Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(sb) Mitten im australischen Busch soll ab 2006 das weltweit höchste Gebäude stehen. Ein 1000 Meter hoher Koloss, umgeben von einem Glasdach mit 6000 Meter Durchmesser, der dazu auch noch umweltfreundlich sein soll.
Bei dem Bauwerk handelt es sich nämlich um ein Aufwindkraftwerk. Das australische Unternehmen EnviroMission will mit seinem Projekt nicht nur das größte Solarkraftwerk errichten, sondern gleichzeitig den bisher höchsten freistehenden Turm – den Canadian National Tower in Toronto – um 447 Meter überragen. 700 Millionen Dollar wird das Projekt kosten, und nach seiner Inbetriebnahme 200.000 Haushalte mit alternativer Energie versorgen.
Die Idee des Aufwindkraftwerkes ist nicht neu. Schon in den 1930er Jahren gab es erste Überlegungen zu einer neuen Technik. In den 1980er Jahren begann schließlich der Ingenieur Jörg Schlaich an der Realisierung der Pläne zu arbeiten. In Manzanes, südlich von Madrid, entstand 1986 die erste Anlage. Ein Prototyp, der nur dazu diente, den Erfolg der Anlage zu beweisen. Drei Jahre produzierte sie Energie, mit einer Spitzenleistung von 50 kW bei einem Durchmesser von 240 Metern. Der Kamin war im Gegensatz zu dem heute geplanten Projekt nur 195 Meter hoch.
Die Technik des Kraftwerkes ist im Grunde simpel: Es macht sich die natürliche Eigenschaft zu Nutzen, dass warme Luft nach oben steigt, während die kalte in Bodennähe bleibt. Im Zentrum der Anlage befindet sich deshalb der Kamin. Um diese Säule herum liegen die überdachten Flächen der Sonnenkollektoren. Scheint nun die Sonne auf das Glas- oder Plastikdach, erwärmt sich die darunter liegende Luft. Sie steigt durch den Kamin nach oben, und kühlere Luft strömt von den Seiten nach. Die aufsteigende Luft treibt eine in den Kamin eingebaute Turbine an, die nun mit Hilfe eine Generators daraus Strom erzeugt.
Das einzige Problem der Konstruktion ist aber nach wie vor deren Standfestigkeit. Bei einer Höhe von einem Kilometer muss die Basis weit genug und das Material äußerst stabil sein, um den Turm ausreichend gegen Winde zu schützen.
Australien soll mit dem Kraftwerk auch ein Stück auf dem Weg zur Erfüllung des MRET (Mandatory Renewable Energy Target)-Gesetzes weiterkommen. Ziel dieses Gesetzes ist es, jährlich 9.500 Gigawatt-Stunden Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren. Derzeit liegt die Rate nur bei 925 Gigawatt-Stunden. Der Anteil könnte bei voller Ausnutzung des fünften Solarkraftwerkes auf 40 Prozent gesteigert werden. Die australische Regierung unterstützt das Vorhaben des Unternehmens, was vor allem den Genehmigungsprozess maßgeblich beschleunigt. So gibt es die grüne Energie um einiges schneller.
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