehen, dass die Touristen dann an diesem Ort bleiben, also die umliegende Natur nicht zerstören.
Ein weiterer Kritikpunkt der NGOs ist, dass häufig nicht die entsprechenden Regionen gefördert werden, wie das die Idee des Ökotourismus vorsieht, sondern dass das verdiente Geld wieder an Tourismusunternehmen geht. Durch das Jahr des Ökotourismus würde diese Fehlentwicklung noch unterstützt, da die Vereinten Nationen keine oder fast keine Kontrollinstrumente entwickelt haben, um zu prüfen, ob hinter den vermeintlichen Öko-Projekten auch tatsächlich Ökotourismus steckt.
Die Frage ist letztendlich, ob Ökotourismus tatsächlich als Alternative zum Massentourismus gelten kann. Er ist häufig teurer und daher nur für betuchtere Urlauber eine Möglichkeit. Auch ist es fraglich, ob der Ökotourismus das Fassungsvermögen für all die vielen Urlauber bieten würde, die sich jetzt noch auf Mallorca sonnen. Ökotourismus ist schließlich nur für eine kleine Zahl von Touristen an einem Ort möglich, sonst funktioniert er nicht. Traurig, aber wahr ist da die Tatsache, dass es der Natur am meisten hilft, den Urlaub öfter mal am Heimatort oder in dessen Nähe zu verbringen. Eine Fahrradtour in der Mark Brandenburg kommt dem dem Leitbild des Ökotourismus wohl am nächsten.
Zurück
zum Inhalt von Juckreiz 30