Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(sp) Wir stehen auf, holen die Zeitung aus dem Briefkasten – Papier. Wir gehen aufs Klo, wischen uns den Hintern ab – Papier. Wir schmieren uns ein Butterbrot und wickeln es ein – Papier. Wir gehen zur Schule und schlagen ein Buch auf – Papier. Wir schreiben uns die wichtigsten Punkte aus dem dreiviertelstündigen Monolog auf – Papier. Wir kaufen uns eine Fahrkarte, um shoppen zu fahren – Papier. Wir drucken eine Datei aus auf – Papier. Wir bekommen einen Liebesbrief auf – Papier.
Papier ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Bereits vor über 4000 Jahren entwickelten die alten Ägypter Papyrus. Papier, wie wir es heute kennen, gibt es in China seit über 2000 Jahren. Im Jahre 1360 wurde die erste deutsche Papiermühle in Nürnberg gegründet.
Papierproduktion als Abfallverwertung
Jahrhundertelang war die Papierproduktion Abfallverwertung: Alte Lumpen wurden eingeweicht, liegengelassen, bis sie verfault waren, und dann zerkleinert. Aus diesem Brei wurde in mühevoller Handarbeit Papier geschöpft.
Die Lumpen waren dabei eigentlich kein Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff. Die Lumpenknappheit ging so weit, daß Toten keine Leinenhemden mehr angelegt werden durften und daß Ausfuhrverbote für Lumpen verhängt wurden.
Papierrecycling seit dem 18. Jahrhundert
Papier war immer knapp und wertvoll. Pergament wurde einfach abgeschabt und erneut beschrieben. Bei Papier ging das nicht, doch wurde bereits vor dem Aufkommen der ersten Papiermaschinen das Recycling erfunden: Aus dem Jahr 1774 stammt die ersten Beschreibung der Herstellung von neuem Schreib- aus altem Buchpapier.
Die damaligen Qualitätsprobleme wurden erst rund 200 Jahre später wirklich gelöst. Seit 1970 gibt es Recyclingpapier, das ohne weiteres zum Schreiben und Drucken geeignet ist. In den letzten Jahren investierten die Hersteller viel Gehirnschmalz in Verfahren, Recyclingpapier immer heller zu machen. Ergebnis sind Recyclingpapiere, die sich mit bloßem Auge teilweise nicht mehr von Frischfaserpapieren unterscheiden lassen.
Billiger, aber schwer zu kaufen
Damit, so könnte mensch denken, sollte ein Siegeszug des umweltfreundlichen Papierrecyclings einhergegangen sein. Schließlich müssen keine Bäume mehr gefällt werden und fällt die besonders umweltschädliche Zellstoffproduktion weg. Außerdem verringern sich die großen Abfallberge.
Doch im Gegenteil verschwand Recyclingpapier aus Geschäften und Copy-Shops. Wer heute auf Öko-Papier kopieren will und keinen eigenen Kopierer hat, muß sich sein Papier entweder mitbringen oder zu Unis und Behörden gehen. Die haben nämlich erkannt, daß sich Papierrecycling nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch betriebswirtschaftlich rechnet. Anders ausgedrückt: Recyclingpapier ist billiger im Einkauf und billiger beim Bedrucken. Da es auch nicht so stark durchscheint, können dünnere Sorten genutzt werden – auch das spart ein, mensch denke nur an die hohen Portogebühren.
Die Lösung
Zumindest an Schulen läßt sich der Einsatz von Altpapier mit einfachen Mitteln deutlich erhöhen: Bereits seit über einem Jahrzehnt verkaufen Umweltgruppen Umweltschutzpapier an ihren Schulen. Sie organisieren Sammelbestellungen oder machen einen offenen Verkauf, teilweise in jeder Pause.
Zum Erfolg dieser Idee tragen zwei Aspekte bei: Einerseits der der Faulheit. Warum sollte ich noch nachmittags losziehen, um mein Schulheft zu kaufen, wenn ich das auch in der Schule bekomme? Andererseits der der Kosten. Denn durch den Einkauf im Großhandel ist das Umweltpapier günstiger.
Da viele Umwelt-AGs nicht über das nötige Kapital verfügen, um beim Großhändler einzukaufen, gibt es bei der BUNDjugend Berlin einen Umweltschutzpapierverkauf. So können Umweltgruppen ausprobieren, ob das Angebot angenommen wird – und schnell und günstig Nachschub bekommen und notfalls umtauschen oder zurückgeben. Außerdem gibt es Beratung und Tips, unter anderem in der Broschüre „Umweltschutzpapier an Schulen“, die kostenlos abgeholt werden kann oder gegen 1,44 Euro in Briefmarken auch versandt wird.
BUNDjugend Berlin, Jagowstraße 12, 10555 Berlin (Moabit), Telefon 030/39 28 280, http://www.jugendumwelt.de/papier
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