Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(ko) Gewichtszunahme, Migräne, Thrombosen, Herzinfarkt, Schlag-anfall und vielleicht sogar Krebs... Jede (und fast schon jeder) weiß von den Risiken der Pille und niemanden verwundert es zu hören, dass die kleine Unscheinbare das Verhütungsmittel Nummer 1 in Deutschland ist. Seltsam, da sich die Bevölkerung immer mehr von Aids bedroht fühlt, doch Kondome? Viel zu umständlich. Außerdem kann dieses ja platzen. Doch ob das Wunderheilmittel für sorglosen Sex wirklich so bewundernswert ist, bleibt zu bezweifeln.
Nicht nur aufgrund „bequemer“ Verhütung nehmen viele Frauen die Antibabypille. Die Wirkung gegen Akne, unregelmäßige Blutungen, Schmerzen während der Periode, verstärkte Kopfbehaarung und eine Verminderung der Körperbehaarung machen sie auf den ersten Blick attraktiv. Außerdem gilt sie erwiesenermaßen als das sicherste Verhütungsmittel. Entstanden ist das kleine Ding vor fast 50 Jahren, als der Chemiker Djerassi ein Hormon zur Empfängnisverhütung herstellte. Von da an war das Medikament das beliebteste Gesprächsthema auf Partys.
Frauenärzte scheinen von Nebenwirkungen der Pille meistens nichts zu wissen. Häufig drängen sie ihre Patientinnen fast zum Pillenkonsum. Treten nach der Einnahme Nebenwirkungen auf, wird sofort das passende Gegenmedikament verschrieben. So nehmen viele Frauen nach mehreren Jahren Pillenkonsum zusätzlich Schilddrüsenhormone – die wiederum Nebenwirkungen aufweisen. Schon mit der Einnahme der ersten Pille ist das Hormonsystem gestört; es arbeitet nicht mehr selbstständig. Der Effekt kann auch eine Störung der Schilddrüse sein, die Folgen: Schilddrüsenknoten, Schilddrüsenüberund -unterfunktionen und Schilddrüsenvergrößerungen. So wurde auch im Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin bestätigt, dass die Pille in in der Pubertät brüchige Knochen verursacht. Der Körper eines Mädchens bildet in dieser Zeit besonders viel Knochen, um einer späteren Schwangerschaft ausreichend Kalzium zur Verfügung zu stellen. Das Hormon Östrogen lässt den Körper nun glauben, die Pubertät sei abgeschlossen und er könne den mühevollen Knochenaufbau endlich abbrechen. Spätestens während der Stillzeit wird er die Folgen jedoch zu spüren bekommen. Frau hört von vielen Fällen, doch gefährdet fühlt sich kaum eine. „Die ganze Schwangerschaft über hatte ich Heißhunger auf Tomatensaft. Als mein Sohn mit einer Gaumenspalte geboren wurde, stellte man einen Folsäuremangel fest. Ich hatte zu lange die Pille genommen, ca. 15 Jahre lang“, erzählt eine Mutter, deren Kind heute als schwerbehindert gilt. Folsäuremangel, durch die Pille verursacht, kann in der Schwangerschaft bis zu einer körperlichen Behinderung des Kindes führen. Daher wird auch Frauen, die in ihrem Leben ohne Pillenkonsum auskamen, geraten, zusätzlich zur Nahrung Folsäure einzunehmen.
Und natürlich leidet auch die Umwelt: In Gewässern werden zunehmend hormonell aktive Chemikalien entdeckt, die zu ei-nem großen Teil auf die Antiba-bypille zurückzuführen sind. So sind über das Trinkwasser auch Frauen betroffen, die nicht die Pille nehmen auch wenn die Konzentrationen derzeit noch sehr gering sind. Es wurden Stö-rungen der Fruchtbarkeit, Ge-schlechtsumwandlungen bei Tie-ren, Entwicklungsstörungen bei Kindern und Schädigungen des Fötus im Mutterleib festgestellt. Es gibt Gewässer in Berlin, in denen 70 Prozent der weiblichen Fische durch Hormone gestört sind. Die Auswirkungen sind wie immer erst nach langer Zeit feststellbar.
Heute ist das Thema Pille und Verhütung nicht mehr besonders relevant. Seit auch Aids in Europa keine große Bedrohung ist, sehen die meisten Menschen (Männer wie auch Frauen) die Pille als selbstverständlich an. Auch der Pillenerfinder Djerassi hat sich einem neuen Thema, der künstlichen Befruchtung, zugewandt. Nachdem er ein Mittel geschaffen hat, mit dem Sex kein Leben mehr schafft, schreibt er nun in Theaterstücken und Romanen über die neue Errungenschaft, Leben zu erschaffen ohne Sex. Mit Begeisterung sieht er schon die Zeit, in der Verhütungsmittel vollkommen unnötig sein werden, da sich Menschen sterilisieren lassen werden und ihre Spermien und Eier in einer Bank auf Eis legen. Keine (reiche) Frau im Alter wird so noch Probleme beim Schwangerwerden haben. Sie kann den Kinderwunsch ideal in ihre Karriereplanung mit einbeziehen, und die Antibabypille wird der Geschichte angehören.
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