Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
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Zwölf vor Fünf
Denk mal.
Was ist dran am Jahr des Ökotourismus?
Nie wieder nach Mallorca und Co.!
(mn) Sommer, Sonne, Strand, Meer: So oder so ähnlich stellen sich immer mehr
Menschen ihren Urlaub vor. Noch Anfang des 20. Jahr-hunderts war das anders.
Damals reiste vornehmlich die reiche Oberschicht, und das auch unter anderen
Gesichtspunkten. So galt eine Reise durch Italien auf den Spuren Goethes durchaus
als spannend. Heute steht die Erholung im Vordergrund. Tourismus für die Massen,
so wie wir ihn heute kennen, gibt es erst seit den 50er und 60er Jahren des
letzten Jahrhunderts. Die Nachteile, dies er mit sich bringt, sind bekannt.
Hotelburgen verunstalten die einst schönen Landschaften, Abwässer werden ins
Meer geleitet, der immer stärkere Ausbau von Ski-Gebieten erhöht die Lawinengefahr.
Ändert sich nicht bald etwas, droht eine ökologische Katastrophe am Mittelmeer.
Nebensachen aus Peking: Wundersamer Orient
Wollt Ihr wissen, was so zauberhaft an Peking ist? Es ist das völlig wirre Leben.
Gerade geht das Frühlingsfest zu Ende. Die Luft ist staubig und trocken, und
auf den Strassen drängeln sich die Ausflügler, Spaziergänger und vielleicht
auch Taschendie-be um die Stände der Tuschezeichner, Rohrzuckerverkäufer, Drachenbauer
oder Holzschnitzer. Tee, bunte traditionelle Klei-dung, Musikinstrumente, geröstete
Schmetterlingsraupen (oder so was), kandierte Erdbeeren am Spieß unter geschwungenden
Dächern und Hochhäusern. Man kann in jeder Sekunde zwei Fotos machen und wird
nicht ein Bruchteil des Lebens auf die Bilder bekommen. Die Händler sind eifrig,
flink und natürlich auch ein bisschen listig. Kommt man an auch nur in ihre
Nähe, wird man gleich gebeten, sich alle Waren anzusehen. „Ni kan, ni kan, Schauen
Sie doch. Schauen Sie doch. Wie wär’s mit diesem hier?“ – „Zu teuer.“ – „Zu
teuer, das ist gute Ware..., geb’s Ihnen ein bisschen billiger!“ Ist das ihre
Armut, ihr Temperament oder ihre Lebenseinstellung? Sie loben des Käufers Ge-schmack,
packen es vorsichtig ein und begleiten einen fast ein Stück des weiteren Weges.
„Man zou, man zou. Gehen Sie langsam, gehen Sie langsam...“
Gegen das Bahn-Sterben: Schneller und billiger
nach Rostock und Gera
(sp) Das freut alle, die die Zentralstelle zur Vergabe von Studi-enplätzen aus
der Hauptstadt an die Ostsee verbannt hat: Seit dem 1. März hat die Deutsche
Bahn AG auf der Strecke Gera –Berlin – Rostock Konkurrenz bekommen. Ein „InterConnex“
der deutsch-französischen Connex-Gruppe fährt einmal täglich hin und zurück
– die erste innerdeutsche Fernverbindung, die ein anderes Unternehmen als die
Deutsche Bahn AG betreibt. Highlights: Der Zug ist je nach Streckenabschnitt
etwas bis erheblich schneller als die DB-Züge, und die Fahrkarten kosten nur
rund die Hälfte des DB-Tarifs. Eine Ausweitung des Angebots auf andere Strecken,
die die Deutsche Bahn AG aufgegeben hat oder aufgeben will, ist angedacht.
Umweltverbände starten Aktion an Brandenburger
Schulen: Recyclingpapier soll wieder in die Schulen
„Wir setzen Zeichen – Schulen pro Recyclingpapier“. Unter die-sem Motto haben
UmweltschützerInnen Ende Februar im Potsda-mer Espengrund-Gymnasium die ersten
16 Schulklassen ausge-zeichnet, die sich verpflichtet haben, ausschließlich
Recyclingpapier zu verwenden. Die Aktion wird getragen von der „Initiative 2000
plus Schulmaterialien aus Recyclingpapier“, zu der sich in Brandenburg auf
Anregung von Robin Wood mehrere Umweltverbän-de sowie die Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft zusam-mengeschlossen haben. Die Schirmherrschaft haben das
Umwelt-bundesamt sowie der Brandenburgische Umweltminister Wolfgang Birthler
übernommen. Ziel der Aktion ist es, mindestens 250 Schul-klassen dafür zu gewinnen,
auf Recyclingpapier umzusteigen.
Bundesverfassungsgericht entscheidet:
Wehrpflicht scheint auch in Deutschland am Ende
(sp) Männliche junge Deutsche können aller Wahrscheinlichkeit demnächst aufatmen:
Noch vor dem 10. April will das Bundesverfas-sungsgericht seine Entscheidung
bekanntgeben, ob die Wehrpflicht mit dem Grundgesetz in Konflikt steht. Dem
höchsten Gericht liegen mehrere Verfassungsbeschwerden sowie Vorlagebeschlüsse
des Landgerichts Potsdam und des Amtsgerichts Düsseldorf vor, die die Wehr-pflicht
für verfassungswidrig halten. Angesichts der Tatsache, daß der Bundeswehr viel
mehr junge Männer für den Kriegsdienst zur Verfügung stehen als benötigt werden,
sieht es so aus, daß die „Wehr-gerechtigkeit“ dem Zwangsdienst den Garaus machen
wird.
Neues Hochschulrahmengesetz: Bundesregierung
lässt Studiengebühren zu
Die Debatte um die Finanzierung der Hochschulen und damit ver-bunden um Studiengebühren
läuft seit Jahren. Auf der einen Seite die, die nach wie vor Bildung als ein
Grundrecht und daher als ein kostenlos vom Staat zur Verfügung stehendes Gut
ansehen. Auf der anderen Seite die, die Bildung losgelöst von einer gesellschaftlichen
Dimension nur als Chancensteigerung am Arbeitsmarkt sehen und dafür Gebühren
fordern. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung von 1998 haben SPD und Grüne
die „Gebührenfreiheit des Studiums“ als Ziel vereinbart. Nun liegt ein Hochschulrahmengesetz
vor, das sich in dieser Frage überhaupt nur auf das Erststudium bezieht.
Wohin mit den ganzen Steuermilliarden?:
Der Transrapid darf’s noch mal versuchen
(ne) Da ist er wieder, der Transrapid. Nachdem die Strecke von Hamburg nach
Berlin, auch unter Mithilfe einer erfolgreichen Berliner Volksinitiative, im
Februar 2000 endgültig zu den Akten gelegt wurde, soll die Magnetbahn jetzt
als Luxus-S-Bahn zwischen Düsseldorf und Dortmund oder von der Münchner Innenstadt
zum Flughafen fahren. Damit ja keine Zweifel aufkommen, dass es mit den beiden
Strecken auch seine Richtigkeit hat, wurden Machbarkeitsstudien produziert –
und kurz vor Veröffentlichung verändert.
Das Jahr des Öko-Tourismus ist
eröffnet: Und wohin soll’s in diesem Urlaub gehen?
(mn) Im Idealfall kann Ökotourismus die Chance bieten, Natur effektiver
zu schützen. Durch sanftes Erschließen von naturbe lassenen Regionen besteht
die Möglichkeit, das Geld, das Öko touristen ausgeben, auch für weitere Schutzmaßnahmen
und ökologisch sinnvolle Erschließungen einzusetzen. Es besteht eben-falls die
Chance, dass die in den Regionen verdienten Gelder auch vor Ort bleiben und
nicht an riesige Tourismus-Unterneh-men, die meist im Ausland sitzen, gehen.
Das Gute am Ökotourismus: Vom
Walhaifang zum Walhaitourismus
Schonender Umgang mit der Natur, Kontakt zu den Einheimischen und Kennenlernen
der fremden Kultur. So oder so ähnlich soll Ökotourismus aussehen.
Billig, aber böse: Mit dem Flugzeug geht’s
nicht in die Öko-Ferien
(ne) „In die Ferien fliegen“ – eine Vorstellung, die bis in die 60er Jahre für
normal begüterte Leute noch völlig undenkbar war. Doch mit der Einführung der
ersten Jets und Großraum-flugzeuge ist das Fliegen immer billiger und alltäglicher
ge-worden. Umweltfreundlicher wurde es deshalb nicht. Ein Flug von München nach
New York verbraucht pro Flugreisenden so viel Sprit wie ein durchschnittlicher
Autofahrer im Jahr verfährt – das sind 4,5 Liter Kerosin pro Person und Kilometer,
eine ungeheure Belastung für die Umwelt. Reisen mit dem Flugzeug hat also nichts
mit umweltfreundlichem Tourismus zu tun.
Antarktis vom Massen-Ökotourismus bedroht
(az) Während 1991 – 1992 noch 4.800 Touristen die Antarktis besichtigten, waren
es 2000 – 2001 schon 12.248, also mehr als doppelt so viele. Mehr als 100 neue
Orte wurden dem Tourismus zugänglich gemacht; größere Mehrzweck-Boote anstatt
der tradi-tionellen kleinen Boote, Flugzeuge für den Transport zwischen den
Kontinenten, sogar „Hotel“-Anlagen auf dem Festland werden dis-kutiert. Der
Tourismus in die Antarktis ist ein lukratives Geschäft geworden und wird zunehmend
von großen Unternehmen anstatt kleinen Reiseveranstaltern beherrscht. Für die
Saison 2005 – 2006 werden bereits mehr als 29.000 Touristen vorhergesagt.
Entwicklungsdienste: Anstrengende
Arbeit und internationale Freunde
(ko) Viele träumen davon, einmal in ihrem Leben nach Afrika, Asien oder Lateinamerika
zu gehen. Viele realisieren ihren Traum: Ab ins Reisebüro und eine Pauschalreise
gebucht! Viele haben Glück und landen auf einem der wärmsten Plätze der Welt,
an einem der saubersten Strände der Welt, um die preisgünstigsten, „exotischsten“
Mähler zu verspeisen. Sicher ist die-se Art von Erholung nicht mit dem Solarium
nebenan und dem Karibikposter an der Schlafzimmerwand zu vergleichen, doch noch
weniger vergleichbar wäre ein Auslandsaufenthalt in Form eines Entwicklungsdienstes.
Schon mal gewwooft?
Wwoof (willing workers on organic farms) ist eine internationale Organisation,
durch die man gegen Kost und Logis für wenigstens zwei Tage auf einem Bauernhof
oder Gartenbaubetrieb mitarbeiten kann. Dies bietet einem die Möglichkeit, Einblicke
zu erhalten und gleichzeitig mal raus aufs Land zu kommen. Man erhält eine Vorstellung
davon, wo unsere Nahrung herkommt und wie sie produziert wird. Die Organisation
wurde 1987 nach einem britischen Vorbild gegründet. Verantwortlich für die Vorbereitung
und Planung deines WwoofUrlaubs bist Du selber Für 18 Euro wirst zum einen Mitglied,
zum anderen gibt es ein Buch, in dem sämtliche Wwoof-Höfe und Betriebe in Deutschland
und im Ausland aufgelistet sind. Da kannst Du Dir dann einen aussuchen und direkt
und mit den Leuten vor Ort in Kontakt treten. www.wwoof.de
Blickpunkt Biopiraterei: Die Gefahren
des „Neuen Tourismus“
(az) Der britische Umweltschützer Chris Lang war schockiert, als er 1993 an
einer Forschungsreise nach Vietnam teilnahm. Diese Expedition war Teil des Programms
Frontier und wurde von der gemeinnützigen Organisation Society for Environmental
Exploration (Gemeinschaft für Umwelterforschung – SEE) veranstaltet. Während
der zehnwöchigen Expedition sammelten die Teilneh-merInnen ohne Erlaubnis der
Parkverwaltung die verschieden-sten Pflanzenund Insektenarten in den Wäldern
des Tam Dao Natur Reservats und des Ba Be Nationalparks und führten sie anschließend
in ihre Heimatländer aus.
Ziviler Ungehorsam gegen Abschiebungen:
Wenn „Schüblinge“ im Ferienflieger sitzen
(az) Manche besteigen das Flugzeug gefaßt, manche sind willen-los – gelegentlich
stehen sie unter dem Einfluß ihnen verabreichter Beruhigungsmittel – manche
weinen, manche wehren sich, schreien, versuchen sich auf den Boden zu werfen,
zerren an ihren Fes-seln. Sie alle haben erfolglos Asylanträge gestellt und
werden nun gezwungen, Deutschland zu verlassen.
Ökoführerschein: Frische Farbe
für Jugendumwelt-Seminarreihe
(sp) Frisch renoviert geht die Jugendumwelt-Seminarreihe Öko-führerschein in
ihren zwölften Berliner Jahrgang: Das Orga-Team hat die Themen des „Kurses für
den Durchblick“ vollständig über-arbeitet. Geblieben ist der Anspruch, eine
„Alltagskompetenz“ zu vermitteln, also ein solides Grundwissen über alle wichtigen
Umweltthemen, kombiniert mit diversem „Handwerkszeug“ wie Rhetorik und Öffentlichkeitsarbeit.
Und natürlich ist Frontal-Un-terricht weiterhin out, statt dessen gibt es eine
bunte Mischung aus Exkursionen, Gruppenarbeit, Versuchen und Referaten, die
den Spaß-Effekt nicht zu kurz kommen läßt.
Zum ersten Mal „Medien selber machen“:
Von Reportagen, Recherchen und rauchenden Köpfen
(fp) Bei frostigen Außentemperaturen weit unter Null sitze ich auf einer gemütlichen
Couch und trinke heißen Tee. Allmählich trudeln weitere Jugendliche ein, bis
Spitti verkündet: „Wir sind vollzäh-lig!“ Na, dann kann es ja losgehen!
SchulUmweltMOderatorInnen
(SUMO) für Berliner Schulen gesucht
Einmal im Leben SUMO sein, heißt nicht in ein Trainingslager für japanische
Kampfringer zu fahren, sondern ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei
der BUNDjugend Berlin zu beginnen. Wer Interesse an Umweltund Naturschutz
hat, gern mit Jugendlichen zusammenarbeitet, zwischen 16 und 26 Jahren alt ist
und ein Jahr Zeit hat, ist der perfekte SUMO.
Für Jugendliche: Umweltadressen in Berlin
Die Zusammenstellung der uns bekannten Jugendumweltinitiativen in Berlin.
Neuntes JugendMedienCamp: Zum neunten
Mal mit der Technik in die Pampa
„Mit der Technik in die Pampa“ – unter diesem Motto findet auch in diesem Jahr
das neunte JugendMedienCamp (JMC) statt. Vom 17. bis 21. Mai werden 200 SchülerzeitungsredakteurInnen,
junge Radiound VideomacherInnen den idyllischen Zeltplatz Kratze-burg (bei
Neustrelitz) in eine riesige Zeltstadt verwandeln und alles produzieren, was
irgendwie mit Medien zu tun hat.
Lesestoff: Bücher
Wir stellen Euch wie immer einen Haufen interessante Bücher vor.
Nebenwirkungen der Pille: Pille schon geschluckt?
Am besten wieder ausgespuckt!
(ko) Gewichtszunahme, Migräne, Thrombosen, Herzinfarkt, Schlag-anfall und vielleicht
sogar Krebs... Jede (und fast schon jeder) weiß von den Risiken der Pille und
niemanden verwundert es zu hören, dass die kleine Unscheinbare das Verhütungsmittel
Nummer 1 in Deutschland ist. Seltsam, da sich die Bevölkerung immer mehr von
Aids bedroht fühlt, doch Kondome? Viel zu umständlich. Außerdem kann dieses
ja platzen. Doch ob das Wunderheilmittel für sorglosen Sex wirklich so bewundernswert
ist, bleibt zu bezweifeln.
Unser Umgang mit Dingen und Geld: Es gibt
nichts umsonst! Oder vielleicht doch?
(go) Von klein auf lernt man, dass es nichts umsonst gibt. Neulich fiel mir
aber ein Flyer in die Hand, auf dem stand, dass der erste Umsonstladen in Berlin
am 10. Dezember 2001 eröffnet wurde. –Was ist denn ein Umsonstladen? Ich wurde
neugierig. Kann man da umsonst einkaufen? Heißt das dann überhaupt noch einkaufen?
Ich ging in die Brunnenstraße 183 und betrat den Laden, um mich ein wenig umzusehen.
Schön geräumig. Eingeteilt in Haushalts-waren, Elektrogeräte, Körperpflege,
Schuhe und Kleidung, wie in einem Secondhand-Shop. Nur dass man die Waren einfach
mit-nehmen darf. Mir gefiel eine Kerze, und einen Schreibblock kann ich auch
immer gut brauchen. Soll ich vorher fragen, ob ich die Dinge mitnehmen darf,
oder kann ich sie mir einfach einstecken?
Terminkalender
Die Veranstaltungen der Jugendumweltgruppen in Berlin und Umgebung, regelmäßig
aktualisiert.
Die Papierausgabe könnt Ihr bestellen: ein Juckreiz-Probeexemplar oder ein Juckreiz-Abo. Oder in Schulen, Unis, Bibliotheken u.v.a. finden.