Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(ne) „In die Ferien fliegen“ – eine Vorstellung, die bis in die 60er Jahre für normal begüterte Leute noch völlig undenkbar war. Doch mit der Einführung der ersten Jets und Großraum-flugzeuge ist das Fliegen immer billiger und alltäglicher ge-worden. Umweltfreundlicher wurde es deshalb nicht. Ein Flug von München nach New York verbraucht pro Flugreisenden so viel Sprit wie ein durchschnittlicher Autofahrer im Jahr verfährt – das sind 4,5 Liter Kerosin pro Person und Kilometer, eine un-geheure Belastung für die Umwelt. Reisen mit dem Flugzeug hat also nichts mit umweltfreundlichem Tourismus zu tun.
Hauptgrund für die ständing steigenden Fluggastzahlen der Airlines sind deren konkurrenzlos günstige Preise. Während einen die Bahn für eine Fahrt quer durch Deutschalnd um runde 100 Euro erleichtert, kommt man auf dem Luftweg für das gleiche Geld bis nach London oder im Pauschaltarif auf der Deutschen liebste Ferieninsel. Geschuldet sind die günstigen Angebote der Fluggesellschaften einerseits der ständig steigenden Nachfrage und andereseits natürlich der staatlichen Förde-rung des Flugbetriebes durch die Nicht-Besteuerung des Flug-benzins. Seit dem 1949 geschlos-senen Luftverkehrsabkommen von Chicago ist Kerosin in fast allen Staaten der Erde steuerfrei. Ein Flieger bezahlt pro Liter Ben-zin nur 15 Cent, für einen Liter Diesel bezahlt der Autofahrer derzeit um die 80 Cent, 70% davon sind Steuern. Auch die Bahn zahlt für ihre verbrauchte Energie Steuern.
Mit solchen Vorteilen ausgestat-tet, ist es für die Fluggesellschaf-ten natürlich ein Leichtes, Rei-sen zu exotischen Zielen für immer mehr Leute anzubieten. Dass diese Flugreisen letzten Endes nicht nur mit Geld, son-dern auch mit katastrophalen Folgen fürs Klima bezahlt wer-den, interessiert vorläufig noch kaum einen. Prognosen des Um-weltbundesamtes gehen von ei-ner Verdoppelung privaten Luft-verkehrs bis zum Jahr 2010 aus. Deshalb sind mittlerweile viele Experten und Politiker für die Einführung einer Kerosinsteuer. Sie soll dafür sorgen, dass die Preise der anderen Verkehrsmittel wieder konkurrenzfähiger werden und der Luftverkehr nicht mehr so rasant zunimmt. Dennoch wird überall davon ausgegangen, dass in Zukunft das Flugzeug als Verkehrsmittel immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Vorbild ist Nordamerika. Dort verkehren im Moment noch doppelt so viele Inlandsflüge wie in Europa. Laut Umweltbundesamt ist nach Einführung einer Steuer auf Flugbenzin aber nur mit einer Verlangsamung der Entwicklung bei den touristischen Flügen zu rechnen. bei Flügen mit der Business Class gar mit kaum einer Veränderung da ein Preisanstieg um etwa 10 Prozent den Geschäftsreisenden, die immerhin etwa ein Drittel des Flugverkehrs ausmachen, noch längst nicht die Laune verdirbt.
Das große Problem bei der Kerosinsteuer sind aber nicht nur die recht geringen Lenkungseffekte. Den Befürwortern macht vor al-lem zu schaffen, dass die Steuer weltweit eingeführt werden müs-ste. Sonst würden die Flugge-sellschaften sogar Umwege in Kauf nehmen, um an steuerfreien Flughäfen aufzutanken.
Ökotourismus und Flugzeuge passen also nicht zusammen. Natürlich kommt man nun mal nicht mit dem Fahrrad nach Süd-amerika, um den Regenwald zu bestaunen, aber eigentlich ist es doch auch eine irre Idee, andauernd quer über den Globus zu jetten, Fotos zu schießen, ein paar interessante Gespräche zu führen, um dann den Freunden zu Hause von der bedrohten Natur dort zu erzählen, die sicher auch gar nicht wenig darunter leidet, dass kaum mehr einer sich die Frage stellt, ob es denn in Anbetracht der Umweltfolgen wirklich nötig ist, alles aus erster Hand zu konsumieren. Allerdings gibt es für Reisehungrige einen kleinen Trost: Wer doch fliegt, kann die 45.000 Liter Benzin, die ein Flug nach Südamerika pro Person verbraucht, ja anderswo einsparen.
Zurück
zum Inhalt von Juckreiz 30