Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(sd) Ein Jahr ist es nun her, da zog es uns in der heil’gen Nacht für das nette Miteinandersein an die frische Luft – waren es draußen doch nicht weniger als 15 Grad. Winter in Südkalifornien verlaufen üblicherweise schneefrei und büßen so einen Teil der weihnachtlich-festlichen Stimmung ein. Und so fühlt sich der Mitteleuropäer wie auf Entzug, wenn er dann am 25. Dezember ohne Schnee, aber bei angenehm frühlingshaften Temperaturen mit dem Braten die Sonne auf der Terrasse teilt.
Auf Entzug zu sein scheint sich zu einer neuen Sportart zu entwickeln. Rang eins aller Disziplinen ist seit Jahren der Schokoladen-Entzug, der vor allem Damen in hoffnungsvolles, tiefes Seufzen versetzt. Und so ist es doch immer wieder ein Schauspiel, die lüsternen Blicke jener Abhängigen zu genießen, die sich bis in die untersten Schichten Milka bohren, welche vor allem zur Weihnachtszeit wieder öfter in den Wohnzimmern und Kaffeerunden auftaucht. Dabei kann Schokolade aufgrund ihres Serotonin-Gehaltes vor allem im Winter einen bedeutenden Beitrag für das innere Wohlgefühl leisten.
Dem Romantiker ist das egal. Seine Vorstellung vom idealen Weihnachtsfest gestaltet sich nicht nach der Menge der Schokoladen-Täfelchen auf seinem Weihnachtsteller, sondern nach der Menge des Schnees vor seiner Haustür.
Bislang dachte ich, ich gehöre in diese Gruppe. Doch mit dem überraschenden ersten Schneefall am 13. Oktober 2002 hat sich meine Illusion, mein „Dreaming of a White Christmas“, gar schnell verflüchtigt. Und vor allem, seitdem ich, wie viele andere in den letzten Tagen wieder durch die matschige Schneepampe auf Berlins Straßen stampfe, weiß ich: So ein Entzug hat eben auch seine schokoladigen Seiten.
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