Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(sb) „Was ist das für eine Zeit, dachte ich, diese Anfangs-Aufbau-Zeit im Leben eines Menschen? (...) Ich fange an, mein Leben aufzubauen und frage mich: Was bauen denn die anderen 20jährigen so?“
Marie ist 20. Und wie viele in ihrem Alter weiß sie nicht genau, wie sie ihr Leben gestalten will. Sie möchte noch nicht in den ewigen Trott von Studium oder Ausbildung einsteigen, sie will mehr. Sie will andere 20jährige kennen lernen, die nicht in Deutschland leben und erfahren, was sie erwarten, welche Träume und Ziele sie haben. Es entsteht ein Konzept: acht Städte, acht Monate, einen für jede Stadt: Berlin, Havanna, Buenes Aires, San Francisco, Hanoi, Tbilisi, Jerusalem und Helsinki. So verschieden diese Städte sind, so unterschiedlich sind auch Maries Erlebnisse auf ihren einzelnen Stationen. Sonne und Kälte, durchgetanzte Nächte und einsame Tage, Antipathien und die große Liebe, all das lernt sie kennen – und muss es wieder verlassen. Und wer einmal die Nacht in einer Milonga in Buenes Aires verbracht hat, weiß, wie schwer der Abschied fällt. Wer einmal spürte, dass die Kälte Helsinkis warm wurde, will sie nicht mehr missen. Maries Erlebnisse sind mehr als eine Geschichte über Suchen und Finden. Sie zeigt nicht nur Träume und Lebenssituationen. Sie unternimmt den Versuch, eine Generation zu verstehen.
Marie Pohl: Maries Reise, Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, 14,90 Euro
(sb) Lelle ist fünfzehn und lebt mit ihrer Schwester Cotsch und ihren Eltern in einem netten Haus in einer ruhigen Gegend. Auch sonst läuft nicht gerade alles so, wie sie es sich wünscht. Ihre Mutter ist überfürsorglich, obwohl Lelle und die 16jährige Cotsch gerne darauf verzichten würden. Dafür putzt ihr Vater als Beitrag zum Familienleben höchstens mal die Schuhe, aber das sehr ausdauernd. Im Keller. Nachts. Kein Wunder, dass ihre Mutter dafür Trost bei Rita sucht, was Cotsch aber als intimes Verhältnis missversteht. Cotsch hat ja auch bei Jungen keine Probleme, anders als Lelle, die nichts gegen ein intimes Verhältnis mit ihrem Nachbarn hätte, den ihre Eltern für einen Stricher halten. Aber schließlich reden ihre Eltern ja auch nur „den allerletzten Müll, den man seit dem Urknall gehört hat.“
Alexa Henning von Langes Roman „Ich habe einfach Glück“ schildert die Erlebnisse einer typischen Antiheldin. Sehr rasant geschrieben erzählt sie das Leben ihrer Protagonisten, bei der die Geschichte ausnahmsweise mal anders ausgeht.
Für alle, die wissen wollen, was davor passiert, gibt es „Lelle“. Eigentlich ein Kinderbuch, doch nur selten findet man in dieser Gattung eine so authentische Geschichte und dazu noch selbstgemalte Bilder. 22 kleine Erinnerungen aus dem Alltag eines Kindes, das nicht als Wonneproppen durch eine rosarote Welt läuft. „Lelle“ ist nicht nur für Kinder, sondern auch für alle, die Kinder verstehen möchten – oder es zumindest versuchen. Es lohnt daher, sich das Buch auszuleihen, wenn man es der kleinen Cousine schenkt.
Alexa Henning von Lange: „Ich habe einfach Glück“, Rogner & Bernhard, 12,75 Euro und „Lelle“, 15 Euro
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