Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(go) “Kaffee ist für uns mehr als ein Getränk – ein Erlebnis, ein persönliches Ritual, eine kurze Pause.“ Mit solch einem Slogan wirbt „Starbucks-coffee“, eine US-amerikanische Kaffeehaus-Kette, die seit kurzem auch Filialen in Berlin betreibt. Doch ein Blick weg vom Konsument: Wie geht es den Kaffeebauern? Für diese trifft der Slogan ebenfalls zu, aber im negativen Sinn...
Denn die Arbeit auf den Feldern ist ein anstrengendes „Erlebnis“ mit sehr geringer Entlohnung, ein „persönliches Ritual“, das täglich viele Stunden in Anspruch nimmt, und die Arbeits-Pausen sind auch nur kurz. Um an dieser Situation etwas zu ändern, gibt es für den/die KaffeegenießerIn die Möglichkeit, fair gehandelten Kaffee zu kaufen und sich den zu Hause zu kochen. Doch wenn man seinen Kaffee in einem Cafe-Ambiente mit Freunden trinken möchte, dann muss man meist auf sozial und öko verzichten. „Das soll sich ändern“, hat sich eine Gruppe junger Leute vorgenommen, die sich aus dem Kreis von Freiwilligen des ökologischen Jahres (FÖJ) und von Ehrenamtlichen vom Allerweltsladen La Tienda in Berlin-Friedrichshain zusammensetzt. Ziel ihres Kaffeeprojektes ist es, den fairen Handel populärer zu machen und in möglichst vielen Friedrichshainer Cafes fair gehandelten Biokaffee zu etablieren.
Zu zweit gehen sie in die Cafes und versuchen mit dem/der CafebesitzerIn ins Gespräch zu kommen. Gar nicht so leicht, denn diese sind vielbeschäftigt. Oft müssen die Leute von Kapro (so das Kürzel des Kaffeeprojektes) ein zweites und ein drittes Mal kommen. Hat ein Treffen geklappt, dann heißt es, Argumente auspacken und am besten auch die zur Auswahl stehenden Kaffeesorten, um gleich den Geschmack zu testen. Denn dieser muss ja schließlich überzeugen.
Um gewappnet zu sein vor den Fragen der CafebesitzerInnen (und kann man mit Eurem Kaffee auch Latte Macciato, Cafe Schümli, Ristretto, etc. herstellen? Wie funktioniert der faire Handel genau?) hat die Gruppe an einer Kaffeeschulung teilgenommen. Ein Vertreter für Großverbraucher der gepa (die gepa ist ein Fairhandelshaus und handelt mit fairen Produkten wie Kaffee, Tee, Schokolade, Handwerkswaren) erklärte an zwei Abenden alles rund um den Kaffee, von Mahlgraden über die Säure und den Körper des Kaffees, bis hin zu verschiedenen Röstverfahren. Am Ende bereiteten sich die Jugendlichen in Rollenspielen auf die Cafebesuche vor.
Doch was sollte schon schief gehen?, denn alles in allem gehört der fair gehandelte Biokaffee der gepa zu den qualitativ besten Kaffees (Arabicabohnen aus dem Hochland, langzeitgeröstet) und aus ökologischer und sozialer Sicht besticht er allemal (Mindestlohn für die Bauern und garantierter Abnahmepreis, der 10-50% über dem Weltmarktpreis liegt, Förderung von Projekten im Bildungs- und Gesundheitsbereich, vollständiger Verzicht auf Pestizide und Kunstdünger, Maßnahmen gegen Bodenerosion).
Aber so einfach ist es nicht. Auch wenn Kapro mit solch überzeugenden Argumenten anrückt, stoßen die AktivistInnen dennoch an manche Grenzen. Konventionelle Kaffeefirmen binden die Cafes teilweise mit langjährigen Verträgen an sich, die einen Kaffeesortenwechsel sehr umständlich machen. Dafür warten diese Firmen auch deren Kaffeemaschine, liefern das Geschirr und natürlich den Kaffee, den sie preislich je nach Konkurrenzsituation (die in Friedrichshain bei der Cafeansammlung durchaus gegeben ist) auch günstiger abgeben können als beispielsweise die gepa, weil deren Preisspanne nicht so variabel ist. Dennoch kann der fair gehandelte Biokaffee für den Großverbraucher preislich manchmal mithalten.
Fair gehandelter Bio-Kaffee für den Hausgebrauch ist zwar in der Tat teurer als der konventionelle, dessen Preis ins Bodenlose sinkt, aber für Großverbraucher verhält es sich ein bisschen anders. Denn Cafes achten in der Regel schon darauf, dass ihre Gäste einen guten Kaffee vorgesetzt bekommen, und dieser kostet eben seinen Preis, auch wenn er nicht aus fairem Handel stammt. Auch ist die Gewinnspanne der gepa nicht so hoch wie bei konventionellen Händlern, und zum anderen bezieht sie den Kaffee direkt bei Genossenschaften und umgeht somit den Zwischenhandel. So stellt der Preis also nicht zwangsläufig für alle Cafes ein Hindernis dar, ab jetzt fair gehandelten Biokaffee auszuschenken. Macht es sich doch auch gut, in der Getränkekarte mit fair&öko zu werben.
Die jungen Leute haben auch schon Erfolge aufzuweisen: Drei Cafes haben auf ihren Besuch hin die Kaffeesorte gewechselt. Außerdem wurde das Projekt mittlerweile auf andere Berliner Bezirke ausgedehnt, um noch mehr Cafes von fairem Handel zu überzeugen. Forciert wird der Erfolg nach Meinung von Kapro auch dadurch, wenn Cafegäste immer mal wieder nach fair gehandeltem Kaffee fragen. Also, beim nächsten Kaffeeklatsch in dem netten Cafe an der Ecke...
Genaueres über das Projekt erfahrt Ihr auf der Webseite www.kaffeeprojekt.de oder im Allerweltsladen La Tienda, Krossener Str. 20, 10245 Berlin, Tel.: 030/29 00 64 72. Das Projekt ist immer offen für neue MitstreiterInnen und Kontakte zu Cafes.
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