Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(sp) Die größten Skeptiker hatten wieder mal recht: Der sogenannte Atomausstieg ist in Wirklichkeit nur eine Bestandsgarantie für Schrottreaktoren. Pünktlich nach der knapp gewonnenen Bundestagswahl bricht die Regierung Schröder so ziemlich jedes vor der Wahl gegebene Versprechen. Die wichtigsten Lügen: die deutsche Beteiligung am Irak-Krieg und der Ausstieg aus dem Atomausstieg. Denn das Uralt-AKW Obrigheim, das im „Atomkonsens“ ohnehin schon eine verlängerte Laufzeit bekommen hatte, darf noch mal zwei Jahre länger Atomstrom und Atommüll produzieren. Dabei hat es wegen erheblicher Abweichungen von den Genehmigungen wohl noch nicht einmal eine Betriebsgenehmigung – die Staatsanwaltschaft ermittelt. Immerhin läßt sich mit der Juckreiz-Ökostrom-Kampagne der rot-grünen Atompolitik ein Schnippchen schlagen und der ganz persönliche Atomausstieg vollziehen.
Der Betreiber des Atomkraftwerks Obrigheim, die Energie Baden-Württemberg (EnBW), hatte sich bisher nicht gerade als „zuverlässig“ hervorgetan, wie es das Atomgesetz eigentlich fordert: In den EnBW-Atomkraftwerken Philippsburg, Neckarwestheim und Obrigheim wurde siebzehn Jahre lang massivst gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen.
Russisches Roulette, vorsätzlich
Die Reaktoren wurden angefahren, obwohl klar war, daß im Falle einer Störung eine Notabschaltung der Meiler nicht möglich gewesen wäre, weil nicht genügend Kühlmittel in den Behältern war. Ein Störfall wäre das Ende der Atomenergienutzung in Deutschland gewesen – dummerweise nur auch das Ende Deutschlands an sich. Russisches Roulette, vorsätzlich.
Trotz alledem und trotz der Festlegung im „Atomkonsens“ – an dem nur Politik und Atomwirtschaft beteiligt waren, wichtige Akteure wie die Umweltverbände fehlten –, daß Strommengen grundsätzlich nur von älteren auf neuere Kraftwerke übertragen werden sollen, darf der älteste Reaktor der Republik nun noch mal zwei Jahre länger am Netz bleiben. Beantragt hatte EnBW schlappe fünf Jahre – hätten sie zwölf beantragt, hätten sie wohl fünf bekommen. Abgeschaltet wird Obrigheim nun voraussichtlich pünktlich zum Bundestagswahlkampf 2006.
Jeder Stau ist besser versichert
Dabei wäre es wohl auch in der Öffentlichkeit viel besser angekommen, wenn sich Rot-Grün auf einen Punkt konzentriert hätte, der in der Diskussion völlig untergegangen ist: Zwar kann ein Atomunfall (materielle) Schäden unvorstellbaren Ausmaßes verursachen – versichert gegen eine solche Katastrophe sind die strahlenden Zeitbomben aber praktisch nicht. Ein typischer Stau bringt erheblich mehr an Haftpflichtsumme mit als ein Atomkraftwerk!
Doch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat EnBW-Chef Gerhard Goll eine geheime Zusage gegeben, daß der Schrottreaktor Obrigheim weiterlaufen darf, und daß er nicht viel Wert auf Zuverlässigkeit legt, hat er ja auch zu Genüge bewiesen.
Für Obrigheim – in Betrieb gegangen 1968 – bleibt nun nur noch zu warten, was der Verwaltungsgerichtshof Mannheim dazu sagt, daß das Atomkraftwerk erheblich anders gebaut wurde als ursprünglich genehmigt. Gab es Abweichungen bei „sicherheitsrelevanten Komponenten“, droht die Abschaltung. Und immerhin ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf unerlaubtes Betreiben einer kerntechnischen Anlage nach § 327 Strafgesetzbuch.
Persönliche Energiewende. Jetzt.
Wer darauf nicht warten will und keine Lust hat, ohnmächtig dem nächsten rot-grünen Zugeständnis an die Atomindustrie zuzusehen, kann aber auch den ganz persönlichen Atomausstieg vollziehen – und dabei oft sogar noch Geld sparen. Denn Ökostrom von Lichtblick ist für normale Haushalte nicht nur billiger als „BerlinKlassik“ von der Bewag, sondern es gibt bei Vertragsabschluß über den Juckreiz zusätzlich noch 100 Kilowattstunden kostenlos als Begrüßungsgeschenk. Zudem bekommt der Juckreiz für jeden vermittelten Vertra eine Provision, mit der wir diese Zeitung und damit auch den Kampf gegen die Atommafia finanzieren. Und als Bonbon gibt es auf Wunsch zum Ökostrom dazu ein Jahr lang den Juckreiz kostenlos.
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