Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(kr) Die erste Getränkedose wurde Anfang der 30er Jahre in den USA erfunden, bestand aus Weissblech und beinhaltete Bier. Anfang der 50er Jahre kam sie dann auch nach Europa, durch auf dem Kontinent stationierte Einheiten der amerikanischen Streitkräfte und bestand somit weiterhin aus Weissblech. 1958 wurde die erste Aluminiumgetränkedose produziert. Ständig veränderte sich ihr Design. Man kam 1961 dann beim „easy-open“-Deckel (Ring-Pull-Verschluss) an.
Heute bestehen rund 80% der jährlich 222 Mill. Getränkedosen aus Aluminium. In Deutschland werden Aluminiumverpackungen über das sog. DSD (Duales System Deutschlands) gesammelt. Aluminium ist ein wertvoller Werkstoff, der positive Eigenschaften wie Leichtigkeit, gute Verarbeitungsmöglichkeit, Langlebigkeit, gute Recyclebarkeit (Recyclingquote: 91%) trägt. Es ist zudem in den verschiedensten Wirtschaftszweigen wie Verkehr, Elektroindustrie, Maschinenbau, Bauwirtschaft oder Verpackung einsetzbar. Die Herstellung von Aluminium kann jedoch nur mit besonders hohem Energieaufwand realisiert werden.
Es gibt 2 Arten von Getränkedosen. Eine besteht aus Weissblech, die andere aus Aluminium. Beide kommen in Deutschland zu je 50% vor. Jegliche Energie die in Deutschland für die Herstellung von Getränkedosen verwertet wird, entspricht der 5-monatigen Leistung des Kernkraftwerks Biblis (1.200 MW). Ausserdem entsteht allein bei der Herstellung einer Getränkedose ein vom Eigengewicht des Endprodukts 10-facher Abfallberg (ca. 360g). Die Aluminiumproduktion wird als eine der umweltschädlichsten Aktivitäten der Menschen bezeichnet. Vier Tonnen Bauxit und ca. 53.000 kWh fossiler Energie werden für die Produzierung von einer Tonne Aluminium benötigt. Dadurch entstehen Umweltgifte und Rohstoffe werden stark verbraucht. Bauxit wird besonders in Ländern der sogenannten Dritte Welt unter großem maschinellen Aufwand im Tagebau abgebaut. Die zur Aluminiumherstellung benötigten Energiemengen werden vor allem durch künstliche Wasserkraftwerke erzeugt. Das hat zur Folge, dass große Flächen des Regenwaldes abgeholzt oder überflutet werden. Auch Entlaubungsgifte werden benutzt. Jegliches Leben wird abgetötet, das ökologische Gleichgewicht wird vollends zerstört. Tiere, Pflanzen, aber auch die dort seit Jahrtausenden lebenden Naturvölker sind von der Ausrottung bedroht. Ihre Kultur wird zerstört, ständige Zwangsumsiedlungen, „Zivilisationskrankheiten“ werden eingeschleppt. Viele finden sich in dieser Industriegesellschaft nicht zurecht und werden zu Alkoholikern. Sogenannte perfluorierte Kohlenwasserstoffe, welche bei der Aluminiumproduktion entstehen, tragen 6.000 mal stärker zum Treibhauseffekt bei als CO2 und haben eine Lebenszeit von 10.000 - 50.000(!) Jahren.
Es ist unverantwortlich, für so kurzlebige Güter wie Getränkedosen Aluminium zu verwenden, nur weil es auf dem Weltmarkt so preiswert ist. Das ist es auch nur deshalb, weil die Länder der sogenannten Dritten Welt unter anderem aus den Erlösen des Alu-Verkaufs ihre Schulden begleichen, die sie bei den westlichen Banken haben. Die Verpackungsindustrie suggeriert das Bild der unbegrenzten Wiederverwertung. Dabei wird jedoch nicht erwähnt, dass aus Dosen nie wieder Dosen werden, sondern höchstens minderwertige Produkte wie Draht oder Baustahl. Die Getränkedose ist also eine Energie- und Ressourcenverschwendung ersten Ranges. Trotzdem ist es ökologisch völlig unsinnig, Lebensmittel zu kaufen, die Hunderte von Kilometern entfernt produziert wurden.
Es gibt sogar psychologische Ansätze, sich mit einer Dose auseinander zu setzen. Hierbei handelt es sich um eine Analyse der verschiedenen „Dosen-Öffner-Persönlichkeiten“. So ungefähr nach dem Motto: „Öffne diese Coladose und ich sag Dir, wer Du bist.“ Das nennt man dann Dosen-Psychologie. Wenn Du z.B. die Dose nur mit einer Hand öffnest, indem Du den Finger unter den Öffner klemmst, die Hand samt Dose nach oben schwingst und sie dann ganz schnell wieder nach unten reisst und das möglichst unter lautem Zischen durch den Austritt der Kohlensäure passiert, damit Du auch genügend Aufmerksamkeit erregst, dann gehörst Du zu der Sorte „Der coole Typ“. So kann jeder Charakter genau festgelegt werden. Hierbei handelt es sich jedoch nur um einen Witz. Aber daran kann man mal erkennen, wie sehr die Coladose den Menschen beschäftigt.
Es gibt jedoch auch Menschen, die sich auf produktivere Weise mit der Dose auseinandersetzen. So starteten Jugendliche am 6. November 1991 in Göttingen die Aktion „Total Tote Dose“, die sich bis zum heutigen Tage gehalten hat, sich gegen die Verpackungsflut und für einen ökologischeren Umgang mit den Ressourcen einsetzt. Mehr als 3.500 SchülerInnen demonstrierten damals gegen die Umweltfeindlichkeit und plädierten für dosenfreie Städte in Deutschland. Die Aktion breitete sich zu einer deutschlandweiten Jugendumweltkampagne aus. So versteckten Jugendliche beispielsweise das Brandenburger Tor hinter 50.000 Getränkedosen oder zogen mit 70.000 Dosen nach Bonn (Jahr 1993), um dort auf die Tatenlosigkeit der Bundesregierung aufmerksam zu machen. Bei so viel Einsatz sind selbstverständlich auch erstaunenswerte Erfolge zu verzeichnen. Eine Berliner Brauerei stellte z.B. aufgrund der „Brandenburger-Tor-Aktion“ von Dosen auf Mehrwegflaschen um. Und in Göttingen konnte die erste „Dosenfreie Zone“ eröffnet werden, d.h. die Läden in einem Stadtteil verzichteten auf den weiteren Verkauf von Getränkedosen. Inzwischen haben es die Jugendlichen geschafft, über 150 Dosenfreie Zonen einzurichten. Ihr größter Gegner, die Wirtschaft machte es ihnen jedoch nicht leicht. Es wurden Gegenkampagnen gestartet, die die Dose wieder in ein besseres Licht rücken sollten. Überall blähte es nur so von Dosenwerbung. Selbst Künstler priesen – gegen eine Bezahlung – die Dose mittels ihrer Fähigkeiten an. Die Jugendlichen lassen sich jedoch nicht unterkriegen und kämpfen weiterhin für unsere Umwelt. Allein in den letzten 5 Jahren hatte die Kampagne einen Zuwachs von 10.000 Jugendlichen. Das nächste große Ziel ist die Ausweitung auf europäischer Ebene.
Aber nun lohnt es sich in Deutschland ohnehin nicht mehr, aus Dosen zu trinken. Denn am 1. Januar 2003 wurde das Dosenpfand unwiderruflich eingeführt. 1991 entschied die damalige Bundesregierung aus Union und FDP über das Dosenpfand, welches im Falle einer Anteilsunterschreitung (nicht unter 72%) der Mehrwegverpackungen eingeführt werden müsse. Schon seit 1997 wird diese Mehrwegquote deutlich unterschritten und ist inzwischen bei schätzungsweise 60% angelangt. Und so gilt nun: Pfand auf alle Einwegverpackungen (Dosen, aber auch Glas und Kunststoff) mit Bier, Mineralwasser, Limonade und Cola. Pfandpflicht gilt auch auf stilles Wasser im Tetra-Pak. Tetra-Paks mit Saft oder Wein sind weiterhin pfandfrei, sowie der Getränkekarton mit Milch. Wein, Sekt, Spirituosen, bzw. Mischgetränke und Fruchtsäfte in Einwegflaschen sind ebenfalls pfandfrei. Bis 1,5 Liter wird das Pfand für Dosen und Einwegflaschen bei 25 Cent liegen, bei jeder größeren Verpackung 50 Cent. Das Ziel des Pflichtpfandes liegt also in der Verhinderung des sinkenden Mehrweganteils bei Getränkeverpackungen. Und das scheint erfolgreich zu sein. Denn bereits am ersten Tag schießt der Kaufanteil umweltfreundlicher Mehrwegflaschen in die Höhe. Ein Umsatzzuwachs von 50 auf 65 Prozent! Das befürchtete Chaos, welches mit der Einführung des Dosenpfand erwartet wurde, blieb auch aus. Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch sprach von einer 98%igen Teilnahme der Läden am Pflichtpfand. Ausnahmen bestätigen die Regel und so tanzte diesmal die Lebensmittelkette Plus außerhalb der Reihe. Das Pfand wurde hier gegen die hauseigene Pfandmarke ausgezahlt, ohne dass die leere Verpackung mit abgegeben wurde. Nun, nachdem der „Fehler“ korrigiert wurde, wird das Pfand nur noch gegen Marke und Verpackung zurückerstattet. Natürlich haben sich auch die Gegner des Dosenpfandes schon wieder gemeldet. Die „Pfand-Opposition“ kündigt rechtliche Schritte gegen die Pflicht(!)-Einführung an. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) bleibt gelassen: „Die Unternehmen glauben, dass ihr ungehemmtes Gewinnstreben vor dem Allgemeinwohl steht. Das geht aber nicht so [...] “. Auch für Dosenfans lohnt sich Mehrweg wieder. Einweg ist jetzt nämlich pfandlastiger. Beispielsweise kostet einen eine Mehrweg-Bierflasche 8 Cent, für ein „Einweg-Bier“, in welcher Form auch immer, muss man drei mal so viel Pfand zahlen. Der einzige Nachteil des Dosenpfandes liegt im noch-nicht-vorhandenen bundesweiten Rücknahmesystem. Dieses tritt erst am 1. Oktober 2003 in Kraft. Dann kann man leere Dosen und Einwegflaschen an jeder Verkaufsstelle abgeben – per Hand oder per Automat, von denen 80.000 Stück aufgestellt werden sollen. Zunächst müssen Kunden ihr Leergut in dem Laden zurückgeben, wo sie es einst gefüllt kauften. Einige Händler verzichten deshalb bereits jetzt gänzlich auf den Verkauf von Einweg-Getränkeverpackungen.
Im Jugendaktionshandbuch Abfall steht: „[...] treten also die ökonomischen Gründe für den Trend in eine immer stärkere Wegwerfgesellschaft ins Bild: Menschliche Arbeit wird durch Energie und Material ersetzt - nichts anderes bedeutet der Umstieg von Mehrweg auf Einweg, der Verzicht auf Reparatur und Rücknahme, das Zerschlagen (Verbrennen) statt dem Zerlegen. Hier treffen sich also fortschrittliche Abfallwirtschaft und andere umweltpolitische und gesellschaftliche Interessen: Das steuerliche Verteuern von Energie anstatt von Arbeit wäre vielleicht der wesentlichste Beitrag, um der Industriegesellschaft nicht nur Arbeitsplätze zu schaffen, sondern ihr auch das Ex und Hopp abzugewöhnen. [...] “ (Jugendaktionshandbuch Abfall, 2.Auflage, Herbst 1997, Hrsg.: Total tote Dose - eine Aktion zum Mitmachen)
Falls Du Lust bekommen hast, Dich auch gegen die Dose einzusetzen, guck doch mal auf die Homepage der Jugendlichen: http://www.oneworldweb.de/ttd/ttd/index.html
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