Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(cm) Potentielle Selbstmörder aufgepasst: Paris ist geradezu gemacht für ein friedfertiges Ableben. Ihr werdet denken, „Ach ja, der Eiffelturm“, ist zwar sicher auch stilvoll, aber bei 300 Meter freiem Fall liegen die Überlebenschancen bei ungefähr 0,001 Prozent, viel zu unsicher also für den ambitionierten Suiziden.
Eine hundertprozentige Sterbensgarantie liefert dagegen der Pariser Stadtverkehr. Nicht nur das; die Arten zu sterben sind dort auch noch derart vielfältig, dass Kenner der Szene diese Stadt als Geheimtipp handeln. Als Fußgänger wird man erwartungsgemäß überfahren, sobald man es wagt bei „grün“ die Straße zu betreten. Sollte man, entgegen aller Statistiken, nicht sofort überfahren werden, sondern nur unter der Achse landen, ist dies kein Problem, denn das nächste Fahrzeug fährt garantiert versetzt. Dies liegt sicherlich an der Mentalität der Franzosen, die sehr individuell bleiben möchten, und deswegen versucht der Jaques-Normalverbraucher es möglichst zu vermeiden genau hinter dem Vordermann zu fahren. Für Motorradfahrer bietet sich zwischen den Fahrzeugen ein Labyrinth, das seines gleichen sucht. Und wem es zu bunt wird, der kann ja immer noch auf die Gegenfahrbahn ausweichen.
Wem durch einen Peugeot platt gemacht werden nicht brutal genug ist, der kann alternativ auch verhungern. Nämlich als Autofahrer auf der Suche nach einem Parkplatz vor einem Restaurant (ich garantiere, dass es in ganz Paris keinen freien Parkplatz gibt). Denn wenn ein Pariser einen Parkplatz für sein Auto gefunden hat, verlässt er ihn nie wieder. Was ja auch nicht möglich wäre, da die Vehikel alle Stoßstange an Stoßstange parken. Über die Autos, die auf der Straße fahren, habe ich folgende Theorie entwickelt: Es muss sich hierbei um Statisten handeln, welche vom Staat bezahlt werden, um Suizidtouristen in die Stadt zu locken.
Wer als unmotorisierter Lebensmüder anreist, und den Tod als Fußgänger sucht, findet ihn bei den Zebrastreifen. Denn selbst wenn es drum herum freie Parkplätze gäbe, würde sich der Franzose nie dazu herablassen irgendwo anders zu parken. Der Zebrastreifen als Parkplatz ist für die Pariser ein Statussymbol, wie eine Luxusyacht oder ein riesiger Harem für andere.
Auch seien noch die als Hundehaufen getarnten Tretminen erwähnt, die den Pariser Bürgersteigen ihre typische braune Farbe verpassen. Die Unmöglichkeit, in Paris saubere Schuhe zu behalten, ist mathematisch bewiesen und hat bereits mehrere Tausende eifriger Studenten in Doktorränge befördert.
Eine ebenfalls schöne, aber langwierige Art zu sterben liegt in den Kreisverkehrsanlagen begraben. Wer dort einmal reinfährt ,wird von den unerbittlichen Pariser Verkehrsstatisten in die Mitte gedrängt, aus der es kein Entkommen gibt, und dann kann man fröhlich bis an sein (möglichst schnelles) Lebensende im Kreis fahren.
Die aus dem Verkehr resultierenden Abgase sind höchstwahrscheinlich dem allgemeinen Wohlbefinden auch nicht gerade zuträglich, was ja nur in Ihrem Sinne sein kann, geehrter Selbstmörder.
In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Ableben.
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