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Elektroschrott

Ab 2005 gilt das Verursacherprinzip

(sp) Quecksilber, Blei, Cadmium, Chrom, Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), PCB, PVC, bromhaltige Flammschutzmittel, Asbest, Arsen – das sind nur einige der typischen Bestandteile von Elektrogeräten. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind hochgefährlich. Über 90 Prozent der ausgemusterten Elektro- und Elektronikgeräte landen heute einfach auf der Mülldeponie oder werden verbrannt. Bei rund 1,8 Millionen Tonnen Elektroschrott in Deutschland (1999) und jährlichen Steigerungsraten von drei bis fünf Prozent eine Menge Gift. Die Elektronikschrott-Verordnung der Europäischen Union soll das künftig ändern.

Müllverbrennung bläst jedes Jahr EU-weit 36 Tonnen Quecksilber und 16 Tonnen Cadmium in die Luft. Deutlich beteiligt: Elektroschrott. Auch die Menge der hochgiftigen Dioxine und Furane wird durch ausgemusterte Toaster und Computer in der Verbrennung massiv erhöht. Und auch das in Elektrogeräten gerne eingesetzte PVC stellt ein großes Umweltproblem dar: Zum Verbrennen ist der Kunststoff zu giftig, beim Ablagern auf Deponien können Phtalate und andere gefährliche Weichmacher austreten. Da selbst die beste Mülldeponie niemals wirklich dicht sein kann, gelangen die Gifte so ins Grundwasser. Und die derzeit genutzten Müllkippen sind häufig nicht viel mehr als Löcher, in die der Dreck gekippt wird...

Dass das nicht so bleiben kann, hat letztlich auch die Europäische Union eingesehen. Im Dezember hat das Europaparlament zwei seit Jahren geplante Elektronikschrott-Richtlinien beschlossen. Ab 2005 müssen die Hersteller alte Elektro- und Elektronik-Geräte von Privatleuten zurücknehmen und entsorgen und zwar auch alte Geräte, die bis dahin noch verkauft werden oder bereits verkauft worden sind. Zahlen müssen die Hersteller oder Importeure: So gibt es den Anreiz, möglichst schadstoffarme und recyclinggerechte Geräte zu bauen.

So steht zu hoffen, dass die Zahl der alten Waschmaschinen und Fernseher im Wald und der Computerteile und Haartrockner im Hausmüll künftig zurückgeht – wenn auch erst ein Jahr später als ursprünglich geplant. Immerhin nicht erst 2008, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen... Um die VerbraucherInnen darauf aufmerksam zu machen, dass bestimmte Geräte nicht in den Hausmüll gehören, ist künftig ein Hinweis-Symbol wie bei Batterien Pflicht – hoffentlich mit mehr Erfolg als bei den kleinen Energiespendern.

Ab 2006 muss das Recyclingsystem zudem pro BürgerIn mindestens vier Kilo Elektroschrott jährlich einsammeln – das EU-Parlament hatte sechs Kilo gefordert –, ebenso müssen bestimmte Anteile des eingesammelten Materials auch verwertet werden. Um das Recycling einfacher zu machen und Gesundheitsgefahren bereits von vornherein zu verringern, werden zudem besonders kritische Stoffe verboten, sofern es Alternativen gibt: Blei, Cadmium, Quecksilber, sechswertiges Chrom und bromhaltige Flammschutzmittel stehen auf der Liste.

Wer einen großen Keller hat und zwischenzeitlich nicht umzieht, kann sich also schon darauf freuen, die gesammelten Radios der letzten Jahrzehnte irgendwann doch mal loszuwerden, ohne gleich für die Entsorgung ähnlich viel Geld blechen zu müssen wie für den Kauf. Und auch gewerbliche NutzerInnen dürfen sich freuen: Die große Menge an zu verwertenden Elektroschrott wird zur Entwicklung recyclingfreundlicher Geräte und von Verfahren führen, die die Kosten massiv senken.

Die Gifte

(sp) Die EU will einige besonders gefährliche Gifte aus elektrischen und elektronischen Geräten verbannen:

Cadmium

Cadmium sammelt sich beim Menschen besonders in Nieren, Knochen und Blut und baut sich dort nur schwer wieder ab. Zu den wichtigsten bekannten Gesundheitsschäden gehören Nierenfunktionsstörungen, Wachstumsstörungen, Skelettschäden sowie Fruchtbarkeitsschäden. Außerdem steht Cadmium im Verdacht, Leber-, Lungen- und Prostatakrebs zu verursachen. Auch niedrige Konzentrationen können auf lange Sicht zu chronischen Vergiftungen führen. Folge ist zum Beispiel eine höhere Knochenbrüchigkeit. Auch für Tiere ist Cadmium giftig - zu nennen sind Blutarmut, verminderte Fortpflanzungsraten, vergrößerte Gelenke, schäbiges Fell, vermindertes Wachstum sowie Leber- und Nierenschäden.

Blei

Blei ibst ein Nervengift und besonders für schwangere Frauen, ungeborene Kinder und Kinder bis zu sechs Jahren gefährlich. Blei kann das Hormonsystem und das Nervensystem beeinflussen, den Blutkreislauf und die Nieren schädigen. Tierversuche lieferten hinreichende Nachweise für die Annahme, dass Blei beim Menschen Krebs verursacht. Blei reichert sich in der Umwelt an und ist sowohl akut, als auch chronische stark giftig für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen.

Quecksilber

Quecksilber schädigt das Gehirn, besonders die Gesichtssinns-, Koordinierungs- und Gleichgewichtszentren. Methylquecksilber kann von der Mutter an das ungeborene Kind weitergegeben werden, so dass das Kind in schweren Fällen mit Gehirnschäden zur Welt kommt und geistig behindert ist. Quecksilber reichert sich über die Nahrungskette an. Eine Vergiftung durch Quecksilber wird als Ursache dafür angesehen, dass bestimmte Vogelarten vom Aussterben bedroht waren. Die wichtigste Quelle von Methylquecksilber in der Nahrung ist Fisch.

Bromierte Flammschutzmittel

Ein Teil dieser Verbindungen schädigt Leber und Schilddrüse und beeinflusst das Verhalten von Versuchstieren. Manche reichern sich als Dauergifte in der Umwelt an, beeinflussen die Fortpflanzung aus und können zur Bildung von Tumoren in der Leber führen. Eine weitere Gruppe ist hochgiftig und hat Auswirkungen, die denen von chlorierten Dioxinen und von PCB ähneln. Außerdem im Katalog: hormonelle Störungen.

Druckerpatronen künftig nachfüllbar

(sp) Die Elektronikschrott-Richtlinie wird für VerbraucherInnen handfeste finanzielle Vorteile mit sich bringen: Ab 2006 müssen Tintenpatronen für Drucker nachfüllbar sein. Das ergibt sich zwar nicht aus der Richtlinie selbst, aber aus den Erwägungsgründen, in denen es heißt, dass die Wiederverwendung von Verbrauchsmaterialien „nicht durch bestimmte Konstruktionsmerkmale oder Herstellungsprozesse verhindert werden soll“. Derzeit betreiben Druckerhersteller großen Aufwand, um ein Nachfüllen der Patronen mittels Speicherchips oder ähnlichen Techniken zu verhindern. Teilweise wird gar in die Drucker selbst eine Lebenszeit-Begrenzung eingebaut: Nach einer bestimmten Zahl an gedruckten Seiten verweigert das Gerät seinen Dienst. Die „Reparatur“ ist so teuer, dass eine Neuanschaffung billiger ist.


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