Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(sp) Wer hätte sich das noch vor wenigen Monaten träumen lassen: Aldi ohne Dosen! Ein gutes Jahrzehnt nach ihrer Einführung erreicht die Verpackungsverordnung auch im Bereich der Getränkeverpackungen endlich ihr eigentlich erstes Ziel – die Vermeidung von Abfällen. Viele Händler haben aus dem seit 1. Januar geltenden Pflichtpfand für zahlreiche Getränkedosen und Einwegflaschen ihre Konsequenzen gezogen und ihr Angebot umgestellt. Die anderen müssen jetzt auf jede Dose 25 Cent Pfand erheben – und riskieren hohe Bußgelder, wenn sie es nicht tun. Denn Umweltverbände und Getränkehändler zeigen schwarze Schafe an.
Seit diesem Jahr besteht die Pfandpflicht für Getränkeverpackungen endlich nicht mehr nur auf dem Papier. Hintergrund: Die 1991 unter dem damaligen Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) eingeführte Verpackungsverordnung sah zwar bereits eine Pfandpflicht für alle Einweg-Getränkeverpackungen vor. Die umweltfreundlichen Mehrwegsysteme sollten dadurch geschützt werden.
Doch die Industrie setzte ihr genehme Ausnahmen durch: Solange ein Recyclingsystem bestimmte Anforderungen erfüllt, entfällt die Pfandpflicht. Das Duale System Deutschland mit seinem Grünen Punkt war geboren.
Früher hatten die Herrscher über die gelben Tonnen damit zu kämpfen, daß sie zuwenig Müll einsammelten oder verwerteten. Jetzt kam eine andere Vorschrift zum Tragen: Wenn der Anteil der in Mehrweg abgefüllten Getränke dauerhaft unter 72 Prozent fällt, hilft auch eine sehr hohe Recyclingquote nicht mehr.
Die Einweg-Industrie verließ sich darauf, daß die Bundesregierung schon umkippen würde, wenn es ernst würde. Doch die CDU/CSU blockierte die von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) geplante Änderung der Verordnung – tund die massenweisen Klagen der Einweg-Firmen scheiterten vor Gericht (siehe Chronik auf Seite 14).
So gibt es jetzt das Pfand. Wer sich als Händler nicht dran hält, riskiert hohe Geldbußen. Die Deutsche Umwelthilfe (www. duh.de) hilft jetzt nicht nur der Umwelt, sondern auch den Behörden: BürgerInnen sind aufgefordert, Testkäufe zu machen und schwarze Schafe zu melden. Die werden dann angezeigt. Auf daß auch sie Dosen rauswerfen.
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