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Klimaschutz von vorgestern

Letzte Rettung für Atomkraft

(ne) Die Welt scheint auf dem Kopf zu stehen, Windkraftanlagen schießen wie Pilze aus dem Boden und ein grüner Umweltminister verkündet stolz das beschlossene Ende der Atomenergienutzung, – zumindest in Deutschland und auch erst in 30 Jahren, aber es ist erstmal raus. Schon allein das eigene Ehrgefühl und der Selbstschutz vor Skrupeln, verbietet es den Atomforschern sich ihr Scheitern einzugestehen. Statt nach 40 Jahren Atomenergienutzung endlich mal ernsthaft zu überlegen, was denn mit dem ganzen strahlenden Müll passieren soll, holen sie zum Gegenschlag aus.

Hilfreich bei den logischen Pirouetten, die die bisher 70 000 Toten von Tschernobyl, die weltweit ungeklärte Atommüllfrage, die Gefahr des Missbrauchs von radioaktiven Stoffen und die ungeklärten gesundheitlichen Folgen des Normalbetriebs von Atomkraftwerken vergessen machen sollen, ist der Klimawandel. Der hängt wesentlich mit dem extrem hohen CO2 Ausstoß der Industrieländer zusammen, CO2 entsteht immer dann wenn Öl, Kohle oder Gas verbrannt werden.

Glaubt man den Prognosen der Kernkraft-Fundis dann schlägt jetzt erst die große Stunde der Atomkraft, bei der Kernspaltung selbst entsteht nämlich kein Kohlendioxid. Stolz rechnet zum Beispiel der Sprecher des Deutschen Atomforums vor wie durch die Nutzung der Kernenergie im Moment, weltweit pro Jahr 2 Mrd. Tonnen CO2 eingespart werden.

Zum Gipfel in Johannesburg machten die Vertreter der Atomindustrie dann auch mit der Forderung auf sich aufmerksam, zur Lösung der weltweiten Energiefrage doch einfach noch mehr Atomkarfwerke zu bauen. Laut Prognosen werden die fossilen Energieträger in nicht allzu ferner Zukunft zur Neige gehen, alledings nicht ohne das Weltkilma bis dahin schwer zu beschädigen.

Damit die besagten Lichter nicht ausgehen, sollen dann 40% der weltweit erzeugten Energie, im Gegensatz zu jetzigen 10%, aus Atomkraftwerken stammen. Um das Klimaschutzziel in Deutschalnd zu erreichen, bis zum Jahr 2050, 80% weniger Treibhausgase zu produzieren, müssten laut einer von CDU und FDP beauftragten Studie etwa 40 neue Reaktoren gebaut werden. Das dies schon allein politisch nicht durchsetzbar wäre sahen die Energiexperten der CDU dann auch schnell ein.

Trotzdem ist die Marschroute der Atom-Befürworter klar: Atomkraft ist sicher, Tschernobyl sei eine Ausnahme und gegen den Klimawandel helfen nur Technologien von Vorgestern.

Da aber etwa 20% des CO2 weiterhin im Strassenverkehr und der Luftfahrt entsteht, gibt es neuerliche Probleme, – als Lösung bietet sich hier natürlich auch die Atomkraft an. In Kombination mit der Brennstoffzelle, könnten Autos in Zukunft CO2-frei erzeugten Wasserstoff tanken, für diesen Fall müssten in Deutschland dann allerdings nochmal 40 Atommeiler ans Netz gehen.

Freudig verkündet die Atomlobby, die weltweiten Uranvorräte würden vorraussichtlich noch über 80 Jahre reichen, was sich bei genauerem Hinsehen als Eigentor entpuppt. Denn vervierfacht man die Zahl der Atommeiler, dann halten die Vorräte plötzlich nur noch 20 Jahre, das jedenfalls geben die Autoren von www.energiekrise.de zu bedenken, die gleichzeitig auch darauf hinweisen, daß natürlich kein Weg daran vorbeiführt die fossilen Energiequellen (also auch Uran) durch regenerative zu ersetzen. – Warum also nicht gleich damit anfangen?

Die Atomlobby wäre allerdings nicht die Atomlobby wenn sie für dieses Problem nicht auch eine Lösung hätte. Der Schnelle Brüter, mittlerweile in Deutschland besser bekannt als Kern-Wasser-Wunderland Freizeitpark in Kalkar, soll trotz erheblicher Sicherheitsprobleme wieder aus der Mottenkiste geholt werden. Durch die Brütertechnologie lässt sich der Uranbedarf um das sechzigfache verkleinern, allerdings entsteht nebenbei in grossen Mengen waffenfähiges, hochgiftiges Plutonium. – Abfall, der über Jahrtausende vom Menschen abgeschirmt werden muss, wenn ihn nicht vorher jemand verwendet um Atombomben herzustellen. Mit dem schnellen Brüter sollen also letztenendes alle Energieprobleme der Welt gelöst werden.

Bedenkt man, daß selbst die Schätzungen der Atomkraftbefürworter von einem schweren Unfall alle hunderttausend Reaktorjahre ausgehen, dann rückt dieser bei vielen hundert Reaktoren, die in Betrieb gehen müssten in bedenkliche Nähe, alle 50-100 Jahre würde dann statistisch gesehen ein schweres Reaktorunglück passieren.

Auch Afrika ist ins Visier der Kernkraft-Visionäre geraten, sie schlagen vor dem Kontinent mit kleineren Atomkraftwerken endlich den Zugang zu Elektrizität zu ebnen. – Nachdem sich die Bevölkerung der nördlichen Hemisphäre immer heftiger gegen die Atomkraft sträubt, hofft man anscheinend in Afrika auf weniger Widerstand und auf weinger rigorose Vorschriften zu treffen.

Regenerative Energie und Energiesparmaßnahmen werden von der Mehrheit der Fachleute mittlerweile als der richtige Weg angesehen um der Welt eine saubere Energieversorgung, die nicht auf Kosten von künftigen Generationen geht, zu sichern. Natürlich muss auf dem steinigen Weg dahin der Strom irgendwoher kommen, solange sich dafür noch keine gute Lösung ankündigt, hilft eigntlich nur eins: Energiesparen.


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